Schlieren

Das Parlament lehnt die Schaffung einer gebundenen Tagesschule ab

Die Schlieremer Schüler sollen ausserhalb der Schulzeit weiterhin in freiwilligen modularen Angeboten wie dem Mittagstisch betreut werden. SRU

Die Schlieremer Schüler sollen ausserhalb der Schulzeit weiterhin in freiwilligen modularen Angeboten wie dem Mittagstisch betreut werden. SRU

Schulpflegepräsidentin Bea Krebs (FDP) betonte, modulare Betreuungsangebote seien für die Stadt besser. Motionärin Béatrice Miller (SP) attestierte ihr eine tendenziöse Berichterstattung. Ihre Argumente konnten das Parlament aber nicht überzeugen.

Das Schlieremer Parlament will keine Tagesschule mit einem festen Betreuungsangebot ausserhalb der Schulzeit schaffen. Es schrieb an der Sitzung vom Montagabend eine Motion mit 18 zu 11 Gegenstimmen ab, in der Béatrice Miller (SP) ein Konzept und die Durchführung eines Pilotprojekts für solche Strukturen auf Primarschulstufe forderte. Zuvor entbrannte im Parlament eine intensive Debatte. Dabei vermochte Schulpflegepräsidentin Bea Krebs (FDP) die Mehrheit der Parlamentarierinnen und Parlamentarier davon überzeugen, dass die Betreuung der Schulkinder in modularen Tagesstrukturen wie Mittagstischen und der Randzeitenbetreuung für Schlieren das bessere Modell sei.

In seinem Bericht zu Millers Motion stellte sich der Stadtrat auf den Standpunkt, dass Millers Grundanliegen im bestehenden Konzept für Unterricht und Betreuung von Primarschülern bereits erfüllt seien (die Limmattaler Zeitung berichtete). Die freiwilligen modularen Strukturen würden ausserdem stetig weiterentwickelt und im Zusammenhang mit dem Bau des Schulhauses Schlieren West ausgebaut. Und schliesslich würden sich Eltern heute flexible Betreuungsangebote wünschen, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt seien, so der Stadtrat.

Konstanter Klassenverband als Vorteil

Miller erklärte vor dem Parlament, ein Vorteil einer Tagesschule gegenüber den modularen Betreuungsstrukturen sei etwa, dass darin alle Kinder vom Schulbeginn über die Mittagzeit bis Schulschluss immer anwesend seien und in einem Klassenverband verbleiben. Dadurch könne man die Unterrichtsstruktur flexibel gestalten und mit dem Betreuungspersonal Hand in Hand arbeiten, so Miller. Bei Betreuungsangeboten, wie sie in Schlieren derzeit bestehen, seien die Kinder ausserhalb des Unterrichts hingegen immer anders zusammengesetzt. Weiter führte die Motionärin an, dass vor allem Eltern aus bildungsnahen Schichten mit einem hohen Arbeitspensum Tagesschulen gegenüber modularen Betreuungsstrukturen bevorzugen würden: «Wieso also nicht etwas schaffen, das Leute in unsere Gemeinde zieht, die unsere soziale Struktur ausgleichen?»

In ihrem Kommentar zum Bericht attestierte Miller der Schulpflegepräsidentin eine «tendenziöse Berichterstattung» und kritisierte, dass sie darin die von ihr bevorzugten modularen Strukturen unter dem Titel «Tagesschule» verkaufe. «Auf das eigentliche Thema gehe der Bericht des Stadtrats gar nicht ein», sagte sie.

Schule braucht Stabilität

Krebs hielt in ihrer Antwort fest, dass sie grundsätzlich nicht gegen Tagesschulen sei. Weiter erklärte sie, dass man von einer offenen oder modularen Tagesschule spreche, wenn Betreuungsangebote ausserhalb der Schulzeit in ein Schulhaus integriert seien. Deshalb habe sie auch für die Betreuungsangebote, die im Schulhaus Schlieren West geplant seien, die Bezeichnung «Tagesschule» gewählt, so Krebs.

Eine gebundene Tagessschule widerspreche dem Ziel der Schulpflege, dass jedes Kind in seinem Quartier zur Schule gehen könne, so Krebs. Ausserdem brauche die Schule Schlieren nach den ständigen Veränderungen der letzten Jahre Zeit für die Stabilisierung: «Lassen sie die Schule einmal den Alltag erleben.»

In der anschliessenden Debatte erklärte SVP-Fraktionssprecher Beat Kilchenmann, dass eine Tagesschule mit Kindern aus besser situierten Familien elitär wirken könnte. «Eine solche Betreuung kostet die Eltern Geld. Wenn man eine Durchmischung erzielen möchte, wie in anderen Schulen, so müsste die Stadt viel Subventionsgeld bezahlen», sagte er. Die SVP erachte die Vorteile einer gebundenen Tagesschule gegenüber modularen Angeboten als zu gering. Seine Partei sei deshalb für die Abschreibung von Millers Motion, so Kilchenmann.

Kunz wollte Konzept erzwingen

Auch die Fraktionen FDP und CVP/EVP stellten sich hinter den Antrag des Stadtrats, Millers Motion abzuschreiben. Als Sprecher der Fraktionsminderheit erklärte Stefano Kunz (CVP), dass er den Vorstoss für erheblich erklären wolle, um den Stadtrat dazu zu zwingen, ein Konzept auszuarbeiten. «Ich will eine Gesamtschau über das Angebot und die Möglichkeiten zur Schaffung einer gebundenen Tageschule in Schlieren», sagte er. Dies habe der Bericht des Stadtrats unzureichend dargelegt. Es wäre schlecht, wenn die Stadt eine Lösung «aus dem Boden stampfen» müsste, wenn dereinst die Nachfrage nach einem solchen Angebot steige, so Kunz.

Ebenfalls klar für die Erheblichkeitserklärung waren SP und Grüne. Beat Rüst (Grüne) betonte, dass gebundene Tagesschulen in der Praxis den Vorteil hätten, dass die Kinder mit weniger Bezugspersonen zu tun hätten, als im modularen System. Und Pascal Leuchtmann (SP) verwies erneut auf den Standortvorteil, den eine Tagesschule als Angebot für gut ausgebildete Zuzüger bedeute: «Wenn wir für diese Leute etwas tun, dann geht es allen besser», sagte er.

Am Ende vermochten diese Argumente die Mehrheit des Parlaments aber nicht zu überzeugen.

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