Die Bauern könnten sich besseres Wetter vorstellen. Die starken Regenfälle von Anfang Mai haben die Böden durchnässt und auch Pfingsten fiel ins Wasser. Im Boden hat es kaum mehr Luft, den Wurzeln fehlt der Sauerstoff. Daran änderte auch das schöne Wetter über die Auffahrtstage nichts, denn das Wasser verdunstete, wenn überhaupt, nur an der Oberfläche. Viele Äcker standen unter Wasser. Gesetzte Kartoffeln sind abgesoffen und verfaulen nun. Und der ausgesäte Mais keimt auch nicht mehr. Die Maispflanze liebt Wärme. Ist es kälter als üblich, keimt der Mais langsamer und bleibt länger klein.

Braune Flecken auf dem Obst

Das hingegen freut die Schnecken, die es vor allem auf Jungpflanzen abgesehen haben. Auch auf Bauer Kurt Bräms Hof haben die Tiere bereits fleissig die Pflänzchen der Rapssaaten abgegessen. Der Dietiker kann dem feuchten Wetter auch trotz all dem etwas Positives abgewinnen. Das Gras sei dieses Jahr besonders wüchsig, was mehr Futter für die Tiere bedeute. Die Schattenseiten des vielen Regens und den gleichzeitig warmen Temperaturen seien jedoch die dabei entstehenden Pilzkrankheiten. So haben beispielsweise die Blätter an Bräms Kirschbäumen braune Flecken bekommen und auch die Äpfel sind betroffen. Das sei aber nicht ganz so schlimm, da man dies durch das Spritzen der Bäume eindämmen könne. Das Mittel sei biologisch abbaubar und daher nicht giftig.

Zu oft will Bräm aber trotzdem nicht davon Gebrauch machen. Der Vorteil am Direktverkauf auf dem Hof sei, dass seine Kunden sich nicht daran störten, wenn die Früchte ein paar Flecken haben. «Lieber kaufen sie Früchte mit Makel, als dass ich das Obst zu oft behandle», so der Bauer.

Weizenertrag fällt kleiner aus

Regelmässig hingegen spritzt der Fredy Boll seine Äpfel. Der Bergdietiker hat schon alle Preise gewonnen, die man mit Süssmost gewinnen kann. Da aufgrund der Feuchtigkeit und Wärme ansonsten Blattschorf entstehen würde, sei die Behandlung der Früchte unabdingbar, sagt er. Ab 30 Liter Regen pro Tag und Quadratmeter müsse er das Obst alle 14 Tage wieder behandeln, da dann jeweils der Belag abgewaschen sei. Das nasse Wetter verursache deshalb nicht nur mehr Aufwand, sondern auch mehr Kosten. Bei schönen Bedingungen reiche es nämlich, alle drei Wochen das Obst zu spritzen.

Auf seinen Rundgängen durch die Weizenfelder hat Bräm zudem ein weiteres Problem entdeckt, das das Wetter mit sich bringt. Die Blätter des Weizens sind gelb geworden durch die viele Feuchtigkeit. Die Ähren, die darunter zu wachsen beginnen, werden dadurch kleiner ausfallen. Das bedeute einen kleineren Ertrag an Getreide, so Bräm.

Das Wetter beschäftige ihn und seine Kollegen schon sehr. Gerade wenn dieses grössere Ertragsausfälle zur Folge habe. Bräm hofft nun, dass zumindest der Hagel ausbleibt. Am vergangenen Dienstag kamen nämlich bereits die ersten kleinen Körner vom Himmel. Einige der Kirschen wurden dabei getroffen. «Sie sollten sich aber davon erholen», sagt er zuversichtlich. Letztes Jahr im Juni sei es besonders extrem gewesen. Da seien durch den Hagel sogar die Netze gerissen, die er über den Obstbäumen gespannt hatte. Er hoffe, dass sein Hof heuer davon verschont bleibe.

Prognose für 2015 noch zu früh

Ganz allgemein könne er sagen, dass die Wetterbedingungen in den letzten Jahren extremer geworden sind. Die Temperaturen schwankten oft. «Es wird auch 2015 bestimmt kein Spitzenjahr, aber vielleicht ein durchschnittliches.» Trotz den misslichen Umständen gibt der Bauer nicht auf: Jammern ist frühestens im Herbst erlaubt. Noch sei es verfrüht, zu sagen, dass es ein schlechtes Erntejahr wird.