Wieso braucht es einen Spitalneubau?

Das im Jahr 1970 eröffnete Spital Limmattal ist am Lebensende angekommen. Laut Spitalarchitekt Roman Steinemann ist es klar, dass es nur noch ein paar wenige Jahre in Betrieb bleiben kann. Dies nicht nur aufgrund der Bausubstanz, sondern auch, weil diverse Auflagen nicht mehr erfüllt werden können. Zudem wäre das «Limmi» laut Spitaldirektor Thomas Brack nicht mehr konkurrenzfähig. Denn auch Infrastruktur und Raumstruktur entsprechen nicht mehr den Bedürfnissen der modernen Medizin. Verändert haben sich auch die Ansprüche der Patienten: Mehrbettzimmer sind nicht mehr gefragt, weshalb es neu nur noch Ein- und Zweibettzimmer geben wird - alle mit eigener Nasszelle.

Könnte man das Spitalgebäude nicht sanieren?

Eine Sanierung würde mindestens so viel kosten wie ein Neubau - und wäre viel umständlicher, da der Betrieb in Provisorien verlegt werden müsste. Eine Sanierung während des laufenden Betriebs wäre zudem für Patienten und Personal sehr unangenehm, da sie laut Spitalarchitekt Roman Steinemann mit «unglaublichen Immissionen» verbunden wäre. «Gesamtwirtschaftlich betrachtet macht eine Sanierung keinen Sinn», sagt Steinemann. «Zudem könnten in einem sanierten Gebäude die Prozesse nicht optimiert werden.»

Wie viel kostet das neue Spital?

Die Gesamtkosten für den Neubau betragen 270 Millionen Franken, wobei das Bauprojekt 215 Millionen kostet. Weitere 39 Millionen benötigt die medizintechnische und allgemeine Ausrüstung des Spitals. Für die bauherrenseitigen Leistungen wie Fachplanung, Projektbegleitung, Umzug und weitere interne Leistungen entstehen Kosten von 16 Millionen.

Wer bezahlt das neue Spital?

Seit Anfang 2012 das neue Spitalplanungs- und -finanzierungsgesetz eingeführt worden ist, sind die Spitäler selber für die Finanzierung ihrer Investitionen verantwortlich. In den Fallpauschalen ist ein Investitionsanteil von 10 Prozent eingerechnet, damit sich die Spitäler Eigenkapital aufbauen können. Rund 225 Millionen Franken für das Neubauprojekt muss das Spital Limmattal fremdfinanzieren. Postfinance stellt eine langfristige Basisfinanzierung in Form eines Schuldscheindarlehens zur Verfügung, während die UBS eine Anleihe und einen weiteren Kredit als Leadbank organisiert. Die Verträge wurden unter dem Vorbehalt unterzeichnet, dass das Stimmvolk Ja sagt.

Worüber wird eigentlich abgestimmt?

Wer am 22. September Ja sagt, gibt dem Spital Limmattal die Erlaubnis, für 270 Millionen Franken einen Neubau zu erstellen sowie 225 Millionen Franken Fremdkapital einzuholen. Die Zustimmung der Bevölkerung in den Trägergemeinden ist nötig, da die Gemeinden im Notfall gefordert wären, sollte das Spital die Zinsen nicht mehr bezahlen können. Da diese jedoch langfristig fixiert sind, ist dieses Szenario höchst unwahrscheinlich.

Wem wird das neue Spital gehören?

Eigentümerin des neuen Spitals Limmattal ist der Zweckverband Spital Limmattal als oberstes Organ. Somit gehört das Spital der Bevölkerung in den Trägergemeinden im Limmattal und Furttal. Dazu zählen heute die Limmattaler Gemeinden Aesch, Birmensdorf, Dietikon, Geroldswil, Oberengstringen, Oetwil, Schlieren, Unterengstringen, Urdorf und Weiningen sowie die Furttaler Gemeinden Boppelsen, Buchs, Dänikon, Hüttikon und Otelfingen. Deren Bevölkerung ist am 22. September stimmberechtigt. Buchs, Hüttikon, Boppelsen und Otelfingen haben jedoch den Austritt aus dem Zweckverband beschlossen, Dällikon und Regensdorf sind schon ausgestiegen. Verbleiben werden somit noch die Limmattaler Gemeinden und Dänikon.

Was geschieht, wenn das Stimmvolk Nein sagt?

Laut Spitaldirektor Thomas Brack eine schwierig zu beantwortende Frage. Sicher ist, dass der Kanton nicht einspringen wird, um ein neues Spital zu bauen. Möglich wäre, dass ein Privater es übernehmen würde - wobei diese Option, wie die Geschichte gezeigt hat, bei der Bevölkerung massiven Widerstand auslöst. Eine Weiterführung des Betriebes in der heutigen Infrastruktur wäre nur noch mit grossem finanziellem Aufwand für einige Jahre möglich.

Wird der Neubau grösser als das aktuelle Spital?

Das neue Spital, das vom Totalunternehmer Losinger Marazzi gebaut wird, bietet rund 200 Betten - etwa gleich viele wie das aktuelle. Berechnungen, die demografische und medizinische Entwicklungen berücksichtigen, zeigen, dass dies reicht. Da die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sinkt, steigt die Kapazität gleichzeitig. In den ambulanten und behandelnden Bereichen wird die Kapazität dem Bevölkerungswachstum entsprechend vergrössert.

Was wird im Vergleich zu heute besser?

«Am meisten werden die Patienten profitieren», sagt Urs Zingg, Chefarzt der Chirurgischen Klinik. Das neue Spital werde heller, schöner und komfortabler und biete mehr Platz und Ruhe. Ein Vorteil sei zudem, dass man kein Hochhaus mehr habe, in dem man ständig die Stöcke wechseln müsse: So werden die Wege kürzer. Im Neubau werden diverse Kliniken in einem dreigeschossigen Sockelbau untergebracht sein, während darüber die Bettenstationen in einem dreigeschossigen Aufsatz angeordnet sind. Die neue Raum- und Infrastruktur bietet laut Zingg maximale Flexibilität: «Auch dem Personal wird die Arbeit so unglaublich erleichtert.»

Wieso wird das Pflegezentrum nicht ersetzt?

Beide Neubauprojekte gleichzeitig zu planen und während des laufenden Betriebs zu erstellen, wäre kaum möglich gewesen. Wenn der Spitalneubau bezogen ist, wird entschieden, ob das Pflegezentrum umgebaut oder neu gebaut werden soll.

Was sind die nächsten Schritte?

Sagt das Stimmvolk Ja, läuft noch bis im Februar 2014 die Projektoptimierungsphase. Involviert sind nebst dem Totalunternehmer Losinger Marazzi rund 20 Nutzergruppen des Spitals. Bereits heute ist ein Grossteil der Planung gemacht - so steht das Layout der Räume grösstenteils fest. Wie Urs Zingg, Chefarzt der Chirurgischen Klinik, sagt, ist es wichtig, dass die Beziehung zwischen den einzelnen Abteilungen optimal abgebildet wird, damit die Wege möglichst kurz sind. «Hier können wir Synergien nutzen», so Zingg. Nun geht die Planung zunehmend ins Detail. Im Herbst 2014 soll Baubeginn sein, Ende 2015 der Rohbau stehen. Der Umzug ins neue Gebäude ist für den Frühling 2018 geplant. Danach wird das alte Spital zurückgebaut.