Obwohl mit den modernen Wohnbauten in den letzten Jahren viel Neues entstanden ist, wirkt das Schulhaus Reitmen in Schlieren West noch futuristischer, noch grösser als seine Nachbargebäude. Seine glitzernde Fassade beleuchtet den danebenliegenden Allzweckplatz, die Betonfassade der an die Gleise angrenzenden Dreifachturnhalle ist imposant. Gestern übergab Stadträtin Manuela Stiefel (FDP) im Namen der Baukommission das 75,5 Millionen-Gebäude ihrer Stadtrats- und Parteikollegin Bea Krebs von der Schule Schlieren.

Letztere erhielt nicht nur einen in ein Kissen eingenähten Schlüssel, sondern auch ein ganzes Sammelsurium an Flyern und anderen Erinnerungsstücken. Eines davon, ein Stein, übergab Stiefel mit der Bemerkung: «Andere Leute bauen mit den Steinen, die ihnen in den Weg gelegt werden, Treppen – wir bauen ein ganzes Schulhaus.» Krebs ihrerseits rief in Erinnerung, dass die Inbetriebnahme des Schulhaus Reitmen zum genau richtigen Zeitpunkt komme. «In Sachen Platz hatten wir zuletzt fast keinen Spielraum mehr.»

Noch höher als die Baukosten von 75,5 Millionen Franken fiel der Ja-Stimmen-Anteil für das Projekt an der Urne aus. Ende 2013 stellten sich 78 Prozent der Schlieremer hinter den Schulhaus-Neubau. Für diesen Betrag erhält die Stadt so einiges: Neben 23 Klassenzimmern für insgesamt rund 450 Schüler gibt es auch Gruppenräume für Kindergarten, Unterstufe und Sekundarstufe. Zudem verfügt das Gebäude über Platz für einen Doppel-Hort, Raum für die Mittagsbetreuung, einen Psychomotorik-Therapieraum, eine Dreifachturnhalle, auf deren Dach – umsäumt von einem Gitterzaun – ein Sportplatz thront und eine Aula. Diese wird auch für diverse öffentliche Anlässe verwendet werden.

Jeder Trakt hat eine Farbe

Visuell unterteilt sind die Klassenzimmer durch unterschiedliche Farbkonzepte. So ist der Boden in den Werkzimmern beispielsweise orange. «In derselben Farbe wird auch die Beschriftung in diesem Trakt ausgeführt werden», sagt Daniel Jaegle, Architekt bei Graber und Pulver, anlässlich einer Führung durch das Gebäude. Die Böden, Nasszellen und Beschriftungen in anderen Geschossen sind etwa gelb, blau oder grün. Ansonsten trifft man nicht viel Farbe an, der Sichtbeton dominiert mit seinem Grau. «Das Gebäude soll kein Papagei sein, sondern wird durch die Schulkinder, die hier sicherlich auch Zeichnungen aufhängen, an Farbe gewinnen», sagt Jaegle.

Mit dem Projekt «Lernfabrik» sollte auch die industrielle Vergangenheit Schlierens referenziert werden, wie Architekt Thomas Pulver sagte. «Zugegeben: Über die ganze Projektphase hinweg irritierte der Name ‹Lernfabrik› einige Menschen», ergänzte er. Fabrik und Schulen, das gehe für viele nicht zusammen. Er zweifelt aber nicht, dass dies das richtige Projekt für diesen Ort ist. «Seit 35 Jahren fahre ich regelmässig hier in Schlieren vorbei und kenne den Ort entsprechend gut.»

Nun kommen die Kinder

Die Referenz zur Industrie mit dem Sheddach, über welches der Mittelbau verfügt, ist unverkennbar. Dieses ist darüber hinaus mit einer Photovoltaik-Anlage, sie umfasst rund 800 Quadratmeter Fläche, versehen, welche den Energiebedarf des gesamten Schulhauses decken sollte. In den kommenden Wochen wird der Bau nun möbliert und von der Schule in Beschlag genommen, sodass mit dem Schulbeginn am 21. August die rund 450 Kinder den Unterricht beginnen können. Ein Mädchen aus dem Quartier habe ihr gestanden, so Stiefel, dass es sie beinahe «verchlüpfe» vor Freude, hier in die Schule gehen zu dürfen. Stiefel habe erwidert, dass es auch sie selber fast «verchlüpfe» vor Freude.