Dietikon
Das multikulturelle Dietikon: 115 Nationalitäten prägen diese Stadt

Der Kanton verhindert, dass im Bezirkshauptort beim Integrationsangebot gespart wird. Als Teil eines neuer neuen Leistungsvereinbarung soll die Integration in der Stadt weiter verbessert werden, ohne dass Mehrkosten entstehen.

Sophie Rüesch
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Dietikon integriert heute schon gut, sagt Otto Müller. Mit Anlässen wie dem Begegnungsfest sollen die Kulturen noch näher zusammenrücken.

Dietikon integriert heute schon gut, sagt Otto Müller. Mit Anlässen wie dem Begegnungsfest sollen die Kulturen noch näher zusammenrücken.

BHI

Staatsangehörige aus 115 Nationen leben in Dietikon. «Das ist schon bemerkenswert», sagt Stadtpräsident Otto Müller angesichts dieser Zahl, von der er selber erst vor kurzem erfahren hatte. Nicht erst seit gestern leben hier vergleichsweise viele ausländische Einwohner; 41 Prozent beträgt der Ausländeranteil zurzeit, wobei sich dieser innerhalb der letzten Jahre stabilisiert habe, wie Müller erklärt. Immerhin knapp 1400 Ausländerinnen und Ausländer zogen im letzten Jahr nach Dietikon.

Damit der Traum vom friedlichen Zusammenleben der Kulturen nicht zum Albtraum wird, beschäftigt sich die Bezirkshauptstadt schon lange intensiv mit Integrationsfragen. 2011 wurde mit Priska Alldis eine Integrationsbeauftragte eingestellt, welche die städtischen Massnahmen und Angebote koordiniert und teils selbst wahrnimmt. Im Juni 2013 schloss die Stadt zudem eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton ab, womit bereits vier der elf Bezirksgemeinden am kantonalen Integrationsprogramm, kurz KIP, teilnehmen.

So integriert Dietikon

Integration passiert an vielen Orten: in der Schule, bei der Arbeit, in Vereinen, Kirchen oder auch einfach im alltäglichen zwischenmenschlichen Kontakt. In Dietikon gibt es zudem ein breites Angebot an entsprechenden Dienstleistungen. Dazu gehören etwa die Erstinformation von Neuzuzügern aus dem Ausland, Deutsch- und Alphabetisierungskurse, die Spielgruppe Plus, das Begegnungsprojekt «Seitenwechsel», die Dialoggruppe Christentum-Islam, Einbürgerungsvorbereitungskurse, das Integrationsforum, Deutsch- und Integrationskurse für fremdsprachige Eltern, die Erziehungsberatung, die bilikid-Spielgruppen oder der Schreibdienst. (rue)

Wegen ihres hohen Ausländeranteils wurde Dietikon als sogenannte Fokus-Gemeinde aktiv vom Kanton aufgesucht, sich am Programm zu beteiligen. Neu am KIP ist vor allem das Finanzierungsmodell: So bezieht die Stadt seit Anfang dieses Jahres eine festgelegte Summe vom Kanton, die sie unter Beisteuerung eines ebenfalls festgelegten Eigenbetrages für die Integrationsförderung einsetzten muss. Anders als früher liegt die Koordination der Gelder nun bei der Stadt, oder wie Alldis es formuliert: «Wir kaufen selber ein und rechnen selber ab.» Das Pensum von Alldis, auf die nun ein grösserer Koordinationsaufwand zukommt, wurde deshalb von 60 auf 70 Prozent erhöht.

Keine Mehrkosten für Dietikon

Eingekauft werden mit dem neuen Jahres-Integrations-Budget, das sich auf insgesamt 270 000 Franken beläuft, Leistungen von externen Dienstleistern wie der Asyl Organisation Zürich, dazu werden damit die eigenen Kosten gedeckt. Auf Dietikon entfallen trotz höherem Gesamtbudget keine Mehrkosten: «Das war unsere Voraussetzung bei der Ausarbeitung der Leistungsvereinbarung», sagt Alldis.

So zahlt Dietikon weiterhin jährliche 98 000 Franken an die Integrationsmassnahmen, während der Kanton knapp 154 000 Franken beisteuert. Die restlichen 18 000 Franken werden Dietikon für Leistungen wie das Bereitstellen der Infrastruktur angerechnet. Insgesamt ergibt das einen Verteilschlüssel von 57 zu 43 Prozent.

Müller ist sehr zufrieden mit der ausgehandelten Vereinbarung: «Wir bekommen heute mehr Integration zum selben Preis.» Die Teilnahme am KIP bedeutet für die Stadt vor allem, die bereits aufgegleiste Integrationsarbeit weiterführen zu können – angesichts der finanziellen Lage Dietikons keine Selbstverständlichkeit: «Ohne die Leistungsvereinbarung wären wir wohl nicht darum herum gekommen, uns zu überlegen, wo man bei der Integration noch sparen kann», so Müller.

Dass die Stadt im Sinne des sozialen Friedens ihren Teil an die Integration beitragen muss, darüber sind sich Stadtpräsident und Integrationsbeauftragte einig. «Dietikon leistet bereits vorbildliche Arbeit in diesem Bereich», sagt Müller. «Ich will aber nicht beschönigen: Es gibt noch Handlungsbedarf.» Darum wolle man die bereits bestehenden Angebote in den Bereichen Sprache und Bildung, Frühförderung und soziale Integration (siehe Box) noch vertiefen, wobei die Leistungsvereinbarung hilft.

Fordern, aber Gastrecht wahren

Müller betont, dass Dietikons Integrationspolitik stark auf die Eigenverantwortung der ausländischen Zugezogenen setzt: «Die Leute müssen sich auch selbst integrieren wollen, sonst sind alle Bemühungen vergebens.» Wichtig ist ihm wie auch Alldis allerdings, dass die Stadt dabei nicht vergisst, das Gastrecht zu wahren. «Neuzuzüger sollen sich hier willkommen fühlen», sagt Alldis.

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