Urdorf
Das Urdorfer Chinderhuus wird 2012 privatisiert

Die Gemeinde Urdorf vollzieht bei der Kinderbetreuung im Vorschulalter einen Systemwechsel. Nach 21 Jahren soll das Chinderhuus einer privaten Trägerschaft übergeben werden. Der Gemeinderat verspricht sich mehr Know-how und einen Ausbau des Angebots.

Flavio Fuoli
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Das Chinderhuus soll auch in Zukunft offen sein für die Bedürfnisse von Eltern und Kindern. Flavio Fuoli

Das Chinderhuus soll auch in Zukunft offen sein für die Bedürfnisse von Eltern und Kindern. Flavio Fuoli

Limmattaler Zeitung

Der Zugang zu diesem Angebot soll in Zukunft über Betreuungsgutscheine ermöglicht werden. Im Zuge dieses Systemwechsels stellte der Gemeinderat fest, dass Urdorf in Zukunft 82 Krippenplätze und 35 Tagesfamilienplätze benötigt.

Derzeit sind es lediglich 7 Plätze in Tagesfamilien und 37 Krippenplätze. 20 befinden sich im Chinderhuus, das von der Gemeinde geführt wird, 17 in der privaten Krippe Hüetiberg im ehemaligen Kindergarten Baumgarten. Bisher bestand zwischen den beiden Krippen ein Ungleichgewicht, was die Finanzierung anbetraf. Die Plätze im Chinderhuus sind subventioniert, diejenigen im Hüetiberg nicht. Das wird sich mit den Betreuungsgutscheinen ändern.

Zu wenig Know-how

Vorgestern suchte die Gemeinde per Inserat eine private Trägerschaft für das Chinderhuus per 1. Juli 2012. Will die Gemeinde es abstossen? «Es ist nicht die Aufgabe der Gemeinde, Betreuungsaufgaben zu übernehmen», erklärt Sozialvorsteherin Barbara Meerwein auf Anfrage. «Das Endziel in Urdorf sind 82 Krippenplätze. Die Gemeinde verfügt nicht über das Know-how, welches ein professioneller Anbieter hat.»

Der Gemeinde geht es laut Urs Tanner, Bereichsleiter Soziales der Gemeinde, auch darum, Rechtsgleichheit bei den Anbietern zu schaffen. «Bei den privaten Anbietern sind die Spiesse gleich lang.» Derzeit würde die gemeindeeigene Krippe bevorzugt.

Der Markt soll spielen

Meerwein erwartet, dass nach dem Systemwechsel der Markt spielen wird und die noch benötigten weiteren 45 Krippenplätze bald von Privaten angeboten werden. «In anderen Gemeinden und Städten, beispielsweise Luzern, wird dieses System seit Jahren praktiziert.» Meerwein betonte jedoch, dass es zu einer Limitierung von Plätzen kommen wird. «Wir kaufen bei den Krippen Optionen ein, welche auf 82 Plätze begrenzt sind.

So können wir immer auf den effektiven Bedarf eingehen und auch die Kosten flexibler handhaben.» Tanner betont, dass im Chinderhuus professionelle Arbeit geleistet werde. «Bei einer höheren Anzahl Plätze braucht es indes ein anderes Know-how.»

Meerwein und Tanner erklären, dass sich sowohl für die Eltern, welche ihre Kinder im Chinderhuus abgeben, als auch für das Personal nichts ändern werde. Auch mit dem neuen Modell könnten die Eltern die Leistung sowie die Tarife unverändert beanspruchen. Tanner: «Die Marke Chinderhuus wird bestehen bleiben.»

Ein Fragezeichen sieht er allerdings beim baulichen Zustand des 22-jährigen Pavillongebäudes. Das Angebot für die Örtlichkeit des Chinderhuuses sei aus diesem Grund zeitlich befristet. Möglich, dass ein Anbieter auch fürs Chinderhuus selber Räumlichkeiten rekrutiere.

Kostenneutral

Die Gemeinde subventionierte die Kinderbetreuung bis anhin jährlich mit bis zu 500 000 Franken. Der Systemwechsel sollte laut der Sozialvorsteherin kostenneutral sein, obwohl man derzeit statt 20 nun 37 Krippenplätze subventioniere. Die Vorlage kommt am 30.November vor die Gemeindeversammlung. Dann stimmt das Volk über die Kindertagesstätte-Verordnung wie über die Übertragung der Trägerschaft des Chinderhuuses ab.