Dietikon

«Das wäre hammermässig geworden»: Marco Nussbaumer spricht über das abgesagte Abschiedskonzert

Die Dietiker Stadtjugendmusik muss sich ohne Konzert von Dirigent Marco Nussbaumer verabschieden. Sein achtjähriges Wirken aber bleibt.

Mit einer solchen Situation hat die Stadtjugendmusik Dietikon wirklich nicht gerechnet. Am vergangenen Wochenende wollte die Truppe mit ihrem Jahreskonzert ihren langjährigen Dirigenten Marco Nussbaumer verabschieden. Die Coronakrise verhinderte das Spektakel. Die gesamte Dekoration, die für gewöhnlich üppig ausfällt, die Moderation und das Konzertprogramm waren vorbereitet. Der Abend «The best of 8 years» hätte das Publikum durch gemeinsame Höhepunkte geführt. Acht Jahre lang war Nussbaumer musikalischer Leiter.

Kein Konzert verging, ohne dass Nussbaumers Qualitäten und sein positives Wirken als Dirigent und als Mensch vom Publikum und von den jungen Musikern hervorgehoben wurden. «Er hat für unsere Jugendmusiker arrangiert, komponiert und ihnen die Stimmen auf den Leib geschrieben. Er hat die Schwächeren gefördert und die Starken gefordert», sagt die Präsidentin der Stadtjugendmusik, Pia Siegrist-Felber. Auch sie findet für sein Engagement ausschliesslich lobende Worte. «Die Absage ist ein besonderer Verlust, der unendlich bedauert wird», sagt sie. Bis vor kurzem sei die Idee im Raum gestanden, ein Livestream-Konzert zu organisieren. Aber auch diese Umsetzung blieb der Musikformation verwehrt, weil ein Versammlungsverbot zu den Massnahmen des Bundes gehört.

Es gibt einen kleinen Trost für die Nussbaumer-Fans

«Es tut weh», äussert sich auch Nussbaumer zur Situation. Was ihm durch die Absage fehle, seien die Gefühle, die mit dem Abschlusskonzert verbunden gewesen wären. «Ich habe mir den Abend bereits ausgemalt, wie es sein wird, damit ich vorbereitet bin und auf der Bühne nicht von meinen Emotionen übermannt werde», sagt er. Er sei hin und wieder an Konzerten zu Tränen gerührt. Das Spezielle an den Jungen seien die Momente, in denen alles funktioniert habe und das umgesetzt werden konnte, was in den Proben noch nicht perfekt funktioniert habe. «Mich faszinierte an der jungen Gruppe, dass sie von 0 auf 100 schalten konnte, wenn es drauf ankam.» Solche Sekunden würden einer musikalischen Explosion gleichkommen. Mit den Jugendlichen sei ein zielgerichtetes Arbeiten in den Proben nicht immer möglich. «Die Konzentration ist nicht gleich wie bei den Erwachsenen», sagt er. Ein kleiner Trost für Nussbaumer-Fans sei an dieser Stelle aber erwähnt: Er verlässt zwar die Jugendlichen, bleibt der Stadtmusik Dietikon aber als Dirigent ­erhalten.

Die Übergabe des Geschenks muss warten

Vor einem Jahr hatte Nussbaumer kommuniziert, dass er die Leitung abgeben wird. Im Proberaum sei es bei der Verkündigung dieser Nachricht totenstill gewesen, sagt Siegrist-Felber. Er sei bei den Musikern beliebt gewesen und habe mit seiner Motivationsgabe, Humor und Geduld das Beste aus der Gruppe herausholen können. Eine Wiederholung des Konzerts sei nicht möglich, weil der ganze Abend auf die Verabschiedung ausgerichtet war; inklusive einer Geschenkübergabe. Dieses wird er nun in einem anderen Rahmen erhalten, sobald die Notlage mit dem Virus vorbei ist.

Der Froschkönig freute sich auf ein tolles Konzert

Dem Dirigenten fiel es damals nicht leicht, den Entschluss zu fassen, aber er wusste: «Wenn ich etwas Neues anfange, dann muss ich mit etwas anderem aufhören.» Das kennt er bereits, er musste sich in seiner Karriere schon von einigen Vereinen verabschieden. Seit Oktober absolviert der Solothurner ein Studium in Kulturmanagement an der Universität Basel. Er wohnt mit seiner Familie in Allschwil.
Das Krasse an der momentanen Situation sei, wie sich auch sein Kalender plötzlich geleert habe. Alle fixen Termine unter der Woche seien weggefallen. So verbringe er nun mehr Zeit mit seinen beiden Kindern, die 13 und 10 Jahre alt sind. «Die Büroarbeit bleibt und die nutze ich für Projekte und zum Arrangieren und Komponieren. Auch die Ausbildung geht mit Online-Seminaren weiter.» Ihm sei es im letzten Jahr wichtig gewesen, alle Gelegenheiten mit der Gruppe zu geniessen und die gemeinsame Zeit mit einem berauschenden Konzert würdevoll abzuschliessen. «Ich wollte alles geben, was ich konnte», sagt er. «Gerade auch den jungen Talenten, die kürzlich vom Zwischenkorps zum Hauptkorps aufgestiegen sind, wollte ich so viel wie möglich mitgeben.» Rückblickend gehörten die Auftritte an Wettbewerben, die Jahreskonzerte und die Reisen zu seinen Höhepunkten. «Auch diesmal wäre das Konzert hammermässig geworden», sagt er. Die Musiker hätten aus den letzten knapp acht Jahren die schönsten, aber auch schwierigsten Stücke ausgesucht.

Im Spanischen heisst Corona bekanntlich Krone. Und diese wird ihm zum Abschied symbolisch aufgesetzt. Auf der Website der Stadtjugendmusik wird er als Froschkönig bezeichnet. Wenn die Proben wieder beginnen, gibt als neuer Dirigent Roman Christoffel den Ton an.

Autor

Cynthia Mira

Cynthia Mira

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