Welti-Furrer
Das Zürcher Transportunternehmen feiert sein 175-jähriges Bestehen

Welti-Furrer ist aus Zürich kaum wegzudenken. Insgesamt sind gegen 400 Mitarbeitende beschäftigt, der Fuhrpark umfasst rund 250 Fahrzeuge aller Art, vom Möbellift bis zum Schwertransporter.

Alfred Borter
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Jubiläum Welti-Furrer
13 Bilder
Jakob Furrer 1818-1889
Oswald Welti, 1869-1914
Ein Welti-Furrer - «Alpaufzug» Transport einer 38 Tonnen schweren Seilrolle für die Säntis-Schwebebahn
Sogar Giraffen wurden transportiert
Die Liegenschaft an der Pfingstweidstrasse, Lagerhaus und Betriebsgebäude
Ein amerikanisches Flugzeug für die Swissair wird in Bremen ausgeladen
Pneukran
Pneukran bei der Arbeit
Spezialtransport
Spezialtransport
Personentransport

Jubiläum Welti-Furrer

Limmattaler Zeitung

1838 gegründet, gehört das Transportunternehmen zur Limmatstadt genau so wie die Confiserie Sprüngli, die noch zwei Jahre älter ist, oder das Warenhaus Jelmoli, das 1833 gegründet wurde.

Und doch: 1993 stand die Firma am Abgrund, befand sich in Nachlassstundung. Gerettet wurde sie von der in Windisch ansässigen Knecht-Gruppe. Und heute kann das Unternehmen Welti-Furrer in guter Verfassung das 175-Jahr-Jubiläum feiern.

Es gibt nicht nur die spektakulären Schwertransporte, mit denen etwa eine Wasserturbine von Zürich zu einem Seehafen in Italien oder ein Passagierschiff vom Basler Rheinhafen an den Zürichsee gebracht werden, auch die Zügelwagen tragen den Namen Welti-Furrer in alle Welt. Auch Taxis und Limousinen gehörten einst zum Wagenpark, aber das ist Vergangenheit.

«Ein Mann der Tat»

Die Anfänge der weltweit tätigen Unternehmung liegen bei Jakob Furrer, der von 1818 bis 1889 lebte und zunächst als Postillon vom zentralen Postbüro in Zürich mit Normal- oder Eilgespannen Briefe und andere Postwaren in die Nachbarschaft brachte, nach Baden, Winterthur oder Rapperswil etwa.

Er war «ein Mann der Tat», wie einer Schrift des Vereins für wirtschaftshistorische Studien Meilen zu entnehmen ist, «frisch verheiratet und getrieben von einem gesunden Ehrgeiz». Er eröffnete eine eigene Fuhrhalterei an der Gräbligasse, also mitten im Zürcher Niederdorf. Bald bediente er nicht nur alle möglichen Orte in der Schweiz, sondern fuhr auch nach Hamburg und Bremen sowie nach Genua.

Die Eisenbahn machte diesem Geschäftszweig ein Ende. Furrer kam stattdessen auf die Idee, mit seinen Kutschen eine «Omnibus-Linie» zwischen dem neuen Zürcher Hauptbahnhof und Tiefenbrunnen zu betreiben, mit Zwischenstation an der Schiffanlegestelle am Sonnenquai - der Platz heisst immer noch Schifflände.

Auch illustre Gäste bedienten sich der Fuhrhalterei, so Minna Wagner, die Gattin des Komponisten Richard Wagner, der sich in einem erhaltenen Brief aus dem Jahre 1858 über die Art und Weise beschwerte, wie Furrer Schulden eingetrieben hatte.

Pferdetransporte bis 1963

1880 trat Schwiegersohn Albert Welti-Furrer in die Firma ein, 1898 umfasste der Wagenpark bereits 22 Landauer, 12 Victorias, zwei Vis-à-vis, einen Break, einen Omnibus, fünf Glaswagen, 14 Coupés, 16 Droschken, 9 Möbelwagen, 3 Brückenwagen, 3 Federwagen, 33 Schlitten und sogar einen Mistwagen.

Für internationale Transporte nahm man die Bahn in Anspruch - 1904 beispielsweise wurde ein Möbelwagen auf einen Bahnwagen gehievt, um den Hausrat eines Schweizer Ingenieurs nach Moskau zu transportieren. 1910 wurden die ersten Automobile angeschafft. Doch das Ende der Pferdehaltung kam erst 1963, nachdem während des Zweiten Weltkriegs der Pferdetransport wegen des Benzinmangels nochmals einen Aufschwung erlebt hatte.

1922 hatte man sich mit dem Aufbau einer Schwertransportabteilung einen neuen Geschäftszweig erschlossen; so beteiligte sich die Firma beim Transport der Komponenten für die Kraftwerke Wägital. Drei Jahre später wurde das Betriebsareal an der Pfingstweidstrasse bezogen, das immer noch die Betriebszentrale von Welti-Furrer enthält.

Weitere Neuerungen betrafen etwa 1933 die Vermietung von Autos an Selbstfahrer und 1949 die Einführung des Taxifunks. Nach dem Tod von Max Adolf Welti, dem letzten Spross der Gründergeneration, kam die Firma mehrmals in neue Hände, bis 1993 die Knecht-Gruppe einsprang und einen Grossteil der Firma übernahm und im Lauf der Zeit weiter ausbaute.

Heute umfasst Welti-Furrer die Teile Welti-Furrer AG mit dem Bereich Privat- und Geschäftsumzüge, die Welti-Furrer Fine Art AG, die sich mit der Lagerung und dem Transport von Kunstgegenständen befasst, die Welti-Furrer Pneukran und Spezialtransporte AG sowie die Eurobus Welti-Furrer AG, die nicht allein Reisebusse im Angebot hat, sondern im Glatttal und im Furttal auch die öffentlichen Buslinien betreibt. Insgesamt sind gegen 400 Mitarbeitende beschäftigt, der Fuhrpark umfasst rund 250 Fahrzeuge aller Art, vom Möbellift bis zum Schwertransporter.

Tag der offenen Tür mit einer Fahrzeugschau am Samstag, 1. Juni, von 14 bis 16 Uhr auf dem Areal von Welti-Furrer an der Pfingstweidstrasse 3 in Zürich.