Limmattal
Das Volk hat gesprochen: Limmattaler Gebäude und ihre Übernamen – eine Übersicht

Es gibt sie überall: Orte und Gebäude, denen der Volksmund einen besonderen Namen verpasst. Manchmal verbirgt sich dahinter Spott, oft eine grosse Portion Ironie.

Sandro Zimmerli
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Die Haller-Kreuzung: Garagist Haller hatte man gern Es ist kein besonderer Flecken Erde, die Kreuzung Bern-/Überlandstrasse in Schlieren. Auch in der Vergangenheit, als sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein Schlackenbetrieb und eine Kehrichtabfallgrube befanden, war der Ort wenig einladend. Immerhin rollte der Verkehr. Und so errichtete der Automechaniker Karl Haller 1950 an der Bernstrasse 68 ein Wohnhaus mit Autoreparaturwerkstätte, Benzin-Servicestation und Möbeltransportgeschäft. Geworben hatte der Garagist mit dem Slogan: «Ob nach Basel oder Bern, de Service vom Haller hät mer gern!» Schnell wurde die nahe gelegene Verzweigung zur Hallerkreuzung. Den Betrieb der Familie Haller gibt es heute nicht mehr, geblieben ist dafür der Name des Verkehrsknotenpunkts.
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Die «Dicke Bertha»: Die «Dicke» erfreut nun Kinder Nein, bei der «Dicken Bertha» handelt es sich nicht um eine etwas korpulentere Dame. Überhaupt, sie ist nicht einmal ein menschliches Wesen. Und doch kennt sie jeder in Unterengstringen. Ihren Platz hat sie oberhalb des Dorfes gefunden, am Waldeingang beim Maienbrunnen. Früher stand sie an der Sparrenbergstrasse und war eine mächtige Eiche, die im Jahr 1949 unter Naturschutz gestellt wurde. Der imposante Baum dürfte einiges erlebt haben, ehe er am 5. Februar 1977 infolge anhaltender Regenfälle umstürzte, die Strasse versperrte und die Mauer eines Hauses zerstörte. Weil der riesige Stamm nicht als Nutzholz verwendet werden konnte, wurde er beim Waldeingang platziert und dient seither als Kletterbaum für Kinder. Am Ende ihres Lebens war die imposante Eiche mindestens 185 Jahre alt. Einen Namen trug sie, weil sie als ein besonders wertvoller Baum galt und daher der Tradition folgend getauft wurde. Namensgeberin war die zweite Frau von Eduard Heinrich Landolt, der einst auf dem nahe gelegenen Gut Sparrenberg wohnte.
Der Ho-Chi-Minh-Pfad: Ein Revolutionär stand Pate Von Urdorf aus gesehen heisst sie Uitikonerstrasse, von Uitikon aus Urdorferstrasse. Seit Jahrhunderten ist sie die einzige direkte Verbindung zwischen den beiden Gemeinden. Kein Wunder, wird die Strasse gerne als Schleichweg benutzt. Und so kam sie wohl in den 1970er-Jahren unter dem Eindruck des Vietnamkrieges zu jenem Namen, der heute noch in der Bevölkerung geläufig ist: Ho-Chi-Minh-Pfad. Während jener im Limmattal in erster Linie dazu dient, die Fahrzeit zu verkürzen, war das Original in Vietnam ein verschlungenes Netz aus Strassen und Wegen. Es diente während des Vietnamkrieges der Versorgung der im Süden kämpfenden Truppen durch den Norden. Der Pfad wurde nach dem nordvietnamesischen Präsidenten Ho Chi Minh benannt. Wobei der Begriff nur im Westen gebräuchlich ist. In Vietnam selber trägt er den Namen Truong-Son-Strasse, benannt nach einer Gebirgskette.
Der «Muulaffeplatz»: Gaffer sind wenige anzutreffen Gegafft wird eher selten. Wäre dem so, dann könnte der Markt auf dem Platz in Oberurdorf nicht bereits auf eine über 30-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Nein, es wird eifrig eingekauft am «Muulaffemärt». Seit 1983 existiert er. Den Namen verdankt er dem Platz, der im Volksmund nur «Muulaffeplatz» genannt wird und seit 2013 tatsächlich auch so beschriftet ist. Seinen Ursprung hat der Name im Mittelalter. Damals bezeichnete «Muulaff» einen tönernen, kopfförmigen Halter für Kienspäne, in dessen offenes Maul der Span gesteckt wurde. Er diente als Beleuchtung für Arbeiter, die ihr Werk im Dunkeln verrichten mussten. Seit dem 15. Jahrhundert wird unter dem Begriff «Muulaff» ein untätig herumstehender Schaulustiger verstanden, einer, der mit offenem Maul dasteht und gafft. Mittlerweile kennt man das Wort fast nur noch von der Redewendung «Maulaffen feilhalten», also gaffen. Möglich, dass dies in früheren Jahren hin und wieder auf dem «Muulaffeplatz» vorgekommen ist. Sicher ist jedoch, dass er seit je als Treffpunkt diente. So errichtete die Gemeinde 1870 einen steinernen Brunnen auf dem «Muulaffeplatz», wo er bis 1929 der öffentlichen Wasserversorgung diente. Danach wurde er mehrmals versetzt, ehe er 2002 vor dem Ortsmuseum seinen heutigen Standort fand.
Das Mausoleum: Ein Weltwunder ist sie nicht Auf viel Gegenliebe ist der Bau an der Ecke Badener-/Uitikonerstrasse bei den Schlieremerinnen und Schlieremern bis heute nicht gestossen. Mausoleum wird er im Volksmund genannt. Weshalb man ihn aber ausgerechnet mit dem Begriff für ein monumentales Grabmal betitelt, ist nicht geklärt. Das dürfte wohl in erster Linie an seinem Äusseren liegen. Ein einladender, ja schöner Ort ist das Gebäude wahrlich nicht. Allerdings sollte man Mausoleen nicht zwingend mit hässlichen Gebäuden gleichsetzen. Der Mitte des 17. Jahrhunderts fertiggestellte Taj Mahal im indischen Agra ist eine Touristenattraktion und wurde 1983 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen. Das Mausoleum von Halikarnassos gehörte gar zu den sieben antiken Weltwundern. Eine solche Ehre dürfte dem Schlieremer Mausoleum nicht zuteil werden. Im Sprachgebrauch der Bevölkerung hat der Begriff jedoch seinen festen Platz. Selbst auf politischer Ebene wird er häufiger gebraucht. Ein Beispiel dafür ist ein im Jahr 2012 eingereichtes Postulat von SP-Gemeinderat Pascal Leuchtmann zur Sicherheit im Bereich des Bahnhofs. Darin wurde gebeten, zu prüfen, wie die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl im Bereich des Bahnhofs Schlieren und an weiteren neuralgischen Punkten wie der Unterführung zwischen Ringstrasse und Zentrum, dem «Mausoleum», vor dem EKZ in der Brunngasse sowie im Stadtpark verbessert werden könne.

Die Haller-Kreuzung: Garagist Haller hatte man gern Es ist kein besonderer Flecken Erde, die Kreuzung Bern-/Überlandstrasse in Schlieren. Auch in der Vergangenheit, als sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein Schlackenbetrieb und eine Kehrichtabfallgrube befanden, war der Ort wenig einladend. Immerhin rollte der Verkehr. Und so errichtete der Automechaniker Karl Haller 1950 an der Bernstrasse 68 ein Wohnhaus mit Autoreparaturwerkstätte, Benzin-Servicestation und Möbeltransportgeschäft. Geworben hatte der Garagist mit dem Slogan: «Ob nach Basel oder Bern, de Service vom Haller hät mer gern!» Schnell wurde die nahe gelegene Verzweigung zur Hallerkreuzung. Den Betrieb der Familie Haller gibt es heute nicht mehr, geblieben ist dafür der Name des Verkehrsknotenpunkts.

David Egger

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