Aesch

Das Rössli-Projekt nimmt Fahrt auf – kommt noch Gegenwind auf?

Rechts die Südwest-Seite des Rössli, links der freistehende Schopf am Aescher Bach, der auch Teil des Baugesuchs ist.

Rechts die Südwest-Seite des Rössli, links der freistehende Schopf am Aescher Bach, der auch Teil des Baugesuchs ist.

Derzeit liegt in Aesch das Baugesuch auf für das besondere Gebäude-Ensemble im historischen Ortskern. Bisher gibt es zwei mögliche Rekurrenten gegen das Rössli-Projekt.

Vor neun Jahren verliess der bislang letzte Gast das Aescher Restaurant Rössli, und seit etwa drei Jahren wohnt auch niemand mehr in dem 300 Jahre alten Gebäude. Das sieht man ihm an, vor allem an der nordöstlich gelegenen Seite mit der halb zusammen gebrochenen Scheune sowie der rückwärtig zum Aescher Bach gelegenen Fassade. Mit der Planauflage eines Bauprojekts vom Eigentümer der Liegenschaft, Urs Räbsamen, ist nun ein wichtiger Schritt getan auf dem Weg hin zu einer Wiederbelebung nicht nur des Restaurants, sondern des gesamten Areals.

Mit der Auflage des Baugesuchs hat man erstmals Einblick, was der Bauherr plant. Demnach wird der Restaurant-Gebäudeteil saniert und umgebaut, die Scheune (nordöstliche Hälfte) wird umgebaut. Das Erdgeschoss bleibt ganz der Gastronomie vorbehalten, das erste und zweite Obergeschoss wird mit neun Wohnungen und zwei Gewerbeteilen zur Vermietung ausgebaut. Auch der einzeln stehende Schopf hinter dem Hauptgebäude wird zu Wohnzwecken ausgebaut. Dort wo derzeit noch der Anbau an die Scheune verfällt, sollen 15 Autostellplätze entstehen.

Identitätsstiftendes Gebäude

Das Traditionslokal Rössli entwickelte sich über die Jahre zu einem Sorgenkind der Gemeinde, obwohl es sich eigentlich um einen ganz besonderen Schatz handelt. Zusammen mit der Hornstrasse 2 bis 6, dem Türmlihuus, dem Doktorhaus und den Gebäuden Haldenstrasse 2 und 5 bildet das Rössli-Haus den alten Dorfkern von Aesch. 2014 wurde im Auftrag der Gemeinde durch die Winterthurer ibid Altbau AG ein Gutachten über das ursprüngliche Vielzweckbauernhaus erstellt, in dem die Schutzwürdigkeit zweifelsfrei dargelegt wird. Der Kernsatz in dem 13-seitigen Gutachten: «Ein dreigeschossiger Stockabbund, wie er sich am Gebäude erhalten hat, ist im heute überlieferten Bestand für den Bezirk Dietikon von Seltenheit.» Das Gebäude nehme eine «herausragende Stellung innerhalb des Ortsbildes» ein, sei ein «wichtiger Zeuge des ländlich-bäuerlich geprägten Dorfes» und damit «identitätsstiftend».

Lift in der Tenne

Folgerichtig verpflichtete der Gemeinderat in einer Schutzverfügung die Eigentümer – eine Erbengemeinschaft –, das Gebäude «dauernd und ungeschmälert» zu erhalten sowie Umbauten und Renovationen nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten vorzunehmen. All das bezieht sich lediglich auf Haupthaus und Scheune, nicht auf den Anbau und den freistehenden Schopf im rückwärtigen Teil des Ensembles, der von der Strasse aus nicht zu sehen ist.

Nachdem das Rössli seine Pforten geschlossen hatte, war das Gebäude längere Zeit zum Verkauf ausgeschrieben. Der Kauf durch die Gemeinde wurde genauso verworfen wie die Gründung einer Genossenschaft, die das Ziel hatte, den Lokalbetrieb zu sichern. Im Mai trat in Urs Räbsamen ein neuer Kaufinteressent mit Erfahrung in Restaurationsbetrieben auf den Plan, der das Restaurant Rössli wieder betreiben will.

Beim Blick in die Baupläne erkennt man, dass der Kubus insgesamt kleiner werden wird. Erhalten bleiben unter anderem die Fassade im schutzwürdigen Teil, die Dreiteilung des Gebäudes in Wohntrakt (mit Rössli) eine breite «Tenne» als Erschliessungszone in der Mitte für Gang, Treppenhaus, Lift und Sanitäranlagen und dem früheren Stallungen-Trakt (Ersatzneubau) mit Gewerbe-, Büro- und Restaurant-Räumen (Kühlraum, Lager).

Ziel der energetischen Sanierung ist laut Räbsamen, dass das Haus künftig CO2-neutral betrieben werden kann. Der Bauingenieur und Betriebsökonom will das mit einer Holzpellet-Heizung, Solarpanels für Warmwasseraufbereitung und einer Solaranlage zur Stromerzeugung umsetzen.

Die Vorgaben des Denkmalschutzes erwiesen sich als herausfordernd. Beispielsweise durfte das Dach nicht zu viele Elemente aufweisen – schwierig bei der Belichtung der Dachwohnungen und der Positionierung der Solareinrichtungen. Auch eine Lösung für die Balkone war laut Räbsamen nicht einfach zu finden, denn der Stil des Gebäudes darf durch sie nicht gestört werden. Nun sind sie auf der Südwestseite beim Aescher Bach integriert. Bei den Parkplätzen gibt es eine besondere Aescher Lösung. Sie sieht vor, dass man dem Betreiber des Rössli zur Subventionierung des Betriebs Tiefgaragen-Parkplätze in der gerade neu entstehenden Amsler-Überbauung an der Eichacherstrasse gegenüber dem Gemeindehaus zur Verfügung stellt. Diese sollen in den ersten Jahren kostenfrei sein. Das Stimmvolk hat Ende letzten Jahres Ja zu dieser Lösung und dem damit verbundenen Kredit von 480 000 Franken gesagt.

Bisher zwei mögliche Rekurrenten

Die Auflage des Projekts dauert noch bis zum 29. September. In diesem Zeitraum kann man ein «Begehren um Zustellung des Baurechtsentscheids» einreichen. Bisher haben das zwei Parteien in Anspruch genommen. Erst wenn die Bewilligung erteilt ist, entscheidet sich, ob rekurriert wird. Urs Räbsamen ist zuversichtlich. «Das Bauvorhaben ist eine Aufwertung für das Dorf, daher rechne ich nicht mit viel Gegenwind.» Er habe das Gefühl, dass das Projekt «gut akzeptiert» sei. Das sieht auch Gemeindepräsident Johann Jahn so: «Die Bevölkerung steht dem Projekt mehrheitlich positiv gegenüber.» Das habe man auch am sehr guten Besuch und dem Verlauf der Gemeindeversammlung im Dezember erkennen können. Jahn: «Es geht darum, dass man das Gebäude wieder zum Leben erweckt, und dass dort ein Restaurant betrieben wird.»

Räbsamen ist parallel zur Auflage bereits an der Detailplanung und Ausschreibung. Nach seinem Zeitplan könnte Anfang 2018 der Baubeginn sein; er rechnet mit einer Bauzeit von neun bis zwölf Monaten. Das Restaurant will er verpachten. Dafür ist er im Gespräch mit der Zürcher «Stiftung Arbeitskette». Diese setzt sich als Trägerin von Gastronomiebetrieben in Zürich sowie des Stürmeierhuus’ in Schlieren für die berufliche Integration von psychisch und/oder körperlich beeinträchtigten Jugendlichen und Erwachsenen ein.

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