Plastikverbrauch

Das tun Limmattaler Ladenbesitzer, um Plastiksäcke zu vermeiden

Pro Plastiksack verlangen die grossen Detailhändler 5 Rappen. Die Läden im Limmattal haben andere Strategien.

Pro Plastiksack verlangen die grossen Detailhändler 5 Rappen. Die Läden im Limmattal haben andere Strategien.

Limmattaler Läden gehen haushälterisch mit den Wegwerfsäcken um - zum Teil gibt es nur mit der Stofftasche Rabatt.

Was bei Migros, Coop und Spar 5 Rappen kostet, ist in kleinen Limmattaler Lebensmittelläden gratis zu haben. Viele von ihnen geben die kleinen Plastiksäcke noch kostenlos an die Kunden ab. Dennoch ist das Thema auch für die Limmattaler Ladenbesitzer aktuell, wie eine Umfrage zeigt. Mit kreativen Ideen versuchen die Detailhändler, haushälterisch mit den Wegwerftaschen aus Kunststoff umzugehen.

Das Reformhaus Libergy in Dietikon zum Beispiel führt diesen Samstag ein neues Konzept ein. Wer sich als Kunde registriert, erhält eine robuste Einkaufstasche aus Baumwolle. Dieser Sack, der für mehrmalige Verwendung konzipiert ist, dient gleichzeitig als Kundenkarte. Nur wer die Tasche dabei hat, kann von Rabatten und Aktionen profitieren. «Damit wollen wir unsere Kunden zu umweltbewusstem Denken anregen», sagt Mitinhaber Pascal Bättig. Nicht registrierten Kunden bietet er kostenpflichtige Kartontaschen an.

Auch die Bäckerei Meuli in Oberengstringen gibt derzeit gratis Stoffbeutel ab, in denen das Brot transportiert und zuhause gelagert werden kann. Ganz auf Plastiksäcke verzichtet sie allerdings nicht. «Gerade für Kunden, die ihre eigene Tasche vergessen haben, ist es praktisch, wenn ich ihnen eine anbieten kann», sagt Mitarbeiterin Claudia Ziefle. Damit weist sie wie viele der befragten Ladenbesitzer darauf hin, dass die Kunden oft eigene Taschen und Körbe mitnehmen. «Teilweise kommen die Kunden, die in der Nähe wohnen, sogar mit Tupperware-Geschirr zu mir», sagt Othmar Gut, Geschäftsführer der Metzgerei Hildebrand in Dietikon. Hygienisch sei dies unbedenklich.

Wie halten Sie es mit Einkaufstaschen?  

«Haben sie eine Tasche dabei?»

Obwohl Säcke, die mehrmals verwendet werden, eine bessere Ökobilanz aufweisen, gibt es auch Situationen, in denen Einwegtaschen aus Kunststoff Vorteile bieten, sagt Gut: «Wenn Fleischsaft ausläuft, wird dieser im Plastiksack zurückgehalten. Zuhause kann die Tasche dann bequem entsorgt werden.» Auch sein Berufskollege Refik Syli, der in Schlieren eine eigene Metzgerei betreibt, beobachtet, dass die Leute oft ihre eigenen Säcke mitnehmen. Trotzdem gebe er jeden Monat rund 16 000 Plastiksäcke ab.

Neben Libergy verzichtet auch der Laden Bio im Zentrum in Schlieren vollständig auf Taschen aus Kunststoff. «Seit drei Jahren verwenden wir Säcke aus Maisstärke», sagt Inhaber Christian Bühlmann. An Kunden, die viel einkaufen, gibt er die Taschen gratis ab. Bei kleinen Einkäufen verlangt er 10 Rappen. «Es stört mich, wenn jemand für ein einziges Schoggistängeli einen Sack nimmt», begründet er sein Regime.

Rosmarie Meier, Mitarbeiterin beim Limmatbeck in Dietikon, geht noch einen Schritt weiter. Sie fragt die Kunden aktiv nach der eigenen Tasche. «Das überrascht viele», sagt sie. Wie Inhaber Patrick Binder sagt, werden die Plastiksäcke auch in seinem Unternehmen immer wieder zum Thema. «Das Vorgehen der grossen Detailhändler sensibilisiert die Kunden. So können wir in Zukunft auch eine Gebühr verlangen», sagt er.

Gebrauchte Säcke für die Kunden

Knackfrisch in Unterengstringen verfolgt einen anderen Ansatz. Die Mitarbeitenden sammeln gebrauchte Taschen von Kunden und geben diese weiter. «Wenn der Kunde einverstanden ist, packen wir seine Waren in einen gebrauchten Sack ein», sagt Hansjörg Vogler, Sohn des Inhaberehepaars. Für die Früchte- und Gemüsesäcke verlangen sie derzeit noch nichts, weil diese bei den grossen Detailhändlern auch nichts kosten. Als zusätzliche Alternative bietet Knackfrisch den Kunden kleine Mehrwegbeutel für Früchte und Gemüse an.

Bald kostet es auch im Volg

Mit der Initiative der grossen Detailhändler sind die Ladenbesitzer grundsätzlich einverstanden. Das sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagt beispielsweise Vogler. Bisher verlangen die drei grossen Unternehmen Migros, Coop und Spar 5 Rappen für die kleinen Plastiksäcke. Denner will die Kostenpflicht noch in diesem Jahr einführen, sagt Sprecherin Grazia Grassi am Telefon. Auch die Volg Konsumwaren AG will bis Anfang nächsten Jahres eine Gebühr erheben, teilt Sprecherin Tamara Scheibli auf Anfrage mit.

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