Schlieren

Das Parlament sagt Ja zur verkürzten Begegnungszone

Hier soll die Begegnungszone erstellt werden.

Hier soll die Begegnungszone erstellt werden.

SVP, FDP und CVP verhelfen der Begegnungszone beim Bahnhof zum Erfolg. Allerdings zeichnet sich bereits Widerstand ab. Besonders beim Gewerbe sorgt das Projekt für rote Köpfe.

Mit viel Zuversicht ging der Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) in die gestrige Gemeinderatssitzung. «Unser Projekt ist so gut, dass es im Parlament bestehen kann», hatte er schon im August über die geplante Begegnungszone beim Bahnhof gesagt. Zwar nahm das Gemeindeparlament die Vorlage mit 21 zu 14 Stimmen an, segnete jedoch auch einen gewichtigen Änderungsantrag der Rechnungsprüfungskommission (RPK) ab.

Vorgesehen war, zwischen Engstringerbrücke und SBB-Unterführung West eine Begegnungszone zu erstellen. Dabei herrscht ein Tempo-20-Regime und die Fussgänger haben uneingeschränkten Vortritt, weshalb keine Fussgängerstreifen eingezeichnet werden müssen. Dafür beantragte Bärtschiger einen Kredit von 185'000 Franken für die nicht gebundenen Ausgaben am Projekt, hinzu kommen Kosten von rund einer Million Franken.

Verkürzte Begegnungszone

Der Sprecher der RPK-Mehrheit, Boris Steffen (SVP), präsentierte den Änderungsantrag seines Gremiums, wonach eine verkürzte Begegnungszone erstellt werden sollte. Darin sollen die neuen SBB-Gebäude nicht enthalten sein. «Die Post und die Denner-Filiale, die in die Neubauten einziehen, werden sicherlich zusätzlichen Autoverkehr anziehen», sagte Steffen. Deshalb soll die Begegnungszone lediglich zwischen der Neuen Fossertstrasse und der Bahnhofstrasse erstellt werden.

Bei Walter Jucker (SP), Sprecher der RPK-Minderheit, kam dieser Vorschlag nicht gut an: «Er ist nicht durchdacht.» Autofahrer würden so einen Schleichweg durch Schlieren erhalten, auf dem sie 50 Kilometer pro Stunde fahren und dabei noch Lichtsignale umgehen können. Bärtschiger bemerkte, der Änderungsantrag der RPK schiesse über das Ziel hinaus. «Sie werden wohl nirgends eine Begegnungszone mit derart vielen Parkplätzen finden, die vergleichbar angenehm ist für Automobilisten wie jene an unserem Bahnhof», sagte er. Durch die Verkürzung würden jedoch Mehrkosten in der Planung hinzukommen.

Beat Kilchenmann (SVP) begrüsste zwar die Aufwertung des Bahnhofsplatzes. «Der motorisierte Individualverkehr kann aber nicht einfach weggedacht werden», sagte er demonstrativ auf die linke Ratsseite blickend. «Macht nicht denselben Fehler wie bei der Limmattalbahn, bei der die Bevölkerung nicht erhält, was sie will.»

Projekt sorgt für rote Köpfe

Pascal Leuchtmann mahnte den Rat in seinem Votum, nicht denselben Fehler wie bei der Geissweid-Vorlage zu machen. «Bei einem Nein würde wohl wieder eine Initiative lanciert und unsere 8000 Vorgesetzten, das Stimmvolk, würden die Begegnungszone sicher doch noch einführen.» Neben der SP/Grüne-Fraktion sprachen sich auch die GLP, der Quartierverein und die EVP für das Geschäft aus. «Der Vorschlag des Stadtrats ist der beste. Bei allen anderen Ideen überwiegen die Nachteile», formulierte es Erwin Scherrer (EVP). Der Änderungsantrag der RPK wurde schliesslich mit 19 zu 16 Stimmen, das Geschäft mit 21 zu 14 Stimmen angenommen.

Das Projekt hat bisher besonders beim Gewerbe für rote Köpfe gesorgt. In einem öffentlichen Brief wandten sich mehrere Verbände an die Exekutive. Die Wirtschaftskammer, der örtliche Gewerbeverein, die Detaillistenvereinigung Pro Schlieren und der Hauseigentümerverband Schlieren monierten, dass die Erreichbarkeit des Bahnhofs mit dem neuen Regime gefährdet sei. Weiter würde es für Autofahrer zu unübersichtlichen Situationen kommen und die Durchfahrt verkomme zu einem Spiessrutenlauf.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1