Martin Müller (DP) war von Anfang an auf verlorenem Posten. Denn das Dietiker Parlament stellt sich seit Jahren geschlossen hinter das Projekt Limmattalbahn.

Nun gibt es aber seit Anfang dieser Legislatur einige neue Köpfe im Parlament, und einer davon ist Müller, der sich vor einiger Zeit als Gegner der Limmattalbahn geoutet hatte. Am Donnerstagabend versuchte er, auch die Legislative auf seine Seite zu bringen: Per Postulat wollte er den Stadtrat dazu bringen, nochmals mit dem Kanton über das Entwicklungsgebiet Niderfeld zu verhandeln. Denn der Kanton hatte die Einzonung des Niderfelds davon abhängig gemacht, dass das Gebiet mit einem schienengebundenen Verkehrsmittel erschlossen ist.

Dies soll überdacht werden, fand Müller. Denn der Widerstand gegen die Limmattalbahn wachse und man müsse über Alternativen nachdenken, wie das Niderfeld erschlossen werden könnte. Ein Plan B müsse her: Für ihn wäre das eine Busanbindung.

Für die Bahn, gegen das Zentrum

«Die Befürworter der Limmattalbahn betonen ja immer, die Bahn sei kein Projekt für jetzt, sondern ein Projekt für in 30 Jahren», sagte Müller. «Das bedeutet, die Limmattalbahn ist nicht im Interesse der heute ansässigen Kreise.» Vielmehr sei sie im Interesse jener, die ein grenzenloses Bevölkerungswachstum fördern wollen, so Müller. Er zählte auf, wieso er gegen die Bahn ist: Es gebe zu wenig Platz dafür, sie sei «ein Murks», werde noch jahrzehntelang nicht ausgelastet sein und zudem werde der Stadtrat mit verbundenen Augen in ein finanzielles Desaster rasseln. Müller sprach auch von einer «unseriösen Planung». Es sei ganz einfach, so Müller: «Wer für die Bahn ist, ist gegen das Zentrum und für zukünftige kräftige Steuererhöhungen.» Es sei daher sinnvoll, möglichst bald mit dem Kanton über die Anforderungen für das Niderfeld zu verhandeln und aufzuzeigen, dass auch eine Anbindung mit Elektrobussen durchaus eine realistische Möglichkeit sei.

«Wir müssen darüber nicht verhandeln»

Der Stadtrat wollte das Postulat nicht entgegennehmen. «Die Erschliessung durch ein Tram erhöht die Standortqualität des Niderfelds deutlich», sagte Stadtpräsident Otto Müller (FDP). Das Tram sei ruhig, attraktiv und effizient: «Das ist schlicht nicht zu vergleichen mit Bussen.» Eine Buserschliessung sei eine Rückfallebene, falls es wider der Erwartung mit der Limmattalbahn nicht klappen sollte. Der Kanton sehe das gleich, so Müller: «Wir müssen darüber nicht verhandeln.»

Busse in den «Kinderschuhen»

Werner Hogg (FDP) wies darauf hin, dass der Stadtrat sich schon vor Jahren für die Limmattalbahn ausgesprochen habe und in all den Jahren nie von dieser Meinung abgewichen sei. Es wäre absurd, so Hogg, wenn er nun plötzlich mit dem Kanton über Busse verhandeln wollte. Hogg bezeichnete die Busse als lärmig, stinkig und unruhig. Zudem transportierten Bahnen viel mehr Passagiere und seien effizienter. Hogg wies darauf hin, dass die Elektrobusse, auf welche die Gegner der Bahn nun gerne verwiesen, «noch zünftig in den Kinderschuhen stecken». Zwar gebe es einen Testbetrieb in Braunschweig, doch müssten die Busse dort nach jeder Runde 11 Minuten am Bahnhof stillstehen, um aufgeladen werden. Man wisse zudem, dass der Bund im Rahmen des Agglomerationsprogramms 35 Prozent der Kosten der Bahn übernehme. «Wenn dieses Geld in den Kanton Zürich fliesst, können wir es nehmen und Danke sagen», so Hogg.

Man habe den Kanton Zürich nun endlich dazu gebracht, das Limmattal nicht mehr als Abfallkübel zu sehen, sagte Rosmarie Joss (SP). Jetzt, wo der Kanton bereit sei, etwas zu investieren, solle man dies nicht gefährden. Die SP und AL-Fraktion stelle sich geschlossen hinter die Limmattalbahn und gegen das Postulat.

Keine Chance für Martin Müller

Er könne sich Werner Hogg nur anschliessen, sagte Ernst Joss (AL). Das Tram sei eine souveräne Lösung, habe eine höhere Kapazität und fahre zudem auf Eigentrasse, im Gegensatz zum Bus, so Joss.

Lucas Neff (GP) forderte Müller gar auf, das Postulat zurückziehen: «Es ist ein Fehlgedanke.» Er werde das Postulat bestimmt nicht zurückziehen, sagte Müller: «Ich will, dass die Bevölkerung sieht, wer für diesen Mist stimmt.»

Er blieb mit seiner Haltung jedoch allein auf weiter Flur: Das Parlament stellte sich mit einer überwältigenden Mehrheit — und mit einer Einigkeit von Links und Rechts, die man sonst selten sieht — von 32 zu 1 Stimmen gegen die Überweisung des Postulats. Es war sozusagen eine Liebeserklärung an die Limmattalbahn.