Schlieren

Das Stadtparlament bewilligt der Stadt ein neues Gesicht

So soll der Schlieremer Stadtplatz nach seinem Umbau aussehen. In der Mitte das geplante Flügeldach. zvg/raumgleiter gmbh

So soll der Schlieremer Stadtplatz nach seinem Umbau aussehen. In der Mitte das geplante Flügeldach. zvg/raumgleiter gmbh

Dem Entscheid ging am Montagabend eine Debatte voraus, die sich um den Bodenbelag und kleine Steine drehte. Einen Änderungsantrag von CVP und EVP lehnte der Gemeinderat klar ab.

Der Schlieremer Gemeinderat hat am Montagabend eine Schönheitsoperation bewilligt, die der Stadt ein neues Gesicht verleihen soll. Ohne Gegenstimme genehmigten die 33 Stadtparlamentarierinnen und -parlamentarier einen Kredit in der Höhe von 8,05 Millionen Franken, mit welchem die Gestaltung des Stadtplatzes im Inneren des neuen Zentrumskreisels und der Anschluss an den angrenzenden Stadtpark finanziert werden. Der Bund hat das Bauvorhaben ins Agglomerationsprogramm der ersten Generation aufgenommen und wird sich voraussichtlich mit rund 2,6 Millionen beteiligen. Auch wenn die Schlussabstimmung klar ausfiel – die Parlamentarier waren sich gestern in einer Frage nicht einig: Ob sich Schlieren das von Weberbrunner Architekten und Kuhn Landschaftsarchitekten erarbeitete Projekt nicht doch etwas mehr kosten lassen soll.

Die neue Mitte der Stadt wird durch zwei grosse kantonale Projekte beeinflusst: Zum einen plant der Kanton dort den neuen Strassenkreisel und zum andern wird dieser von der Limmattalbahn gequert, welche die Stimmbevölkerung des Kantons im vergangenen November bewilligt hat. Gemäss dem gestern genehmigten Gestaltungsprojekt prägt künftig ein grosses Flügeldach die so entstehenden neuen Flächen, ergänzt durch zwei separate Wartehallen der Limmattalbahn, einen Nebelbrunnen, Bauminseln und mehrere Sitzkanten. Die restliche Fläche und der Bereich unter dem Dach sollen frei bleiben, damit temporäre Nutzungen und Veranstaltungen darauf Platz finden.

Steineinschlüsse gefordert

In der Parlamentsdebatte stellte niemand den Sinn oder die Dringlichkeit einer ansprechenden Gestaltung des neuen Verkehrsplatzes infrage. Auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) stand grossmehrheitlich hinter dem Kreditantrag des Stadtrats. Ihr Sprecher John Daniels (FDP) erklärte, es gelte im Zentrum «Akzente zu setzen», sodass die Besucher künftig «eine Augenweide und keine Wüste mehr» empfange.

Zu diskutieren gab im Parlament dann vor allem die Gestaltung des Bodenbelags. Die Urheber des Projekts sehen im Kreiselinnern sowie für die Strasse und die umliegenden Trottoirs eine Asphalt-Oberfläche vor. Diese wird durchbrochen durch einen Betonring, der die Bushaltestellen, Bauminseln und die Sitzgelegenheiten zusammenfasst. CVP und EVP waren mit der Materialwahl innerhalb des Kreisels jedoch nicht zufrieden. Fraktionssprecherin Sarah Impusino (CVP) verlieh dem Unverständnis darüber Ausdruck, dass dieser Teil des Verkehrsplatzes «so eintönig schwarz» gebaut werde. Sie schlug stattdessen vor, rötliche Steine im Asphalt einzulassen und diese abzuschleifen, wie dies etwa auch beim Archplatz in Winterthur gemacht wurde. «Dies wirkt viel freundlicher», sagte Impusino. Die CVP/EVP stellte einen Änderungsantrag, um den Kredit für den Stadtplatz um 450 000 Franken zu erhöhen und dem Stimmvolk an der Urne Varianten mit zwei unterschiedlichen Belägen vorzulegen.

Flügel soll keine Konkurrenz erhalten

Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) entgegnete Impusino, dass die Experten der beteiligten Planungsteams den Boden bewusst schlicht gehalten hätten, weil sie das Flügeldach und das Wasserspiel als prägende optische Elemente nicht konkurrenzieren wollten. Ausserdem solle die Stadt die knappe halbe Million lieber in andere «Perlen» entlang der Limmattalbahn – etwa die Geissweid oder den Kesslerplatz – investieren, deren Gestaltung auch die öffentliche Hand finanzieren müsse, so Bärtschiger: «Um eine echte Perlenkette durch die Stadt zu erhalten müssen wir noch vieles tun. Daher gilt es, unsere Mittel klug einzusetzen.»

Unterstützung fand der Änderungsantrag der CVP/EVP am Ende nur beim Quartierverein (QVS) und der FDP. Alle anderen Parteien sprachen sich dagegen aus. Walter Jucker, Fraktionspräsident SP/Grüne, folgte in seiner Argumentation weitgehend jener Bärtschigers und verwies darauf, dass die Experten der beiden Planungsbüros gegen einen teureren Belag seien. «Wir massen uns bei aller kritischen Haltung nicht an, das Urteil der Fachleute umzustossen.»

SVP fand selbst den Stadtratsantrag zu teuer

Die SVP liess durchblicken, dass der Mehrheit der Fraktion eigentlich selbst die Vorlage des Stadtrats zu teuer war. Man habe diskutiert, den Flügel und den Brunnen zu streichen, sagte Fraktionssprecher Boris Steffen: «Doch die Agglomerationsgelder fliessen nur für das Projekt mit allen Bestandteilen. Deshalb haben wir uns entschieden, den vorliegenden Antrag doch zu unterstützen.» Eine Krediterhöhung, wie sie sich CVP und EVP wünschten, war für die SVP kein Thema.

Nach dem klaren Verdikt des Parlaments für den Kreditantrag des Stadtrats war Bauvorstand Bärtschiger die Erleichterung anzusehen. Kein Wunder: Im Juli 2014, als der Stadtrat vom Gemeinderat die Genehmigung für den Projektierungskredit in der Höhe von 785 000 Franken einholen wollte, wurde dieser heiss diskutiert. Der Antrag fand schliesslich nur eine knappe Mehrheit von 15 zu 14 Stimmen.

Nach der Genehmigung des Baukredits durch das Parlament vom Montag muss nun die Stimmbevölkerung an der Urne abschliessend über die 8,05 Millionen befinden. Der Abstimmungstermin wird wohl auf den Juni angesetzt. Erfolgt auch dort ein Ja, so fände voraussichtlich zwischen 2017 und 2019 der Baubeginn statt.

Energieplanrevision wurde genehmigt

Im Verlauf der gestrigen Sitzung genehmigte das Stadtparlament auch die Revision des Energieplans aus dem Jahr 2004. Noch im Dezember 2014 wies der Gemeinderat den neuen Energieplan wegen vertraglicher «Einseitigkeiten» zugunsten der EWZ» zurück. Der Stadtrat verhandelte diesen Kontrakt nach und erwirkte verschiedene Verbesserungen (die Limmattaler Zeitung berichtete). Gestern genehmigte der Gemeinderat den Energieplan nun mit 25 zu 7 Stimmen klar. Zwei Änderungsanträge der FDP wurden abgelehnt. Ein ausführlicher Bericht dazu folgt am Mittwoch.

Meistgesehen

Artboard 1