Schlieren

Das Stimmvolk soll entscheiden: SP, Grüne und GLP lancieren Geissweid-Initiative

Ob auf dem Geissweidplatz ein Hochbau realisiert wird, darüber soll das Schlieremer Stimmvolk befinden.

Chilbiplatz im Januar 2017

Ob auf dem Geissweidplatz ein Hochbau realisiert wird, darüber soll das Schlieremer Stimmvolk befinden.

Der Geissweidplatz soll nicht zugebaut werden, verlangen Initianten. In rund einem Monat werden Unterschriften gesammelt.

Das Stimmvolk soll darüber entscheiden, wie der Geissweidplatz künftig aussehen soll. Dies fordert ein überparteiliches Komitee bestehend aus Exponenten der SP, Grünen und Grünliberalen, das eine Volksinitiative lancierte. Man wolle eine attraktive Geissweid für alle, heisst es in einer Mitteilung.

Hintergrund ist der Parlamentsentscheid von Ende Dezember. Damals verweigerte der Gemeinderat einen Kredit in der Höhe von 992 000 Franken für die Neugestaltung des Chilbiplatzes, wie die Geissweid auch genannt wird. Wo dereinst die Limmattalbahn hält und das Tram 2 wendet, sah die Exekutive vor, einen öffentlichen Platz mit rund 80 Bäumen zu erstellen.

In der Parlamentsdebatte forderten Gemeinderäte von Mitte-Rechts aber die Nutzung dieses Landes für einen Hochbau, womit die Stadt langfristig etwas verdienen würde.

 Mit 19 zu 11 Stimmen pflichtete das Parlament dem bei und schickte die stadträtliche Vorlage bachab. Es wurde darauf verwiesen, dass die Liberale Baugenossenschaft Schlieren (LBS) einen Vorschlag für ein Mehrfamilienhaus, das auf der Geissweid und auf dem nördlich angrenzenden Kohler-Areal erstellt werden könnte, veröffentlichte.

Sammlung startet in vier Wochen

Für Andreas Kriesi, Präsident des Komitees für eine freie Geissweid und GLP-Gemeinderat, ist dies der falsche Weg. «So verbauen wir uns über Jahrzehnte die Chance auf einen städtischen Platz mit Aufenthaltsqualität», sagt er. Seit der Parlamentsdebatte hätten ihn und die anderen Komitee-Mitglieder viele Reaktionen aus der Bevölkerung erreicht. Die Schlieremer würden sich intensiv mit dem Thema Stadtplanung auseinandersetzen: «Ihnen ist klar, dass umsichtig mit Freiräumen umgegangen werden soll.» Was im Detail mit der Geissweid geschehen soll, haben die Initianten absichtlich offengelassen: «Ob es das Projekt des Stadtrates werden wird oder ein anderes, ist zweitrangig. Hauptsache, der Platz wird nicht überbaut.»

Bis morgen wollen die Initianten dem Stadtrat den Initiativtext zur Vorprüfung überreichen. Nachdem diese abgeschlossen ist – das Komitee rechnet damit, dass die Stadt rund vier Wochen dazu benötigt –, können Unterschriftenbögen von der Website heruntergeladen werden. Die Initiative kommt zustande, wenn mindestens 200 Personen unterzeichnen. Kriesi hofft aber auf «so viele Unterschriften wie möglich».

Schnellschuss befürchtet

Neben Gemeinderäten und Mitgliedern der SP, Grünen und Grünliberalen sitzt auch der ehemalige Bauvorstand Jean-Claude Perrin im Komitee. Heute ist er zwar parteilos, sass jedoch knapp 16 Jahre für die SVP im Stadtrat. Auf Anfrage sagt Perrin, dass er das Nein des Parlaments zum Geissweidplatz nicht nachvollziehen könne. So seien die geplanten Freiräume im Stadtentwicklungskonzept festgeschrieben. «Dieses wurde unter Beteiligung der Bevölkerung erstellt und ist daher breit abgestützt. Hält die Legislative nun nicht daran fest, verliert sie an Glaubwürdigkeit.» Zwar habe er Verständnis dafür, dass seine ehemalige Partei sich für gewinnbringende Nutzung von stadteigenem Land einsetzt. «Ein Schnellschuss heute könnte der Generation von morgen die Entwicklungsmöglichkeiten rauben.»

Diese Initiative zeige, dass der Stadtrat mit seinem Vorschlag für die Geissweid nicht komplett falsch gelegen habe, sagt Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) auf Anfrage. Derzeit verfolgt er jedoch den vom Parlament geforderten Weg mit einer Überbauung.

Kommende Woche finde ein Treffen zwischen Vertretern der LBS, der Kohler AG und der Stadt statt. «Wir wollen klären, wie man sich den Bau eines Mehrfamilienhauses im Detail vorstellt», so Bärtschiger. Es seien noch viele Fragen offen: Welche Art Wohnungen sollen erstellt werden? Braucht es einen Architekturwettbewerb? Muss ein Planungskredit beantragt werden? Es sind Fragen, die sich bei einer allfälligen Annahme der Initiative erübrigen.

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