Das grosse Reppisch-Rätsel RIDDLE

Anders präsentiert sich die Situation bei der Reppisch. Sie fliesst mitten durch den Bezirkshauptort. An ihren Ufern, nahe der Mündung zur Limmat, siedelten sich bereits die Römer an. In späteren Jahrhunderten diente der Fluss als Kraftspender. Im Dietiker Dorfkern siedelte sich um die Reppisch Gewerbe an. Mühlen, Schmieden, Sägereien und nicht zuletzt die Rotfarb-Färberei profitierten von der Energie des Flusses. Noch heute stehen die ältesten Häuser Dietikons am Ufer der Reppisch. Etwa das Zollhaus oder die Taverne zur Krone, die erstmals 1259 urkundlich erwähnt wurde. Die Grundsteinlegung für den heutigen Bau erfolgte 1703.

Kurzum: Die Reppisch prägte und prägt Dietikon. Obschon kleiner als die grosse Schwester Limmat, ist sie der wahre Dietiker Fluss. Sie ist gewissermassen die Keimzelle des heutigen Bezirkshauptortes – und noch viel mehr. Das zeigt das jüngste, von einem Autorenkollektiv verfasste Dietiker Neujahrsblatt «Die Reppisch – ein Fluss und sein Tal», das auf den am 5. September stattfindenden Tag der Reppisch entstanden ist und am Samstag präsentiert wurde.

Der Fluss, der am Türlersee entspringt, ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Auch deshalb, weil er seinen ursprünglichen Charakter bis heute weitestgehend bewahren konnte. Gut beobachten lässt sich dies in Stallikon, wo die Reppisch in ausladenden Kurven das Tal hinunter fliesst. Auch zum Baden wurde der Fluss lange Zeit genutzt, ehe 1948 das Schwimmbad Fondli in Dietikon eröffnet wurde.

Legendäres Reppisch-Derby

Beliebt ist die Reppisch bis heute auch bei Sportlern. Etwa bei Kanuten. Einst traf sich sogar deren nationale Elite auf dem Fluss. Anlass war das Reppisch-Derby, das erstmals 1959 ausgetragen wurde und lange Zeit einen fixen Platz im Terminkalender der Schweizer Wildwasserfahrer hatte. Allerdings hatten die Organisatoren immer wieder mit Wassermangel zu kämpfen. Ein Kampf, der schliesslich verloren ging. Letztmals fand das Reppisch-Derby Anfang der 1990er-Jahre statt.

Nicht nur der Mensch fühlt sich an der Reppisch wohl. Auch viele Tiere leben im oder am Fluss. So konnte in Stallikon die Idee eines Öko-Korridors verwirklicht werden. Dank einer Landumlegung wurde ein 10 Kilometer langer und bis 60 Meter breiter Geländestreifen zu einer einzigen Reppischparzelle vereinigt. Von dieser Massnahme sollen unter anderem auch gefährdete Tierarten wie der Eisvogel oder die Ringelnatter profitieren. Die gezielte Förderung von Ried- und Magerwiesen an Ufern und Gehölzrändern kommt verschiedenen Schmetterlingsarten, Reptilien wie der Zauneidechse sowie verschiedenen Pflanzenarten wie Orchideen zugute. Im Wasser fühlen sich die Bachforelle, die Groppe und der Alet wohl.

Das spezielle Verhältnis zum Fluss

Auch an Sehenswürdigkeiten fehlt es entlang dem Reppischlauf nicht. Da wäre beispielsweise das Museum des Bergwerks Riedhof bei Aeugst am Albis. Es war während des Zweiten Weltkrieges nach Käpfnach-Horgen das zweitgrösste Kohlenbergwerk im Kanton Zürich. Auch die Aumüli in Stallikon kann auf eine reiche Geschichte zurückblicken. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1328. Die Aumüli stellt ein repräsentatives Beispiel von Bauten des traditionellen Müllergewerbes samt Landwirtschaftsbetrieb dar. Sie ist die letzte erhalten gebliebene Mühle samt Wasserrecht, Wasserrad und Säge im Knonaueramt.

Das Hochwasser von 1878

Die Reppisch war jedoch nicht nur Lebensgrundlage für die Menschen, die sich entlang ihrem Ufer niederliessen. Immer wieder trat sie nach Unwettern über die Ufer und zeigte ihre bedrohliche Seite. Eines der folgenschwersten Hochwasser dürfte jenes vom 3. und 4. Juni 1878 gewesen sein. Damals mussten alle Bewohner entlang der Reppisch in Dietikon aus ihren Häusern flüchten. Stege und Brücken wurden weggerissen, das Wasser stand so hoch, dass man mit dem Schiff im Dorf herumfahren konnte. Seit diesem Unglück wurden verschiedenste Anstrengungen unternommen, den Fluss zu zähmen.

Doch trotz mehrerer Korrekturen im Lauf des 20. Jahrhunderts, kam es immer wieder zu Überschwemmungen. Vielen in Erinnerung ist etwa das Hochwasser von 1999, das ebenfalls grossen Schaden anrichtete. Auch solche Ereignisse sorgten für ein spezielles Verhältnis der Dietiker zur Reppisch, zu ihrem wahren Fluss.

Eine Verwünschung steht am Ursprung des Türlersees

Der Türlersee, der Ursprung der Reppisch, ist ein Paradies für Erholungssuchende. Seine Entstehung ist sagenumwoben. So soll einst, da wo der See sich ausbreitet, ein schöner Bauernhof gestanden haben. Der Bauer hatte eine schöne Tochter, die vom jungen Schlossherrn auf der Schnabelburg umgarnt wurde. Sie wies die Avancen jedoch ab. Dem Ritter gelang es, den Vater dazu zu bringen, seine Tochter um Mitternacht unter einem Vorwand aufs Schloss zu locken. Als das Mädchen den Schwindel bemerkte, verwünschte es ihren Vater. In diesem Augenblick schlug ein Blitz im Bauernhof ein, die Erde öffnete sich. Am Morgen war der Hof verschwunden. An seiner Stelle lag ein See.

An der Reppisch sollte einst eine Badi entstehen

Ein Bad in der Reppisch war beliebt. Es verwundert deshalb nicht, dass einst Pläne bestanden, am Fluss eine Badi zu bauen. Bereits in ihrem Gründungsjahr 1906 wurde die SP mit dieser Idee vorstellig. Später war es dann vor allem der 1913 gegründete Verkehrsverein, der seit 2012 Stadtverein heisst, der sich für eine Badi einsetzte. Aus Spargründen sollte diese an der Reppisch entstehen. Einmal scheiterte das Projekt am Geld, ein anderes Mal am Zweiten Weltkrieg, 1943 schliesslich verhinderte die «Marmori» als Wasserkonzessionärin die Realisierung des Projektes. 1948 wurde dann das Schwimmbad Fondli gebaut.

Der Kohleabbau war wenig erfolgreich

Der Zufall wollte es, das der Bauer Felix Schneebeli 1786 während des Ausbesserns des Weges vom Gut Wolfen auf den Mühleberg, auf ein Kohlenflöz stiess. Seine Freude über den Fund – Kohle ist zur Zeit der Industrialisierung ein wichtiger Rohstoff – währte allerdings nicht lange. Er wurde vom Kanton Zürich enteignet. Dieser wollte die Kohle lieber selber abbauen. Und so kam es, dass in Aeugst das Kohlebergwerk Riedhof gebaut wurde. Die erste Abbauphase, des nach 1947 endgültig geschlossenen Bauwerks, war wenig erfolgreich. Bereits 1814 verkaufte der Staat das Bergwerksgebäude. Übrig blieb ein Defizit von 8900 Franken.