Von zwölf bis zwei Uhr ist Mittagsruhe auf dem Campingplatz Rässenwies in Kleinandelfingen. Die Camper haben sich in ihren Liegestühlen zurückgelehnt und die Sonnenhüte weit ins Gesicht gezogen. Auch der Wachhund — ein grosser Bernhardiner — döst in der Sonne.

Dem Schlieremer Hans-Ulrich Etter gefällt die familiäre Atmosphäre und Ruhe auf dem kleinen Campingplatz an der Thur. Seit über 10 Jahren ist er Präsident des TCS Camping Club Zürich, zu dem der Campingplatz Rässenwies und der Campingplatz Maurholz in Maur gehört. «Der Platz in Andelfingen ist naturbelassen und hat nur die notwendigste Infrastruktur. Dennoch fühlen sich hier alle Camper wohl», sagt er.

Etter ist schon seit frühen Kindstagen ein begeisterter Camper. «Sämtliche Sommerferien habe ich in Italien auf einem Campingplatz verbracht», sagt er. Diese Erfahrung beschreibt er als die schönste Ferienzeit seines Lebens. Bis heute ist Etter regelmässig mit seinem Wohnmobil in Europa unterwegs. «Campen ist unkompliziert, da man unabhängig und der Natur sehr nahe ist.»

Platzwartin campiert mit

Um das Wohlbefinden der Gäste im Rässenwies sorgt sich Platzwartin Priska Sigg. Etter und seine Vorstandskollegen stehen in regelmässigem Kontakt zu ihr und sprechen sich mit ihr ab, falls es einmal Probleme gibt auf dem Campingplatz. «Wie überall gibt es auch bei uns einmal ein schwarzes Schaf, das sich nicht an die Regeln halten will», so Sigg. Die Platzwartin hat sogar einen eigenen Wohnwagen auf dem Gelände stehen, in dem sie und ihre Familie vom Frühling bis im Herbst übernachten. Jetzt zur Hochsaison sieht sie täglich nach dem Rechten, obwohl sie dies mit einem
25-Prozent-Pensum nicht müsste. «Ich mag meinen Job. An der frischen Luft zu sein und mit Menschen in Kontakt zu stehen, macht mir Spass», sagt sie.

Die Begeisterung für ihre Aufgabe spüren auch die Camper. Viele von ihnen kommen wieder nach Kleinandelfingen, weil sie sich bei Sigg gut aufgehoben fühlen. Caro Nägeli und Erich Roth aus Bern verbringen ihre Ferien seit fünf Jahren auf dem Campingplatz Rässenwies. 14 Tage sind sie diese Saison hier. «Mein Traum wäre es, einen ganzen Monat hier zu verbringen», sagt Caro Nägeli. Sie fühle sich auf ihrer Parzelle mit Flussblick fast wie zu Hause.

Mehr Campingplätze in Zürich

Obwohl der Campingplatz Rässenwies gut gebucht ist, lohnt sich der Betrieb finanziell nicht. «Wir kommen dank der Unterstützung des TCS Camping Club Zürich gerade so über die Runden», so Hans-Ulrich Etter. «Unser Ziel ist es, den Campingplatz mit einer schwarzen Null betreiben zu können.» Es sei jedoch wichtig, bestehende Plätze aufrechterhalten zu können, auch wenn diese keinen Gewinn abwerfen. Im Kanton Zürich gebe es generell zu wenig Campingmöglichkeiten. Sein Wohnmobil könne man fast nirgendwo abstellen. «Vor allem der Stadt Zürich fehlt es an einem grossen Platz», sagt er.

«Gerade bei Grossanlässen wie dem Ironman und der Leichtathletik-EM werden wir auf unseren Campingplätzen regelrecht überrannt und freie Zeltplätze sind sehr gefragt.» Als Mitglied des Gemeindeparlaments habe er auch schon versucht, in Schlieren etwas an der Situation zu ändern und für mehr Abstellplätze für Wohnmobile plädiert. «Ich bin jedoch auf taube Ohren gestossen», so Etter.

Seine eigenen Campingferien verbringt der Schlieremer dieses Jahr in der Lenzerheide. «Das Campen ist wie ein Virus, den ich eingepflanzt bekommen habe», sagt er. Das Wohnmobil sei mittlerweile sein eigenes kleines Hotel geworden, in dem er alle Freiheiten der Welt geniesse. «Wenn ich am Morgen meinen Kaffee in kurzen Hosen trinken möchte, interessiert das herzlich niemand.»