Was sich bewährt, wird Tradition. So gehören die drei ohrenbetäubenden Kanonenschüsse der Knabengesellschaft, aber auch die Guggen zwingend zur Eröffnungszeremonie der Urdorfer Fasnacht – und natürlich das wohlbehütete Geheimnis der Clique Schäflibach, wer der neue Schirmherr wird. Das alles wäre aber noch nichts ohne die vielen Fasnächtler selbst, die sich trotz Schneeregen an Samstagnachmittag nicht davon abhalten liessen, den Start der «fünften Jahreszeit» zu feiern.

Rund 400 Fastnachtsfans waren es, die sich auf dem Muulaffenplatz in Urdorf versammelten, wo sie vom Präsident der Clique Schäflibach, Martin Büchi, begrüsst wurden. In seiner Ansprache blickte Büchi kurz auf das letzte Jahr zurück, in dem die Clique ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Und dann ging es so richtig los. Aus allen vier Himmelsrichtungen kamen sie, die Guggen: aus Sarmenstorf die Heuröpfelgugger, aus Thalwil die Gugge Art-Rose, aus Bad Ragaz die Quellnögg Gugger und aus Urdorf selbst die Stierenschränzer. Doch das wichtigste Geheimnis war noch nicht gelüftet worden. Die Spannung stieg. Die Fasnächtler wollten erfahren, wer der neue Schirmherr ist. Zeremonienmeister Peter Leuzinger wollte noch nicht zu viel verraten: «Er ist sehr bekannt und hat viel für das Dorf geleistet», sagte er. «Einzig in die Politik könnte er noch.»

Schon als Kind war er dabei

Schliesslich war es so weit: Mit Perücke, Maske und Sennenhemd, passend zum diesjährigen Motto «typisch schwiizerisch», kam der neue Schirmherr auf die Bühne, begleitet von einem Pony, einer jungen Frau im Trachtenkleid und vier Majoretten. Während er seine Maske abnahm, verkündete der Zeremonienmeister, wer der Chef der diesjährigen Fasnacht sein wird: Es ist Stefan Schmid, der sich gleich der jubelnden Menge vorstellte.

Er sei vor 45 Jahren im Limmattal geboren und kenne die Urdorfer Fasnacht sehr gut, sagte er. Schon als Kind habe er in der Festwirtschaft mitgeholfen. Fünf Jahre lang nahm er als Präsident der Knabengesellschaft an Umzügen teil. Erste Erfahrungen im Wagenbau sammelte er im Kloster Fahr. Und vor zehn Jahren trug er mit Ruedi Schweizer als «Wagis» Schnitzelbänke vor.

«Er ist wie ein Sohn für mich»

«Seit 20 Jahren verdiene ich mein tägliches Brot als Bauunternehmer in Urdorf», sagte Schmid. In seiner Freizeit spiele er gerne Tennis und mit seiner Lebenspartnerin Jenny auch Golf. Im Dorf sei er sehr gut verankert, so der neue Schirmherr – nicht zuletzt als Präsident des Urdorffests letztes Jahr, als Ehrenmitglied des Turnvereins sowie Präsident des Gewerbevereins. Er habe schon so vieles gemacht, nur Schirmherr und Gemeinderat sei er in Urdorf noch nicht gewesen, so Schmid.

«Der Zeitpunkt, Schirmherr zu werden, ist der richtige», sagte er: «Denn mein Vater Herbert ist genau vor 25 Jahren im gleichen Alter Schirmherr der Urdorfer Fastnacht geworden.» Dann bekam er vom letztjährigen Schirmherrn Michael Keel das Zepter überreicht. Dass Schmid der neue Schirmherr ist, kam bei den Fasnächtlern gut an: «Stefan Schmid ist ein super Typ. Ich freue mich sehr für ihn», sagte Doris Grob, die Ehrenmitglied der Clique Schäflibach ist. Schmid sei schon als Bub viel auf dem Bauernhof der Grobs gewesen: «Er ist wie ein Sohn für mich.» Auch Schäflibach-Präsident Büchi war voll des Lobes: «Stefan Schmid ist ein Urgestein Urdorfs und hat hier viel bewegt.»