Die negativen Auswirkungen der wochenlangen Dürre und Hitze sind zahlreich: Die Bauern schlachten ihre Milchkühe, weil die Weiden verdorrt sind. Im Rhein erstickt eine Tonne Fische. Die Gemeinden Dietikon, Urdorf und Bergdietikon stellen ihre Brunnen ab.

Doch es gibt eine Branche, der es gut bekommen könnte, dass die Schweiz und das Limmattal klimatisch in den Süden verrückt wurden: den Weinbau. «Das wird ein Bomben-Jahrgang», sagt Gottlieb Werffeli, der in Weiningen 2,5 Hektar Reben hat. Die viele Sonne und die Wärme seien ideale Bedingungen, damit der Wein qualitativ sehr gut wird. Werffeli sagt: «Die Rebe kommt ja eigentlich aus dem Süden, also haben die Pflanzen sehr gerne Sonne und warm.» Durch das Wetter lagerten die Reben mehr Zucker und Aromastoffe in den Trauben ein, was den Wein gehaltvoller macht.

Sind die Winzer nun also die Gewinner des heissen und trockenen Wetters? «Das kann man schon sagen. Klar ist: Ich jammere nicht», antwortet Werffeli.
Abstriche machen muss der Weinbauer aber wohl bei der Menge, die er ernten kann. Wegen des wenigen Regens konnten die Trauben nicht so viel Wasser einlagern wie sonst. Das heisst: es gibt weniger Saft. Finanziell kommt es für ihn auf das Gleiche raus. Werffeli keltert nicht selber. Seine Traubenmenge ist kontingentiert und die maximale Menge erreiche er ohne Probleme – für alles darüber erhält er kein Geld. Werffeli liefert vor allem an die Volg-Weinkellerei und die Staatskellerei Zürich.

Nur Jungreben, die er diesen Frühling gepflanzt hat, muss Werffeli seit heute bewässern, weil diese noch keine tiefen Wurzeln geschlagen haben.

Unabsehbare Folgen

Bei Hans-Heinrich Haug, der ebenfalls in Weiningen Wein anbaut, ist das schon lange nötig. Mit einem Fass voll Wasser zog er schon mehrmals durch seine Reben und bewässerte Stock für Stock einzeln. Haug ist auch nicht so uneingeschränkt positiv eingestellt wie Werffeli: «Über die Qualität möchte ich überhaupt noch nicht spekulieren. Das kann man jetzt noch nicht sagen.»

Man müsse differenzieren: Die Jungreben zeigten schon lange Dürre-Erscheinungen. Bei den Ertragsreben, also solchen, die schon mehrere Jahre alt sind, sehe es dagegen momentan gut aus. «Das kann sich ändern», sagt Haug. «Wenn es noch längere Zeit so trocken bleibt, verursacht das Stress bei den Reben. Dann könnte die Reifung unterbrochen werden.» Das habe es im Limmattal noch nie gegeben und die Auswirkungen sind nicht absehbar. Haug stellt klar: «Ich bin grundsätzlich noch optimistisch. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Dürre zu lange dauert und das Ganze ins Negative kippt.» Seinen ganzen 4,5 Hektaren grossen Rebberg zu bewässern, sei unmöglich.

Lieber Qualität statt Quantität

Wenn es wegen der Wärme aber einen sehr guten Jahrgang und dafür eine bisschen kleinere Menge gibt, würde er dies als Eigenkelterer auch in finanzieller Hinsicht begrüssen, sagt Haug.

Mit 4,2 Hektaren ist das Rebbaugebiet des Klosters Fahr ähnlich gross wie das von Haug. Kellermeister Roland Steinmann geht wie Werffeli davon aus, dass die Qualität der Weine steigt und dafür die geerntete Menge abnimmt. «Man sagt ja, in der Kürze liegt die Würze. Also stehe ich dem positiv gegenüber», sagt Steinmann, der seine Jungreben schon längere Zeit bewässert. Die wegen des Wetters verlorene Ernte werde sich bei ihm wohl im einstelligen Prozentbereich bewegen.

Die Auswirkungen des heissen und trockenen Wetters auf die Qualität unterschieden sich aber nach Weinsorte. Rotweine profitierten generell eher, wogegen die weissen Trauben Mühe mit dem Wetter haben könnten. Steinmann sagt: «Die Weissweine haben in normalen Jahren eine schöne Fruchtigkeit. Mir fehlt ein wenig die Erfahrung, aber wenn man die Fachliteratur studiert, kann man befürchten, dass die Fruchtigkeit der Weissweine abnimmt.» Beim Rotwein beschere die Wärme dagegen gute Erfolge. Steinmann nennt ein Beispiel: «Der Pinot Noir reift schon fast vollständig am Rebstock. Man muss ihn beinahe nicht mehr im Fass oder auf der Flasche reifen lassen.»

Winzer lassen sich noch ein bisschen Zeit

In Deutschland begannen Winzer schon am Montag mit der Weinlese. Von den angefragten Limmattaler Winzern ist Gottlieb Werffeli der Erste, der mit der Lese beginnen wird. «In zwei Wochen werden wir den Riesling-Sylvaner ernten», sagt er. Das ist gut ein Monat früher als sonst. Roland Steinmann erntet voraussichtlich im September. Auch Hans-Heinrich Haug wird noch etwas zuwarten. Er ernte erst, wenn für ihn der Reifegrad der Trauben genau stimmt. Wenn er es denn tut, hofft Haug auf einige kühle Nächte vor der Lese: «Das wäre ideal für die Qualität der Weine.»