In den letzten Jahren ging die Jugenddelinquenz stark zurück. Gemäss einer aktuellen Statistik des Bundes mussten daher auch weniger Jugendliche strafrechtlich in Vollzugsinstitutionen platziert werden. Wie ein Bericht der SRF-Sendung «10 vor 10» von Anfang dieser Woche zeigte, führte dies dazu, dass heute viele Jugendstrafvollzugs-Einrichtungen mit chronischer Unterbelegung kämpfen. Teilweise überlegen sie sich gar, ihre Räume umzunutzen. Nicht so das Massnahmenzentrum in Uitikon (MZU).

Wie das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich auf Anfrage mitteilt, stieg dort die Anzahl der Aufenthaltstage zwischen 2010 und 2015 von 13 784 auf 17 381 Tage pro Jahr. Auch vor 2014, als das MZU die Kapazität der geschlossenen Abteilung infolge einer baulichen Erweiterung von 48 auf 64 Plätze erhöhen konnte, war eine klare Zunahme der Aufenthaltstage feststellbar.

Separation als Erfolgsfaktor

Beim Amt für Strafvollzug weiss man dieses Phänomen nicht abschliessend zu erklären. Pressesprecherin Rebecca de Silva verweist allerdings darauf, dass es sich beim Massnahmenzentrum Uitikon insofern um einen Spezialfall handle, dass die Trennungsvorschrift erfüllt und jugendliche Intensivtäter im geschlossenen Bereich untergebracht werden könnten. Seit dem Umbau im Jahr 2014 verfügt das MZU über insgesamt 10 Plätze für Jugendliche ab 16 Jahren, die gemäss den gesetzlichen Vorschriften von jungen Erwachsenen getrennt untergebracht werden müssen.

Heime sind nicht gerüstet

Auch der Leitende Zürcher Oberjugendanwalt Marcel Riesen-Kupper erklärt sich die zunehmende Nachfrage nach Unterbringungen in der Uitiker Institution damit, dass sie sich in der schweizerischen Strafvollzugslandschaft durch die geschlossene Abteilung für Jugendliche erfolgreich spezialisieren konnte. «Viele strafrechtlich platzierte Jugendliche werden in Heimen untergebracht. Diese eignen sich aber häufig nicht für schwierigere Fälle, welche eine spezialisierte Institution benötigen. Von denen gibt es in der Schweiz allerdings nur wenige», sagt er. Daher würden auch viele sehr schwierige Jugendliche über 16 Jahren aus anderen Kantonen in Uitikon untergebracht.

Im «10 vor 10»-Bericht verweist SRF auf das Jugendheim Prêles (BE), das ebenfalls über eine Abteilung für den geschlossenen Massnahmenvollzug verfügt, jedoch nur sehr schlecht ausgelastet ist. Wieso am Angebot dieser Institution trotz einer ähnlichen Spezialisierung wie im MZU nicht die nötige Nachfrage besteht, kann sich Riesen nicht erklären: «Inhaltlich kenne ich das dortige Angebot zu wenig», erklärt er. Der Oberjugendanwalt verweist aber darauf, dass Jugendanwälte eine Vollzugsinstitution neben vielen anderen Kriterien auch nach ihrer Lage auswählen. Dabei habe das Massnahmenzentrum in Uitikon durch seine Nähe zu Zürich und die gute Erreichbarkeit gegenüber anderen spezialisierten Einrichtungen sicher einen Vorteil, so Riesen.