David Specker, haben Sie schon lange mit dem Gedanken gespielt, als Gemeinderat zu kandidieren?

David Specker: Ich interessiere mich schon länger für Politik. Als dann an der Gemeindeversammlung der Rücktritt von Claudia Trüb verkündet wurde, haben mir noch am Apéro diverse Leute nahegelegt, dieses Amt sei doch etwas für mich. Ich habe mir dann überlegt, ob ich das alleine oder mit einer Partei machen will. Die FDP ist deckungsgleich mit meinen Ansichten. Bei der Steuererhöhung war ich zum Beispiel klar dagegen. Als einzige Partei war auch die FDP dagegen.

Warum waren Sie gegen die Steuererhöhung?

Wer mit seinem Budget nicht klarkommt, muss grundsätzlich zuerst die Ausgaben senken und nicht die Einnahmen erhöhen. Das ist auch eine Frage der Planung. Aber ich will niemandem Unrecht tun, zurzeit kenne ich die Dossiers noch nicht so vertieft wie die anderen Gemeinderäte.

Sie wollen frischen Wind in den Gemeinderat bringen. Finden Sie den Gemeinderat überaltert?

Nein, aber ich hänge an Oberengstringen, möchte mich einbringen und der Gemeinde etwas zurückgeben. Zudem will ich junge Leute ansprechen, dafür bin ich sicher der Richtige.

Stört es Sie, dass Sie still gewählt wurden, ohne Stimmen zu erhalten?

Es geht mir nicht darum, mich auf Wahlplakaten zu sehen, sondern um die Arbeit für die Gemeinde. Dieses Amt soll derjenige machen, der am besten dafür geeignet ist. Und ich bin jetzt halt der Einzige.

Bald wird Oberengstringen wieder über seine Sportanlage Brunewiis diskutieren. Das letzte Sanierungsprojekt scheiterte an den hohen Kosten des Kunstrasens. Wie standen Sie zu diesem Geschäft?

Ich bin liberal und denke, dass sich der Staat so wenig wie möglich einmischen soll. Wer einen neuen Fussballrasen will, muss selber eine Finanzierung arrangieren. Es wäre daher der falsche Weg gewesen, diese Kosten auf die Steuerzahler abzuwälzen. Gegen notwendige Sanierungen habe ich aber nichts einzuwenden. Man sollte einfach im Voraus Gelder auf die Seite legen. Für jede Infrastruktur sind Rückstellungen nötig.

Ihre Vorgängerin hat das Ressort Gesundheit und Sicherheit inne. Mit Ihrem Hintergrund möchten Sie aber sicher das Finanzressort übernehmen.

Ich werde mit jedem Dossier glücklich sein, mit dem einen ein bisschen mehr, mit dem anderen ein bisschen weniger. Welches es auch wird: Ich lasse mich überraschen und werde für die Gemeinde das Beste herausholen.

In Gemeinderäten kommt es häufiger zu Wechseln. Haben Sie sich schon überlegt, wie lange Sie dieses Amt ausüben möchten?

Ich habe mich nun bis zum Ende der Legislaturperiode in zwei Jahren verpflichtet. Was danach kommt, sehen wir dann.

Viele Kantons- und Bundespolitiker haben als Gemeinderat angefangen. Streben Sie eine solche Karriere an?

Wer weiss? Ich freue mich jetzt auf die neue Herausforderung als Gemeinderat. Ob ich irgendwann als Kantonsrat kandidiere, weiss ich jetzt noch nicht.

In zwanzig Jahren haben Sie das typische Gemeinderatsalter erreicht. Wo sehen Sie Oberengstringen im Jahr 2035?

Es gibt sicher immer mehr verdichtete Bauten, alles wird urbaner, das ganze Limmattal. Es gibt ja die Vision, dass alles von Zürich bis Baden zu einer Stadt zusammenwachsen soll. Ich gehe schon davon aus, dass die Entwicklung in diese Richtung gehen wird. Man wird stärker wegkommen vom Dorfleben, das vielleicht unsere Eltern oder Grosseltern noch kannten. Ich finde es aber schön, dass man sich heute auch in Dietikon und Schlieren noch kennt und ein gewisses Dorfleben pflegt.

Abgesehen vom Steuerfuss: Mit was sind Sie in Oberengstringen unzufrieden?

Es gibt einige Sachen, die man verbessern könnte, aber ich möchte mich jetzt noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und auch niemandem zu Nahe treten. Ich muss zuerst tiefer in die Dossiers sehen können, bevor ich öffentlich darüber urteile. Alles andere wäre Stammtischpolitik.

Dann stelle ich die Frage neu: Welche Prinzipien werden Ihre Politik bestimmen?

Die Leute können davon ausgehen, dass ich nach liberalen Werten handeln werde. Zudem sind mir Ehrlichkeit und Transparenz wichtig.

Viele Junge von links bis rechts setzen sich für Transparenz ein. Warum ist Sie Ihnen wichtig?

Man kann so Missverständnisse vermeiden, sich absichern und zeigen, dass man ehrlich ist.

Also sind Sie dafür, dass alle Parteien ihre Finanzierung offenlegen müssen?

Ich halte das für eine prüfenswerte Idee. Es ist gut, wenn das Volk weiss, welche Interessengruppen hinter einer Botschaft stecken.

Wie erklären Sie sich selber, dass heute kaum jemand ein Amt in der Lokalpolitik übernehmen will?

Das habe ich mich auch gefragt. Vielleicht sind die Menschen egoistischer geworden. Und das Dorfleben fällt nun mal auseinander, hier im urbanen Raum. Nur schon im Zürcher Oberland oder im Aargau ist diese Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten. Dazu kommt, dass man sich als Junger nicht verpflichten will, für vier Jahre am gleichen Ort zu wohnen.