Schlieren

Das Wagi-Museum holt sein nächstes Bahn-Juwel in der Waadt

Der älteste betriebsfähige Elektrotriebwagen der Schweiz kommt nach Schlieren.

Das Schlieremer Wagi-Museum holt den ältesten betriebsfähigen Elektrotriebwagen der Schweiz, der noch immer für ein Bahnunternehmen im Einsatz steht, zurück in den Kanton Zürich. Hier wurde er 1902 gebaut, von der Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren (Wagi) und der Maschinenfabrik Oerlikon. Das Wagi-Museum rettet also einmal mehr ein Industrieerbe. «Das historisch sehr wertvolle Fahrzeug wäre sonst verschrottet worden», sagt Patrick Bigler, Leiter des Wagi-Museums. Der rund 200 Kilometer lange Transport von Orbe nach Schlieren soll in den nächsten drei Wochen erfolgen. Gestern hat das Wagi-Museum die Offerte des Spediteurs für den Schwertransport erhalten, sagt Bigler gegenüber der Limmattaler Zeitung.

Der 118 Jahre alte Elektrotriebwagen ist in Schuss: Bis zuletzt stand er als Rangierfahrzeug im Einsatz für das welsche Transportunternehmen Travys, das 2003 die 1894 eröffnete Eisenbahnlinie zwischen Orbe und Chavornay übernahm, notabene die erste elektrische Normalspurbahn der Schweiz. Auf dieser fuhr der Triebwagen, der seit 1962 die Bezeichnung De 2/2 trägt. Ursprünglich wurde er unter der Bezeichnung Fe 2/2 Nr. 32 produziert.

Die Strecke Orbe-Chavornay ist zwar normalspurig, wird aber mit 750 Volt Gleichstrom betrieben. Darauf ist der De 2/2 ausgelegt. «Dies erschwert eine Weiterführung als Museumsfahrzeug bei einer anderen Museumsbahn in der Schweiz», heisst es in einer Mitteilung des Wagi-Museums.

Darum kommt der Wagen zuerst nach Schlieren. Danach soll das Bahnjuwel nach Berlin zur Museumsbahn Buckower. Diese hat ebenfalls 750 Volt Gleichstrom. Zudem ist dort bereits ein 100 Jahre alter Personentriebwagen – der BDe 4/4 Nr. 13 – im Einsatz, der ebenfalls in Schlieren gefertigt wurde und danach lange zwischen Orbe und Chavornay im Einsatz war. Die Versammlung der Buckower Museumsbahn wird kommenden Samstag entscheiden, ob sie das Angebot aus dem Limmattal annimmt.
Es ist bereits das zweite Mal innert Kurzem, dass das Wagi-Museum altes Material aus dem Welschen rettet: Am 26. Januar holte es einen 1903 in Schlieren erbauten Wagen der Strassenbahn Lausanne ab. Ce 2/2 Nr. 36 heisst das Stück, das lange als Unterstand für Waldbienen diente, 2009 wiederentdeckt und 2010 zur Museumsbahn Blonay-Chamby gebracht wurde. Nun, in seine Einzelteile zerlegt, steht es im Wagi-Museum bereit, um zusammengebaut und restauriert zu werden.

Für die Zusammenarbeiten mit welschen Bähnlerkollegen ist Vincent Bory Gold wert. Der Jurassier bekam 2016 von der Gründung des Wagi-Museums Wind und vertritt dieses heute in der Westschweiz. Ein Glücksfall, der einmal mehr zeigt, wie klein die Welt ist. Denn Borys Mutter soll zudem einst den Blumenhaus Keusch an der Schulstrasse in Schlieren geführt haben, sagt Bigler. Er steckt derzeit auch in Verhandlungen, um das Wagi-Museum zu zügeln. Es will mehr Platz – auch um den restaurierten Ce 2/2 Nr. 36 dereinst würdig ausstellen zu können.

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