Der Steuerabschluss 2011 zeigt: Urdorf entwickelt sich mehr und mehr zum Wirtschaftsstandort. Wie der Gemeinderat gestern mitgeteilt hat, stammte im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 27,4 Prozent am Gesamtsteuerertrag jeder vierte Steuerfranken aus dem lokalen Gewerbe. 1993 waren es noch neun Prozent, also nur knapp jeder zehnte Franken (siehe auch Artikel zur Steuerrechnung Urdorf 2011, Spalte links).

«Entwicklung erwartet»

Mit dem hohen Anteil juristischer Personen am Gesamtsteuerertrag von 27,4 beziehungsweise 25,3 Prozent im Jahr 2010 liegt Urdorf deutlich über dem Durchschnitt des Bezirks: 2010 lag dieser bei 17,7 Prozent. Spitzenreiter waren damals die Städte Dietikon (29,8 Prozent) und Schlieren (25,7 Prozent). Der Gemeinderat führt diese positive Tendenz insbesondere auf drei Faktoren zurück: die Ansiedlung von zahlreichen neuen Firmen, die positive Entwicklung domizilierter Firmen und attraktive Standortfaktoren.

Bei der Gemeinde Urdorf zeigt man sich ob dem steilen Anstieg erfreut – aber nicht unbedingt überrascht: «Wir haben diese Entwicklung, auch aufgrund unserer langjährigen Anstrengungen im Rahmen der Standortentwicklung, erwartet», sagt Patrick Müller, Leiter Stab. So würden Ansiedlungen neuer Unternehmen jeweils durch die Standortentwicklung unterstützt und begleitet. So würden beispielsweise Standortdokumentationen für Mitarbeitende angeboten und bei Fragestellungen zwischen Behörden und Betrieben vermittelt.

Autobahn und S-Bahn als Faktor

Auch bei bereits domizilierten Unternehmen sei die Politische Gemeinde darauf bedacht, dass diese seitens der öffentlichen Hand bestmögliche Rahmenbedingungen erhalten. «Im Rahmen der Standortentwicklung treffen wir uns regelmässig mit Exponenten ortsansässiger Unternehmen zum Austausch», sagt Müller. Bedürfnisse könnten so – wo möglich – direkt in die politische Agenda des Gemeinderates oder in den operativen Prozess von Verwaltung und Betrieben einfliessen.

Weitere Faktoren für die Bedeutung als Wirtschaftsstandort liegen in der verkehrstechnischen Lage: «Von der Schliessung der Autobahnlücke A4 sowie dem weiteren Ausbau der S-Bahn-Angebote hat Urdorf in besonderem Masse profitiert», so der Gemeinderat. Dazu kämen Infrastruktur- und Schulangebote und die Dichte an gut ausgebildeten Führungs- und Fachkräften im Limmattal.

Trotz aller guten Voraussetzungen und Bemühungen vonseiten der Gemeinde betont Müller: «Die Entwicklung muss in erster Linie in der Wirtschaft passieren. Wir als Standortgemeinde können die Unternehmen nur unterstützen.» Beim Austausch mit den Unternehmen höre er immer wieder, dass das Umfeld zwar angespannt, eine Entwicklung aber durchaus möglich sei. «Was es für eine Entwicklung braucht, sind Innovation und Diversifikation.»

Hohen Anteil halten

Und wie geht es künftig mit der Entwicklung als Wirtschaftsstandort weiter? Will Urdorf den Spitzenreitern Dietikon und Schlieren den Rang ablaufen? «Nein, es geht nicht ums Wetteifern», sagt Müller. Vielmehr profitiere das ganze Limmattal von wirtschaftlich starken Gemeinden.

In erster Linie sei man in Urdorf darauf bedacht, den heutigen hohen Anteil zu festigen. Müller: «Es wäre wohl vermessen, für die nächsten Jahre mit einem weiteren derartigen Anstieg zu rechnen.»