Einkaufszentrum
Das Shoppi ist ihr liebster Treffpunkt - den Jungen fehlt eine Alternative

Jugendliche verbringen regelmässig ihre freie Zeit im Einkaufszentrum – kaufen wollen viele von ihnen aber nichts. Das Shoppi Tivoli lässt die jungen Gäste gewähren, solange sie nicht negativ auffallen

Anina Gepp
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Wenn es während der Sommerferien regnet, wird der Einkaufstempel Shoppi Tivoli in Spreitenbach zum willkommenen Zeitvertreib. Während die erwachsenen Besucher ihren Einkäufen nachgehen und im Ausverkauf auf Schnäppchenjagd gehen, streifen mehrere Gruppen von Kindern und Jugendlichen ziellos vor den Läden der Shoppingpassage umher. Sie sind nicht hier, um einzukaufen. Es ist die Langeweile, die sie nach Spreitenbach treibt.

Es gibt auch Jugendliche, die gute Kunden des Shoppi Tivoli sind. FNI

Es gibt auch Jugendliche, die gute Kunden des Shoppi Tivoli sind. FNI

«Ich bin jeden zweiten Tag hier», sagt der 13-jährige Ali*, der das Shoppi mit seinen Freunden Luca und Morris besucht. Zu dritt würden sie sich jeweils auf eine Bank setzen und die Leute beim Einkaufen beobachten. «Selbst kaufen wir nichts, ausser vielleicht einmal eine Cola», sagt Alper. Seine Eltern hätten nichts dagegen, dass er seine Ferien im Einkaufszentrum verbringe. «Meine Mutter sagt, das sei besser, als wenn ich den ganzen Tag zu Hause vor dem Computer sitze.»

Solange die Jugendlichen keinen Blödsinn anstellen, werden sie toleriert. FNI

Solange die Jugendlichen keinen Blödsinn anstellen, werden sie toleriert. FNI

Vor einem Süssigkeitenladen hat sich eine weitere Gruppe von Jugendlichen versammelt. Aaron ist 12 Jahre alt und der älteste der vier Jungs. «Wir haben soeben Kaugummi aus der Tube gekauft», sagt er. Damit sei das Sackgeld aufgebraucht und die Einkaufstour zu Ende. «Wir bleiben trotzdem den ganzen Nachmittag hier und schauen, was es in den Läden so gibt.» Jetzt zur Ferienzeit seien er und seine Freunde öfter in Spreitenbach. «Manchmal kommen wir auch mit der Familie her, aber alleine ist es viel abenteuerlicher», meint der 9-jährige Jeffrey. Er findet es schade, dass seine Sommerferien so verregnet sind. «Wenn die Sonne scheint, gehen wir auch lieber in die Badi», sagt er.

Lara, Sina und Helena sind 11 Jahre alt und haben sich in einem Restaurant im Einkaufszentrum soeben eine Limonade bestellt. Dass andere Jugendliche lediglich aus Langeweile nach Spreitenbach fahren, können sie verstehen. «Es ist doch okay, wenn man sich die Dinge in den Läden einfach nur anschaut, anstatt sie zu kaufen», sagt Sina.

Sinnvolle Alternativen fehlen

Kein Verständnis für die herumlungernden Jugendlichen hat hingegen das Ehepaar Efe, das gemeinsam mit den 9- und 10-jährigen Töchtern den Nachmittag im Shoppi Tivoli verbringt. «Es kann nicht sein, dass Eltern ihre Kinder alleine hierhin kommen lassen», sagt Enorense Efe. Ihr Mann pflichtet ihr bei: «Es gibt wirklich sinnvollere Aktivitäten für Kinder.» Es liege in der Verantwortung der Eltern, den Jugendlichen andere Angebote zu machen, sagt er. Schliesslich müssten die Eltern für die Kinder gerade stehen, falls diese im Shoppingcenter negativ auffallen.

An verregneten Tagen fehlt es den Jugendlichen an Alternativen. FNI

An verregneten Tagen fehlt es den Jugendlichen an Alternativen. FNI

Zur Verfügung gestellt

Elisabeth Meier, Marketingbeauftragte des Shoppi Tivoli, weiss, dass Jugendliche während der Ferien regelmässig im Einkaufszentrum ihre Freizeit verbringen. «Solange die Jugendlichen keinen Blödsinn anstellen, stellt dies kein Problem dar», sagt sie. Ein «Qualitätssicherungsteam» sei jedoch den ganzen Tag unterwegs und greife ein, falls jemand negativ auffällt. «Den Jugendlichen fehlt es während der verregneten Ferien wohl an Alternativen. Das Shoppi Tivoli scheint für sie eine Erweiterung ihres Spielplatzes zu sein.»

Grundsätzlich seien Kinder und Jugendliche im Einkaufszentrum willkommen. Viele von ihnen seien auch gute Kunden. «Wir haben während der Sommerferien sogar ein extra Kinderprogramm eingerichtet», sagt sie. Es sei aber natürlich nicht die Meinung, dieses als Kinderparadies mit Betreuung anzusehen. «Die Verantwortung für Minderjährige liegt nach wie vor bei den Eltern», so Meier.

*Alle Namen der Jugendlichen wurden von der Redaktion geändert.