Schlieren

Das Mausoleum verschwindet aus dem Stadtbild Schlierens – Fussverkehr verläuft oberirdisch

Der Boden vor dem Eingang unten rechts ist bereits aufgeschüttet. Oberhalb die verlassene Badenerstrasse, die nicht mehr befahren wird.

Der Boden vor dem Eingang unten rechts ist bereits aufgeschüttet. Oberhalb die verlassene Badenerstrasse, die nicht mehr befahren wird.

Die Unterführung an der Badenerstrasse ist Zeitzeuge einer bewegten Stadtentwicklung.

«In diesen Tagen wird eine neue Ära für den Verkehr eingeläutet», schreibt die Stadt Schlieren in einer Mitteilung von dieser Woche. So sei der Bau der Limmattalbahn und die damit verbundenen Anpassungen der Verkehrsführung im Stadtzentrum so weit fortgeschritten, dass die neuen Strassen und Trottoirs dem Verkehr übergeben werden können. Das stadtbekannte Mausoleum, die Personenunterführung, die unter der Badenerstrasse hindurchführte, konnte somit geschlossen werden. Nun wird der Fussverkehr oberirdisch geführt.

Wie der Name Mausoleum schon erahnen lässt, war der Bau an der Ecke Badener-/ Uitikonerstrasse aus den 1970er-Jahren in der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt. Den genauen Grund, wie es zur inoffiziellen Benennung nach einem monumentalen Grabmal kam, ist nicht bekannt. Doch ist der Begriff im Schlieremer Sprachgebrauch fest verankert. In verschiedenen Vorstössen aus dem Schlieremer Parlament wird die Unterführung als Mausoleum bezeichnet.

Polizist Meier griff ein

Besonders im Hinblick auf die lange Leidensgeschichte der Stadt mit der Badenerstrasse dürfte den Verantwortlichen mit der Schliessung der Unterführung ein Quantensprung gelungen sein. «Die Zürcher- und Badenerstrasse war seit den Wirtschaftswunderjahren und dem Aufkommen des Automobils das Schlieremer Verkehrsproblem», schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Davor wäre an dieser Stelle gar nicht viel anderes möglich gewesen. Denn während des Zweiten Weltkriegs war diese Stelle zwischen den Häusern Badenerstrasse 11 und 16 durch eine militärische Tanksperre verengt, die 1946 gesprengt wurde, wie die Stadt weiter schreibt. In der Folge wuchs das Verkehrsaufkommen stetig an, wodurch es immer wieder Klagen gab. Ab 1958 sei jeweils eine geschlossene Fahrzeugkolonne morgens Richtung Zürich und abends Richtung Dietikon durch Schlieren gezogen. «Die Kreuzung im Zentrum war am Abend nur funktionstüchtig, wenn der Gemeindepolizist Hans Meier im weissen Mantel und weissem Helm den Verkehr lenkte», schreibt die Stadt. Da man das Tram nicht als zukunftsträchtiges Verkehrsmittel angesehen habe, wurde der Trambetrieb der Linie 2 eingestellt. Denn das Auto brauchte mehr Platz. Fortan verkehrte der Trolleybus 31 von Zürich nach Schlieren.

Ab 1969 folgte einer der grössten Einschnitte in die Stadtplanung. So konnte nach einer Volksabstimmung die Zürcher- und Badenerstrasse auf vier bis sechs Spuren verbreitert werden. Zudem wurden Personenunterführungen wie auch die Ringstrasse erstellt. «Der stetig zunehmende Verkehr hat die Lebensqualität und den Standort Schlieren zunehmend beeinträchtigt.»

Neue Mitte für Schlieren

Die Initialzündung für die heutige Zentrumsplanung erfolgte 2003 mit dem Ideenwettbewerb der Regionalplanung Zürich und Umgebung. In diesem wurden Ideen für ein lebendiges und attraktives Zentrum für Schlieren gesucht. Kernidee des Konzepts war die Verlegung eines Grossteils des motorisierten Individualverkehrs auf die Bernstrasse, wodurch im Zentrum eine neue Mitte geschaffen werden könne.

Meistgesehen

Artboard 1