Schlieren

Das Wagi-Museum in Schlieren ist um ein Bijou reicher. Der kleine Bruder ist noch älter

Das Wagi-Museum in Schlieren holte sich den ältesten betriebsfähigen Gütertriebwagen zurück und transportierte ihn zur Sommerbeiz ins Zentrum.

Wenn ein siebzehn Tonnen schweres Gefährt durch die Lüfte schwebt, dann wirkt das schnell einmal spektakulär. Noch eindrücklicher wird es, wenn der älteste noch betriebsfähige Elektrotriebwagen der Schweiz in den Seilen hängt. So geschehen am Freitag in Schlieren mit dem FE 2/2 N. 32. Dieser wurde von Orbe im Kanton Waadt ins Limmattal transportiert. Seit 1962 stand der Wagen mit der heutigen Bezeichnung DE 2/2 als Rangierfahrzeug für das Unternehmen Travis in der Romandie im Einsatz. Ursprünglich wurde das 118-jährige Gefährt 1902 von der Waggons- und Aufzügefabrik Schlieren und der Maschinenfabrik Oerlikon hergestellt. Der Holzaufbau wich 1958 einer Blechkonstruktion. Das Fahrwerk ist noch im Originalzustand zu bestaunen.
Ermöglicht hat den Umzug das Wagi-Museum Schlieren. Der Verein ist damit um ein weiteres Bijou reicher und wird seinem Auftrag gerecht: die Betreuung des historischen Erbes der Schlieremer Wagonsfabrik. 2016 wurde das Wagi-Museum aus dem Nachlass der ehemaligen Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren gegründet.

Die Sommerbeiz wird zu einem kleinen Museum

«Als wir den Verein vor vier Jahren ins Leben riefen, hätten wir nicht gedacht, dass wir eines Tages einen Wagon mit dieser historischen Bedeutung zu uns holen würden», sagte Patrick Bigler, Leiter des Wagi-Museums und Vizepräsident des Vereins Historic Schlieren. Das sei nur wegen des grossen entgegengebrachten Interesses und Spendengeldern möglich geworden. Bereits im Sommer wurde der achtzehn Tonnen schwere Speisewagen WR. 8952 ins Schlieremer Zentrum gehievt. Dieser wurde 1912 gebaut und stand für das Schlierefäscht im Einsatz. Seit September steht er an der alten Badenerstrasse als Sommerbeiz. Diese wird vom Restaurant Corona betrieben. Wenn die Beiz am 30. April ihre Tore öffnet, ist der gelbe Gütertriebwagen als neues Ausstellungsobjekt zu bestaunen. Mit dem noch älteren, aber kleineren Wagi-Bruder wird der Platz zu einem Museum. Auch diesmal stand die St. Galler Firma Emil Egger für den Transport im Einsatz. «Bei uns sind solche Transporte Alltag, deswegen ist es nichts Aussergewöhnliches», sagte Projektleiter Timon Bohler. Dennoch sei es speziell, weil es ein alter Triebwagen ist. «Solche Wagons werden von uns alle paar Monate an einen neuen Bestimmungsort gebracht.»
Gekonnt bereitete das Team alles vor, damit der Wagen sachte angehoben und um neunzig Grad gedreht werden konnte. Der Umzug verlief relativ zügig. Etwas harziger gestaltete sich der Abtransport am Ursprungsort. Deshalb fuhr der LKW mit Verspätung auf den Platz ein. In Erwartung von neugierigen Zuschauern. Von der kleinen Sensation überrascht wurden Angela und Claude Bazzell aus Schlieren. Sie waren auf einem Spaziergang und liessen sich den Blick auf den fliegenden Elektrotriebwagen nicht entgehen. Besonders für das Wagi-Museum fanden sie lobende Worte: «Es ist toll, dass dieser Verein dahinter steckt und das alles für Schlieren ermöglicht», sagte Claude Bazzell. Der ganze Transport sei bestimmt auch nicht günstig gewesen, ergänzte Angela Bazzell. «Es ist spannend zu sehen, wie die Firma den Ablad auf die Gleise bewerkstelligt.»

Ein so altes Fahrzeug muss in Betrieb gehalten werden

Vorgesehen ist nun, dass der Gütertriebwagen für ein Jahr in Schlieren bleibt. «Das Fahrzeug muss in Betrieb gehalten werden, solange es geht», so Bigler. Es wirke sich schlecht aus, wenn der Wagen brachliege und zum Museumsobjekt werde, obwohl er noch einsatzfähig sei. Geplant ist deshalb, dass das Gefährt zur Museumsbahn Buckower in Berlin gebracht wird. Dort kann FE 2/2 Nr. 32 mit 750 Volt Gleichstrom weiterhin betrieben werden. Diese Stromschaltung ist auf der Strecke Orbe-Chavornay nicht mehr gewährleistet. Bigler stand die Freude ins Gesicht geschrieben. Besonders als das letzte Stück historisches Erbe, der Bügel, auf dem Dach montiert wurde. Er sagte: «Perfekt, jetzt sieht der Wagen doch schon viel besser und niedlicher aus.»

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Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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