Kloster Fahr
Das Pilgerprojekt «für eine Kirche mit* den Frauen» wird ausgezeichnet

Um für mehr Mitspracherecht für Frauen in der katholischen Kirche zu kämpfen, organisierte Priorin Irene mit weiteren Aktivistinnen letzes Jahr einen Marsch nach Rom. Nun wird das Projekt mit einem Preis geehrt.

Flurina Dünki
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Am 2. Mai 2016 versammelte sich die Pilgergruppe in St. Gallen, um den Pilgermarsch nach Rom anzutreten. Chris Iseli

Am 2. Mai 2016 versammelte sich die Pilgergruppe in St. Gallen, um den Pilgermarsch nach Rom anzutreten. Chris Iseli

Chris Iseli

Mit schmerzenden Blasen an den Füssen kam Priorin Irene im vergangenen Juli in Rom an. Als Mitglied des Projekt-Kernteams «für eine Kirche mit*den Frauen» war sie mit weiteren engagierten Frauen und Männern von St. Gallen in den Vatikan gepilgert, um für Papst Franziskus ihren Brief mit der Bitte nach einem «Miteinander von Männern und Frauen auf allen Ebenen» zu deponieren.

Bisher hat der Pontifex erst durch ein Dankesschreiben den Erhalt der Anliegen der Schweizer Kirchenfrauen bestätigt. In der Öffentlichkeit ernten die verantwortliche Ordensfrau des Benediktinerinnenklosters Fahr und ihre Mitorganisatorinnen bereits jetzt viel Lob.

Vom 2. Mai bis zum 2. Juli war die Pilgergruppe unterwegs von St. Gallen nach Rom. Dabei legten insgesamt 1651 Frauen und Männer 1200 Kilometer zurück.
14 Bilder
Nonnen setzen sich für kirchliche Frauenrechte ein.
Hildegard Aepli ist die Hauptverantwortliche des Pilgerprojekts.
Ankunft in St. Gallen: 17 der 20 Schwestern des Klosters Fahr setzten gestern ein Zeichen für eine Kirche mit den Frauen.
Die Nonnen des Klosters Fahr eröffnen unter grossem Applaus die Prozession.
Den Fahrer Schwestern war es ein grosses Anliegen, ihre Priorin beim Projektstart zu unterstützen.
"Ich liebe diese Kirche": Priorin Irene erklärt, wieso sie dem Pilgerprojekt ihr Gesicht und ihre Stimme verleiht.
Der St. Galler Bischof Markus Büchel machte sich für eine Kirche stark, in der "alle gleichberechtigt gehört und wahrgenommen werden".
Dass die Fahrer Nonnen so zahlreich erschienen, bezeichnete Bischof Markus Büchel als "grosses, unglaublich schönes Geschenk".
Die Benediktinerinnen sammeln die Zettelchen ein, welche die rund 1000 Anwesenden mit Bitten beschrifteten. Diese Wünsche trägt die Pilgergruppe nun nach Rom.
Die acht Pilgerinnen und Pilger von "Kirche mit*" sind bereit, den Segen zu empfangen.
Der St. Galler Bischof Markus Büchel erteilt den Segen.
Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer warten auf dem Gallusplatz auf den Start der ersten Etappe.
Und tschüss: Die zurückbleibenden Benediktinerinnen verabschieden ihre fünf Schwestern, welche die erste Etappe nach Teufen mitpilgern.

Vom 2. Mai bis zum 2. Juli war die Pilgergruppe unterwegs von St. Gallen nach Rom. Dabei legten insgesamt 1651 Frauen und Männer 1200 Kilometer zurück.

Zur Verfügung gestellt

Anerkennung des Projekts

Jüngster Beweis ist die Ehrung des Projekts mit dem Preis der Herbert-Haag-Stiftung. Er ist mit 10 000 Franken dotiert. Die Stiftung zeichnet seit 1985 Aktivitäten aus, die zu mehr Freiheit der Gläubigen der katholischen Kirche beitragen. 2017 vergibt die Stiftung ihre vier Preise unter dem Motto: «Für eine Kirche mit den Frauen.» Der Preis bedeute eine Anerkennung des Projekts und gebe diesem neuen Aufwind, sagt die Priorin. «Die Auszeichnung zeigt, dass wir wahrgenommen werden. Wir können dabei wiederum die Nachricht aussenden, dass wir mit unseren Bemühungen für mehr Mitspracherecht von Frauen in der Kirche weiter machen werden», sagt die Priorin.

Im Schreiben an den Papst halten die Frauen fest, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion und die Belange der Kirche im Allgemeinen entscheiden sollen. Zur Unterstreichung dieser Notwendigkeit legte die Priorin dem Brief einen Text der Kloster-Fahr-Nonne und Schriftstellerin Silja Walter bei. Die 2011 verstorbene Ordensschwester schrieb darin: «Männer, es ist Zeit, auf die Frauen zu hören.»

Anlässlich der Preisverleihung am 19. März laden Priorin Irene und ihre Mitstreiterinnen alle Interessierten ein, mit ihnen von Eschenbach nach Luzern zu pilgern. Neben dem Pilgerprojekt wird auch die Gleichstellungsinitiative der Kantone Basel-Stadt/ Basel-Landschaft prämiert. Seit ihrer Annahme 2014 sind die katholischen Kantonalkirchen verpflichtet, sich bei den zuständigen Amtsträgern für Gleichberechtigung einzusetzen. Die beiden weiteren Preise gehen an die spanische Ordensfrau Mercedes Navarro Puerto und die kroatische Theologin Jadranka Rebeka Anic. Beide wurden von der Kirche aus ihren Stellen als Universitätsprofessorinnen verbannt, als sich in Publikationen kritisch über den Umgang der katholischen Kirche mit Frauen äusserten.

Der Pilgermarsch zur Preisverleihung nach Luzern am Sonntag, 19. März startet um 8.50 Uhr beim Bahnhof Eschenbach/LU.