Frühling
Das perfekte Bild: So setzt man Vögel in Szene

Wer wartet, bis die Vögel aus ihren Verstecken kommen, dem gelingen Schnappschüsse. Katrin Rüesch kennt die geeigneten Orte im Limmattal.

Thomas Mathis
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Vögel
4 Bilder
Das ist eines von Rüeschs Lieblingsbildern: Eine Wasseramsel teilt mit ihren Füssen die Strömung.
Zwei Schwäne flirten leidenschaftlich.
Der Buchfink lässt sich von der Kamera nicht stören.

Vögel

Katrin Rüesch

Der schmale Trampelpfad schlängelt sich den Hang hinauf. Unter dem verdorrten Laub am Wegrand schiesst grüner Bärlauch aus dem Boden. Dort, wo die ersten Sonnenstrahlen den Grund erreichen und die Luft erwärmen, strecken die Buschwindröschen ihre weissen Blüten dem Licht entgegen. Auf den Ästen und Zweigen bittet der Chor der Vögel zum morgendlichen Konzert.

Mit dabei sind der Nesträuber Eichelhäher, der Käferliebhaber Buntspecht und der Winzling Zaunkönig. Der Eichelhäher ist bereits mit dem Nestbau beschäftigt. In seinem Schnabel klemmt ein kleiner Zweig. Der Buntspecht sucht in der Rinde nach einem delikaten Frühstück, das ihm Kraft für den Tag gibt. Mit dem Zaunkönig spielt die Liebe. Durch lautes Zwitschern versucht er, ein attraktives Weibchen für sich zu gewinnen.

Es braucht Geduld und Glück

Diese Szene, die sich im Waldstück Güggenbühl bei Dietikon abspielte, wurde von Katrin Rüesch beobachtet, deren Leidenschaft die Vogelfotografie ist. Im Moment ist sie fast täglich und bei jedem Wetter auf Streifzug im Dietiker Wald, häufig im Guggenbühl oder im Honeret. «Meine Rundgänge dauern zwei bis fünf Stunden», sagt die passionierte Laienfotografin. Im Wald ist sie meist alleine unterwegs und geniesst die Ruhe. Ab und zu ist sie auch an der Limmat unterwegs, wo sich andere Fotografen und Vogelkundler herumtreiben.

Katrin Rüesch liebt es, Vögel zu fotografieren. Deshalb ist sie derzeit häufig im Dietiker Wald anzutreffen.

Katrin Rüesch liebt es, Vögel zu fotografieren. Deshalb ist sie derzeit häufig im Dietiker Wald anzutreffen.

TAM

«Im Frühling ist es einfacher, die Vögel abzulichten, weil es noch nicht viel Laub an den Bäumen hat», sagt Rüesch. Zudem sei es leichter, sich unbemerkt zu nähern, weil die Vögel in der Paarungszeit unvorsichtig sind. Für das perfekte Foto muss sie dennoch viel Geduld aufbringen, denn nicht jeder Piepmatz lässt sich einfach vor die Linse locken. «Ich bleibe jeweils auf den Wegen stehen und warte, bis die Vögel nach kurzer Zeit aus ihren Verstecken kommen», sagt Rüesch.

An diesem Morgen will es nicht so richtig klappen. Nur wenige Gefiederte wagen sich in Rüeschs Nähe. «Neben Geduld braucht es eine ordentliche Portion Glück», sagt die Fotografin, die gelegentlich auch für die Gestaltung von Websites auf Tour geht. Als Beispiel für einen glücklichen Zufall erzählt sie von der Begegnung mit einem Grünspecht. Sie folgte dem aufgeschreckten Vogel, doch vor die Linse bekam sie ihn auch nach einer halben Stunde nicht. Die Überraschung wartete stattdessen auf dem Nachhauseweg auf sie. Mit seiner Partnerin sass der kamerascheue Specht auf einer Wiese in der Nähe ihrer Wohnung. Dort liess er sich mehrfach ablichten.

Vogelstimmen auswendig lernen

Bisher hat die Dietikerin insbesondere auf ihren Auslandreisen Fotos geschossen. Seit einem halben Jahr widmet sie sich nun den heimischen Vögeln. Von ihnen ist die gebürtige Bergdietikerin seit ihrer Schulzeit fasziniert. Damals, bei Lehrer Hermann Dunkel, musste sie Vogelstimmen auswendig lernen und fand daran grossen Gefallen. «Von diesem Wissen sind aber nur Bruchstücke übrig geblieben», sagt sie. Umso spannender findet Rüesch es, dass sie in der kurzen Zeit viele der gelernten Arten wiederentdecken konnte.

«Im Frühling ist es einfacher, die Vögel abzulichten.»

Katrin Rüesch, HobbyFotografin

Ein Beispiel dafür sei die Wasseramsel, der Vogel des Jahres 2017. Sie habe das Nest eines Exemplars ausfindig gemacht und dem Vogel aufgelauert. Schon nach kurzer Zeit habe sich die Wasseramsel aus ihrem Versteck hinter dem Wasserfall gewagt und prompt sei eines von ihren Lieblingsbildern entstanden: Eine Wasseramsel, die auf einer Schwelle im Bach steht und mit ihren Füssen den Wasserfluss teilt. «Ich habe grosse Freude daran, dass es mir immer besser gelingt, die Vögel in Szene zu setzen», sagt Rüesch.

Für diese Seite hat Katrin Rüesch eine Auswahl ihrer besten Schnappschüsse zur Verfügung gestellt. Weitere Bilder sind auf ihrer Website www.katrinrueesch.ch zu finden.