Schlieren
Das Ruftaxi ist wieder im Gespräch

Gaby Niederer gibt nicht auf und will das Angebot trotz der guten Aussichten auf öV-Verbesserungen an den Stadträndern.

Alex Rudolf
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Sehr wahrscheinlich wird der Stadtrat bis Ende Jahr eine Vorlage ausarbeiten.

Sehr wahrscheinlich wird der Stadtrat bis Ende Jahr eine Vorlage ausarbeiten.

K.Nars

Wie gut sind die Schlieremer Aussenquartiere künftig mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen? Diese Frage umtreibt die städtische Politik seit längerem. Nun wurde bekannt, dass der Stadtrat bereit zur Entgegenname einer Motion von Gaby Niederer (Quartierverein) ist, worin sie einen Testbetrieb für ein Ruftaxi verlangt.

Dieselbe Forderung in Form eines Postulates wurde im vergangenen März von Gemeindeparlament abgeschrieben. «Ich bin positiv überrascht von der Entgegennahme des Vorstosses», sagt Niederer auf Anfrage. Für den Fall, dass auch das Parlament den Vorstoss überweist und der Stadtrat eine detaillierte Vorlage ausarbeitet, werde es sicherlich zu intensiven Diskussionen kommen im Stadtparlament.

«Die Limmattalbahn kommt frühestens in fünf Jahren. Daher ist ein Ruftaxi gerechtfertigt.» Gaby Niederer, Gemeinderätin Quarrtierverein

«Die Limmattalbahn kommt frühestens in fünf Jahren. Daher ist ein Ruftaxi gerechtfertigt.» Gaby Niederer, Gemeinderätin Quarrtierverein

Zur Verfügung gestellt

Erst im Frühjahr 2016 lehnte das Schliermer Stimmvolk die Ortsbus-Initiative mit einem Nein-Stimmenanteil von 45 Prozent ab. Im Nachzug zu diesem Schiffbruch lancierte Niederer ein Postulat, worin sie ein Ruftaxi verlangte. Im Herbst dann nahm der Stadtrat die Arbeit an der Erweiterung des öV-Netzes an den schlecht erschlossenen Gebieten auf – etwa auf dem Schlieremer Berg. Unter anderem deshalb lehnte es der Stadtrat in seinem Bericht zum Ruftaxi-Postulat ab, diese Leistung einzuführen.

Drei detailliert ausgearbeitete Varianten liess er prüfen. Die erste sah stündlich verkehrende Schlaufen zwischen dem Zentrum und den Aussenquartieren vor. Bei der zweiten Variante hätten Bewohner eines bestimmten Gebiets den Fahrdienst in Anspruch nehmen können. Da die Kosten bei beiden Varianten mindestens 45 000 Franken betragen und bei reger Nutzung proportional gestiegen wäre, befand die Exekutive, das Kosten-Nutzen-Verhältnis als ungenügend.

Ortsbus: Entscheid verschoben

Eigentlich hätte der Schlieremer Stadtrat am Montag vor einer Woche über einen Betriebsbeitrag an den Uitiker Ortsbus befinden sollen. Damit wäre eine Haltestelle an der Uitikonerstrasse auf der Höhe der katholischen Kirche erstellt worden. Damit hätten die Kirchengänger, Besucher des Friedhofs und Anwohner des Schlieremer Bergs einen näheren öV-Anschluss ans Stadtzentrum.

Wie Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) auf Anfrage sagt, habe sich der Entscheid verschoben. «Dass solche Abstimmungen verschoben werden, kommt hin und wieder vor», so Kunz. Neu wird der Stadtrat an seiner Sitzung vom kommenden Montag über das Geschäft befinden – voraussichtlich.

45 000 Franken sind vertretbar

«Das sehen wir vom Quartierverein keineswegs so», sagt Niederer. So seien Kosten von 45 000 Franken – «das ist gleich viel, wie der jährliche städtische Beitrag, der für die Trublerhütte ausgebeben wird» – gerechtfertigt. Auch in Anbetracht der städtischen Altersstrategie, wonach Senioren so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben sollen, sei es erwünscht, dass auch in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen das Stadtzentrum erreichen können. Der Stadtrat schreibt in seinem Bericht jedoch, dass mit Massnahmen wie der Limmattalbahn, einer Haltestelle des Uitiker Ortsbusses bei der katholischen Kirche und der Verlängerung des Busses 307 zum Bauhaus die Erschliessung der Aussenquartiere bereits stark verbessert werden könne.

Es gehe um die Topografie

Niederer widerspricht. «Die Limmattalbahn kommt frühestens in fünf Jahren. Daher ist ein Ruftaxi gerechtfertigt, zumal es dazu keine baulichen Investitionen braucht.» Und wirklich Abhilfe würden die Neuerungen auch nicht schaffen. So hätten Bewohner der Kamp- bereits an die Bachstrasse ziehen müssen, weil der Weg zwischen Zuhause und Zentrum zu steil gewesen sei. «Oft geht es nicht nur um die Nähe zu nächsten öV-Station, sondern auch um die topografischen Gegebenheiten», so Niederer. Auch die neue Haltestelle bei der katholischen Kirche sei zwar willkommen, doch die Bewohner des Schlieremer Bergs müssten auch von dort noch einen steilen Pfad bis zu ihren Wohnungen zurücklegen. Der Weg zwischen Lättenstrasse und der Bushaltestelle Bauhaus sei zwar flach, dafür jedoch sehr weit.

Nachdem das Postulat im vergangenen Februar von der Ratsmehrheit abgeschrieben wurde, entschied sich Niederer auf Anraten von Parlamentskollegen, eine Motion einzureichen. «Auf diese Weise kann das Parlament direkt über eine mögliche Umsetzung befinden», so Niederer. Über diese hat Niederer bereits konkrete Vorstellungen. So soll eine Ruftaxi-Fahrt wenn möglich nicht mehr als 5 Franken für den Nutzer kosten. Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) sagt auf Anfrage, dass bei einer Annahme des Parlaments Ende Jahr mit einer Vorlage gerechnet werden könne.