Weiningen

Das neue Theaterstück der Oberstufe Weiningen spielt im Jahr 2089 – mit Goethe und Austen

Im neusten Stück der Oberstufe kämpfen Schüler im Jahr 2089 gegen die totale Überwachung. Das Stück «Die Hierlinger Revolte» feierte am Mittwoch Premiere.

«Heil dem Computer!», schallte es zu Beginn der Vorstellung durch den Saal der Oberstufe Weiningen. Am Mittwochabend feierte hier das dystopische Stück «Die Hierlinger Revolte» Premiere. Es stammt aus der Feder Hans Irlers und spielt im 2089, 100 Jahre nach der Revolution in der DDR und 300 Jahre nach der Französischen Revolution.

Der Schulalltag von Kaspar, Kora und ihren Klassenkameraden ist vollständig digitalisiert. Eine «Be-Better-Box» überwacht ihre Lernfortschritte und am «Mating-Day» wird die Schulliebe per Algorithmus ausgerechnet. Per Zufall stossen die Schüler auf Dr. Hierlingers Bibliothek, wo dieser sie mit den «Paper-Books» bekannt macht, die gänzlich aus ihrem Alltag verschwunden sind.

Die Bibliothek fungiert sobald als Widerstandsnest, wo die Schülerinnen und Schüler begierig Liebesromane wie Goethes’ «Werther» oder Jane Austens «Stolz und Vorurteil» lesen. Das subversive Gedankengut der klassischen Literatur entfaltet seine Wirkung: Es kommt zur Revolte der Jugendlichen gegen das totalitäre Schulsystem.

Ständige Kontrolle ist nicht gut

«Wenn man Schüler ständig kontrollieren will, dann erreicht man das Gegenteil», sagte Lehrer Peter Nef vor der Vorstellung. Er, der an der Oberstufe Weiningen auch Geschichte unterrichtet, mimte köstlich den schrulligen Dr. Hierlinger. «Als dienstältester Lehrer hier und dazu als jemand, der sein Handy nur im Notfall benutzt, ist mir diese Rolle wie auf den Leib geschrieben», meinte er schmunzelnd.

Insgesamt wirkten 14 Schülerinnen und Schüler aus mehreren Klassen der ersten und zweiten Oberstufe mit. Auch hinter der Lichtsteuerung nahm eine Schülerin Platz. Nachdem das Tageslicht gänzlich aus dem Saal ausgesperrt wurde, kreisten über den Köpfen des Publikums farbige Lichtfetzen. So glaubte man sich in einer Welt, in der eines jeden Bewegungen ausgeleuchtet werden. Dass ab und an ein Kichern auf der Bühne heraus brach, tat dem keinen Abbruch. Das Publikum machte seine geringe Zahl mit herzhaftem Applaus wett. Zu vermuten ist, dass einige Zuschauer des Fussballmatches Schweiz-Costa Rica wegen dem Schultheater fernblieben.

Nachdem der Vorhang fiel, zog Lehrer Luzius Rohner, der für die Inszenierung verantwortlich zeichnete, Bilanz: «Obwohl der Text bei manchen noch nicht perfekt sitzt, ist der Fluss beibehalten worden.» Dass sich die Schüler Mühe gaben, habe er gespürt. Auch Nef zeigte sich zufrieden: «Das war der beste Auftritt bisher. Nur die Details brauchen noch etwas Arbeit.» Die Schüler gingen härter mit sich ins Gericht. «Heute fühlte es sich wieder wie eine Hauptprobe an», meinte Michaela (14). Doch sie fügte versöhnlich hinzu: «Bei der nächsten Vorstellung klappt es besser.» Sie schlüpfte in die Rolle der selbstbewussten Hilde. «Ich kann mich gut mit ihr identifizieren», sagte sie. Für Julia (14) ist das Identifikationspotenzial mit ihrer Figur zwar gering (sie mimt den Mathemaster), doch sie meinte: «Durch das viele Üben, besonders in den letzten Wochen, habe ich in die Rolle hineingefunden.»

Dass eine Zukunft ohne Bücher öde wäre, darüber sind sich alle einig. Joana (14), die die aufmüpfige Kora spielt, sagte: «Es ist eine komische Vorstellung, dass irgendwann alles digitalisiert sein könnte.» Und Anisa (15): «Ich finde es toll, dass unsere Schule so ein Projekt anbietet.» Beim Projekt, das im Rahmen des Wahlfachs Theater entstand, sei den Schülern viel Freiheit gewährt worden, so Rohner. Gut, ist man im 2018 abseits der Bühne weit von einem totalitären Schulsystem entfernt.

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