Der Wald gehört zum Schweizer Landschaftsbild wie die Gipfel der Alpen, und doch nehmen wir ihn nur selten wirklich wahr. Er ist eben einfach da. Oder etwa nicht? Diese Frage stellte man sich gestern im Eidgenössischen Institut für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf, im Rahmen des heutigen Internationalen Tages des Waldes.

Klimawandel hat Folgen

Der Anlass in der WSL hat Tradition: Seit gut zwanzig Jahren organisiert das Forschungsinstitut einen Tag lang Vorträge und Führungen rund um das Thema Wald. Schwerpunkt dieses Jahr: «Der Wald im Wandel». Denn der Wald ist eben nicht einfach nur da, sondern verändert sich laufend. «Die klimatischen Veränderungen aufgrund des globalen Wandels bringen auch für die hiesigen Wälder neue Herausforderungen», sagt Thomas Wohlgemuth vom WSL.

«Mit dem Klimawandel dürften die Winter tendenziell feuchter, die Sommer allerdings trockener werden.» Problematisch seien vor allem über längere Zeit anhaltende Trockenperioden. Gerade die einheimische Buche, «die Mutter des Waldes», könnte empfindlich davon betroffen sein. «Die Buche ist ein äusserst sensibler Baum, der zudem von zentraler Bedeutung ist für das Funktionieren des gesamten Ökosystems», sagt Matthias Arend, ebenfalls Mitarbeiter des WSL. «Im Jahr 2003 hatten wir eine extreme Trockenperiode. Bereits hier mussten wir feststellen, dass einige Buchenbestände empfindlich darunter litten .»

Experimente am Institut

Hier setzt die Arbeit der Forschungsanstalt an: In verschiedenen Experimenten sowohl an der WSL in Birmensdorf als auch an anderen Standorten in der Schweiz werden verschiedene Buchensorten angepflanzt, um zu prüfen, wie sie auf unterschiedliche Luft- und Temperaturverhältnisse reagieren. «Wir versuchen zunächst herauszufinden, ob Sorten unterschiedlicher Herkunft resistent gegenüber Trockenperioden sind», erklärt Arend. «So testen wir beispielsweise, ob Buchen aus Walliser Bergtälern weniger unter Trockenperioden leiden, als jene aus dem Mittelland.»

Eine weitere Option wäre, die hiesigen Buchenbestände durch Eichen zu ersetzen, wie es teilweise auch schon geschieht. Arend ist jedoch skeptisch, ob das Sinn macht. «Sowohl aus ökologischen wie aus wirtschaftlichen Gründen ist es nicht realistisch, sämtliche Buchenbestände ersetzen zu wollen», so Arend.

Die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, sind vielschichtig. Einerseits für die Forscher, da die Klimaforschung nach wie vor eine junge Disziplin ist. Aber auch für die Förster: «Als Förster müssen Sie jetzt Entscheidungen treffen, deren Ergebnis erst in hundert Jahren sichtbar ist. Das ist eine enorme Verantwortung.» Thomas Wohlgemuth ist dennoch zuversichtlich: «Im Gegensatz zu anderen Ökosystemen ist der Wald erstaunlich standhaft und anpassungsfähig.»