Schlieren/Lenzburg

Das Stapferhaus sucht in Schlieren nach Heimatgefühlen

Ein Team des Lenzburger Museums Stapferhaus sammelt in der ganzen Schweiz Gedanken zum Begriff Heimat für eine künftige Ausstellung.

«Viele Menschen haben keine Heimat mehr. Hat man eine Heimat und fühlt man sich dort wohl, dann sollte man sie schätzen und hochhalten.» Helen Bauer hat sich zusammen mit ihrer Mutter bereit erklärt, während einer Reise auf dem Riesenrad der Schlieremer Chilbi laut über den Begriff Heimat nachzudenken.

Ihre Antwort und 1 000 weitere sammelt ein Team des Lenzburger Museums Stapferhaus in der ganzen Schweiz für eine künftige Ausstellung zum Thema Heimat. Sie wird ab März nächsten Jahres zu sehen sein.

«Wir folgen dem Riesenrad auf seiner Reise durch die Schweiz», erklärt Regina Frischknecht, operative Betriebsleiterin vom Stapferhaus. Gemeinsam mit Simone Schattmeier versucht sie, Chilbibesucher für ein Interview in luftiger Höhe zu motivieren.

Wer das nicht möchte, beantwortet vorbereitete Fragen zum Heimatbegriff auf einem Tablet. Die Befragten werden gebeten, sich Gedanken darüber zu machen, ob es die Berge sind, die ein Heimatgefühl vermitteln, oder eine Vereinszugehörigkeit.

Ob sie sich vorstellen könnten, auszuwandern und wenn ja, wohin. Menschen in Thun und Wetzikon, in Lausanne, St. Gallen und an vielen anderen Orten der Schweiz wird die Frage nach ihrem Heimatgefühl gestellt und offenbar gleichen sich viele Antworten.

«Es ist die Natur, es sind die Freunde, die Familie, die Heimatgefühle wecken, und weniger ein bestimmter Ort auf der Landkarte», erzählt Simone Schattmeier. Und doch, weder sie noch ihre Kollegin Regina Frischknecht möchten von ihrer Wohngemeinde, in der sie seit vielen Jahren leben, wegziehen. Dort fühlen sie sich zu Hause und beide macht es glücklich, dieses Heimatgefühl ihren Kindern weiterzugeben.

Manche begannen zu weinen

Hoch über Schlieren macht sich auch der bald 90-jährige Harry Locatelli Gedanken, berichtet über sein Leben und seine Arbeit und gibt seiner Sorge über die Welt von heute Ausdruck. «Der Unterschied zwischen Arm und Reich zerstört unsere Heimat», sagt er.

«Wir müssen wieder mehr miteinander sprechen.» Jeder habe heute eine vorgefasste Meinung und höre dem anderen nicht zu. In Zeiten des Krieges sei das noch anders gewesen, da habe man zusammengehalten.

Der Schlieremer mit dem italienischen Namen hat keinen Bezug zu Italien. Bereits sein Vater sei in der Schweiz geboren und aufgewachsen. In der Schule aber musste Locatelli das Schulzimmer verlassen, wenn Heimatkunde auf dem Stundenplan stand. «Das ist nicht deine Heimat, hat mir damals der Lehrer gesagt.»

«Kann überall in Europa sein»

Auch Jeannette Hubli Zürrer, Präsidentin des Chilbiklubs Schlieren, macht sich in der Gondel des Riesenrades Sorgen um ihre Heimat: «Was mir zu schaffen macht, sind die gegenwärtigen politischen Diskussionen. Sie schüren Wut, Hass und Aggression.»

Für die oberste Chilbi-Frau Schlierens vermitteln Wälder, Flüsse und das wilde Meer ein Gefühl der Heimat. «Wenn Leute und Landschaft stimmen, dann ist das für mich Heimat, und das kann überall in Europa sein.»

Das Stapferhaus in Lenzburg wird auch die Besucher seiner Ausstellung aufs Riesenrad schicken. «Von dort», sagt Regina Frischknecht, «hat man den Blick in die Weite und die Gelegenheit, über den eigenen Heimatbegriff nachzudenken.»

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