Oberengstringen

Das Trio «Betinko» gibt alten Volksliedern etwas Modernes

Im Programm «Bergerausch» lassen Bettina Klöti und ihre Musiker die tragischen Schweizer Lieder aufleben. Alte Tanzlieder bekommen im Jazzclub Allmend einen neuen Groove und kommen dadurch nun eher rockig daher als altbacken.

Es gibt Dutzende von Schweizer Volksliedern, die von eitel Sonnenschein handeln. Mindestens genauso viele Stücke gibt es aber, die tragische Geschichten erzählen. Jene hingegen wurden gerne verdrängt und werden heute nur noch selten gespielt.

Bettina Klöti, die mit Künstlernamen Betinko heisst, lässt diese vergessenen Lieder wieder aufleben und präsentiert sie in ihrem Programm «Bergerausch».

Gemeinsam mit dem Schaffhauser Gitarristen Urs Vögeli und der Zürcher Pianistin Vera Kappeler zeigte sie die Interpretationen am Freitagabend im Oberengstringer Jazzclub Allmend. Es ist das letzte Konzert dieser Saison.

Der ganze Körper singt mit

Gleich zu Beginn stimmt das Trio ein verzweifeltes Regenlied aus dem Emmental an. Den Mund zu einem grossen Oval geformt, gibt Betinko säuselnde Windgeräusche von sich. Wie die Blätter, die bei diesem Wetter im Wind tanzen, bewegt sich auch die Sängerin hin und her und mit ihr das schwarze Kleid.

Es gibt aber nicht nur ruhige Lieder im Programm. Alte Tanzlieder bekommen einen neuen Groove und kommen dadurch nun eher rockig daher als altbacken. Oft wird dafür Kappelers Klavier präpariert und verstimmt oder Gitarrist Vögeli singt selbst einige Passagen der Lieder mit. Betinko selbst färbt ihre Stimme für jedes Lied wieder neu ein und begibt sich in neue Charaktere und Stimmungen.

Das Jazz-Trio Betinko im Club Allmend

Das Jazz-Trio Allmend in Oberengstringen

Sie singt mal laut, mal leise, mal frech und wieder ganz klar. Zwischen den einzelnen Liedern schafft sie es, das Publikum mit Anekdoten immer wieder zum Schmunzeln zu bringen. Etwa, als sie ein Lied von einer alten Mühle singt und erklärt, dass diese früher nicht nur Treffpunkt, sondern auch Umschlagplatz und Ort für Liebeleien waren.

Als das Stück angespielt wird, zupft Vögeli rassiger auf seiner Gitarre, und auch das Klavier wird lauter. Betinko übertönt beide Instrumente mit ihrem lauten, teils schrägen Gesang. Sie besingt eine emanzipierte Schaffhauserin im 14. Jahrhundert, und ihr ganzer Körper bebt zum Rhythmus der Musik mit.

Seit über 10 Jahren unterwegs

Bereits 2004 gründeten Betinko und Kappeler das Duo Bergerausch, nahmen die CD «Erdstern» auf und spielten während vieler Jahre zahlreiche Konzerte. Die Musikerinnen entwickelten daher im Laufe der Zeit ihre eigene musikalische Sprache, um die verkannten alten Schweizer Lieder neu zu erzählen.

Vögeli unterstützt das Duo erst seit diesem Jahr mit seinen Klangfarben. Dem ein oder anderen Lied haucht er eine Prise Blues ein und dem etwas trockenen Appenzeller Tanzlied verleiht er mit der Dobro etwas Rassiges.

Betinko bedankt sich nach dem Konzert mehrmals beim Oberengstringer Publikum. Sie habe sich sehr wohl gefühlt hier im Jazzclub, sagt sie. Ebenso angetan zeigen sich die Zuhörer. Reto Scherrer und René Gönner sind aus Zürich gekommen, um sich das Konzert anzusehen.

Normalerweise sei das an den Wochenenden ja eher umgekehrt. Aber es habe sich gelohnt, aufs Land hinauszufahren, sind sich beide einig. «Ich mag ihre Stimmakrobatik. Sie hat einen starken Ausdruck», so Scherrer über Betinko.

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