Dietikon
Das Parlament zwingt die Stadt Dietikon, beim neuen Kindergarten zu sparen

Als der Stadtrat letztmals im Limmatfeld eine Mietlösung für die Schule vorschlug, wurde er massiv kritisiert. Trotzdem tut er es wieder. Kritisiert wurde er am Donnerstagabend im Parlament aber nicht für den Mietaspekt - sondern aus anderen Gründen.

Bettina Hamilton-Irvine
Merken
Drucken
Teilen
Schon im Sommer sollen die beiden Kindergärten im Zypressenhof bereit sein. Kosten darf der Ausbau nun aber nur eine halbe Million. RUE

Schon im Sommer sollen die beiden Kindergärten im Zypressenhof bereit sein. Kosten darf der Ausbau nun aber nur eine halbe Million. RUE

Sophie Rüesch

Mit Mietlösungen für die Schule hat der Dietiker Stadtrat bisher keine guten Erfahrungen gemacht: Seine Vorlage für ein Mietschulhaus im Limmatfeld wurde zuerst vom Parlament heftig kritisiert, dann vom Stimmvolk an der Urne wuchtig verworfen. Weil die Stadt keinen Plan B hatte, wurde das Ganze zum Debakel. Trotzdem traute sich der Stadtrat, dem Parlament wiederum mit einer Mietvorlage unter die Augen zu treten: Er will – erneut im Limmatfeld – einen Doppelkindergarten ausbauen lassen und für jährlich 63000 Franken mieten.

Der Mietaspekt gab am Donnerstagabend im Parlament aber keinen Anlass zu Diskussionen. Dafür ein anderer Aspekt: Dass der Mieterausbau des Kindergartens im Zypressenhof 625000 Franken kosten soll, stiess der SVP sauer auf. Zwar sei man «eigentlich» für den Kindergarten, sagte Werner Lips. Jedoch sei die SVP überzeugt, dass eine günstigere Lösung möglich sei, weshalb man den Antrag stelle, die Ausbaukosten auf 500000 Franken zu reduzieren. Dies genüge vollauf für einen guten Ausbaustandard, fand auch Markus Erni (SVP), der gleichzeitig die Stadt massiv kritisierte: «Irgendwann sollen die Planer auch einmal ihre Arbeit machen.»

Tonini: «Das sind Falschaussagen»

Mit ihrem Sparantrag rannte die SVP bei der Mehrheit des Parlaments offene Türen ein. Man wolle, dass der Stadtrat der schwierigen Finanzsituation der Stadt Rechnung trage und nicht nur vom Sparen spreche, sondern es auch tatsächlich tue, sagte Martin Romer (FDP). Man werde den Änderungsantrag daher unterstützen.

Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) warnte vor einem pauschalen Sparauftrag beim Mieterausbau. Damit riskiere man, auf für die Kinder wichtige Aspekte verzichten zu müssen oder minderwertige Qualität zu erhalten. Sie wurde nicht erhöht: Weil auch die CVP und Teile der EVP dem Änderungsantrag zustimmten, wurde dieser mit 22 zu 6 Stimmen angenommen.

Prinzipiell gegen die Vorlage waren einzig die Grünen. Das Problem sei «die Häufung von Negativpunkten» im Aussenbereich, sagte Lucas Neff, der eine ganze Liste mit Kritikpunkten mitgebracht hatte. Unter anderem störten sich die Grünen an der zu schmalen Hartplatzfläche und Grünfläche, an der zerstückelten Aussenanlage, dem zu kantig eingefassten Sandkasten oder dem fehlenden Schattenbereich. Er wünsche sich einen Kindergarten, der diesen Namen auch verdiene und keine Kinderwüste sei, so Neff. Tonini bezeichnete einige der Vorwürfe als «Falschaussagen»: So seien sehr wohl Schattenbereiche im Aussenbereich oder Geräteräume vorhanden.

Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP) bat das Parlament inständig, die Vorlage zu unterstützen: «Wenn wir das Projekt gefährden, haben wir im Limmatfeld keinen Kindergarten. Dann müssen wir anderswo zusammenrücken.» Es sei aber für die Kinder enorm wichtig, dass der Kindergarten im Limmatfeld sei.

Kritik am engen Zeitplan

Dem stimmte die SP zu. «Es ist wichtig, dass die Kindergärten dort sind, wo die Kinder gut zu Fuss hingehen können», sagte Esther Sonderegger. Auch Christiane Ilg (EVP) betonte, sie befürworte sowohl Lage als auch Ausführung des Kindergartens.

Kritisiert wurde der Stadtrat hingegen für den engen Zeitplan. Denn: Bereits im Sommer soll der Kindergarten bereit sein. Man habe wieder einmal ein Geschäft vorgesetzt bekommen, das «hopp-hopp» zu behandeln sei, sagte Max Wiederkehr (CVP). Auch Ernst Joss (AL) beklagte sich darüber, zeitlich unter Druck gesetzt zu werden. Er räumte aber ein, dass sich die Zahl der Kindergartenkinder tatsächlich sehr schnell ändern könne. Weil es zudem wichtig sei, dass die kleinsten Kinder einen kurzen Schulweg hätten, sei in diesem Fall ein Mietobjekt tatsächlich sinnvoll. Das sah schliesslich auch die Mehrheit des Parlaments so: In der Schlussabstimmung sprachen sich 25 Gemeinderäte für die Vorlage aus und nur 4 dagegen. Wohl aufgrund der Kürzung beim Ausbau enthielten sich einige Gemeinderäte auf der linken Ratsseite der Stimme.