Frauenfussball
Das Trainerkarussell bei den Schlieremer Fussballerinnen dreht sich wieder

Zwei Trainer-Abschiede in einer Saison, das schaffen nicht viele Teams eines Dorfvereins. Bei Schlieren ist es nun Tatsache: Der «Rückrunden-Coach» Mircea Schaich ist per sofort freigestellt worden.

Maila Bermejo
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Mircea Schaich (im Hintergrund, links) hat sich von der Mannschaft «nie hundertprozentig akzeptiert» gefühlt.

Mircea Schaich (im Hintergrund, links) hat sich von der Mannschaft «nie hundertprozentig akzeptiert» gefühlt.

Maila Bermejo

Seit der 2:4-Niederlage am vergangenen Sonntag gegen Schwyz und dem damit feststehenden Abstieg in die NLB haben sich die Ereignisse auf dem Zelgli überschlagen.

«Wenn der Erfolg ausbleibt, muss einer gehen – und das ist normalerweise der Trainer», kommentiert Schaich das Geschehen lapidar. Er sieht seinen Entschluss, die Ersatztorhüterin Marilena Tufaro im Entscheidungsspiel gegen Schwyz auflaufen zu lassen, anstelle von Nati-Goalie Pascale Küffer, als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Trotzdem steht Schaich nach wie vor zu seiner Entscheidung und fühlt – neben der Enttäuschung über das vorzeitig aufgelöste Verhältnis – auch eine gewisse Erleichterung. «Ich wurde von der Mannschaft nie hundertprozentig akzeptiert», sagt er.

Schwer trainierbares Team

Vonseiten des Vereins bestätigt man die Sicht von Schaich. «Das Vertrauen zwischen Team und Coach war nicht mehr da. Da schien es uns sinnvoller, das Verhältnis per sofort aufzulösen, bevor sich die Situation weiter verkompliziert», so Schlierens Sportchefin Anita Lindegger.

Für sie geht die Suche nach einem geeigneten Trainer nun wieder von vorne los – zum dritten Mal innert Jahresfrist. Woran liegt es, dass die Schlieremer Fussballerinnen derart schwer zu trainieren sind? Hier gehen die Meinungen zwischen Ex-Trainer und Sportchefin auseinander. Schaich: «Die Spielerinnen sind zu wenig selbstkritisch. Sobald es Probleme gibt, suchen sie einen Sündenbock, statt zuerst zu schauen, was sie zur Verbesserung der Situation beitragen könnten.»

Lindegger ihrerseits hält die Mannschaft durchaus für «trainierbar», der geeignete Typ Coach sollte jedoch «etwas von einem Kumpel haben, viel von Fussball verstehen und auch mal mit der Peitsche knallen können.» Das tönt wie eine Mischung aus den drei vergangenen Spielleitern, Roger Gutweniger, Monica Di Fonzo und Mircea Schaich.

Kein einfaches Unterfangen also, das Lindegger bevorsteht. Doch die Sportchefin steht schon im Gespräch mit einem Trainer «aus dem Umfeld des Männer-Spitzenfussballs, der über Erfahrungen im Frauenfussball» verfügt. Ein Mysterium, das bald gelüftet werden soll. Die verbleibenden vier Trainingseinheiten bis Ende Saison übernimmt Lindegger gleich selbst, Goalie-Trainer Nicola Appella wird das Team zum letzten Spiel nach Lugano begleiten.

Eine Menge in Bewegung

Sportchefin Lindegger hat auch noch andere Trümpfe im Ärmel. So soll der «Ein-Frau-Betrieb» beim FC Schlieren bald mit einer Präsidentin, einer Physiotherapeutin und wenn möglich einem technischen Leiter erweitert werden. Auch für Marketing und PR wird noch jemand gesucht. «Es ist viel in Bewegung», bestätigt sie. «Wir wollen, dass die Frauenabteilung professioneller wird.» Nun, sollten diese Projekte tatsächlich in die Realität umgesetzt und der Traum-Trainer gefunden werden, haben die Schlieremer Fussballerinnen bald keine Ausreden für Misserfolg mehr.