Vier Holzschuhe säumen den Eingang von Diana Mattiellos Büro im zweiten Stock des Spitals Limmattal. Das Paar Zoccoli, das sie an diesem Tag trägt, ist schwarz-weiss gepunktet. «Die Schuhe sind mein Markenzeichen. Damit hört man mich schon von Weitem», sagt sie und lacht.

Am Computerbildschirm leuchten Mattiello verschiedene Farben entgegen. Sie stellen den Operationsplan der aktuellen Woche dar. «Heute Nachmittag entferne ich die Gallenblase einer Patientin», sagt die 41-Jährige. Mattiello ist Leitende Ärztin der Chirurgie im «Limmi». Ihr Spezialgebiet ist der Magen-Darm-Trakt. Dazu gehört auch die Adipositas-Chirurgie. Mattiello setzt etwa Magenbypässe bei Übergewichtigen.

In ihrem Büro ist sie daher eher selten anzutreffen. Zu 70 Prozent steht Mattiello im Operationssaal. Dort gefällt es ihr auch am besten. «In der Chirurgie ist man Macher und Denker zugleich», sagt sie. Am Ende des Eingriffs habe sie ein Ergebnis, eine Linderung für den Patienten und sehe, was sie geleistet habe.

«Das kann ich besser»

Für die in Bremgarten wohnhafte Chirurgin war aber nicht nur das ausschlaggebend für ihre Berufswahl. «Ich bin altruistisch veranlagt und finde es toll, wenn ich Menschen helfen kann.» Als sie als 18-Jährige nach einem Autounfall von einem Assistenzarzt eher schlecht als recht behandelt wurde, kam ihr die Idee, Medizin zu studieren.

«Als ich diesen jungen Mann sah, dachte ich mir, das kann ich besser», erinnert sie sich. Gesagt getan: Mattiello studierte an der Universität Zürich und war danach im Spital Linth, im Spital Triemli und im Kantonsspital Baselland tätig, bevor sie vor sechs Jahren ins «Limmi» wechselte.

So blutig und hektisch wie in Spitalserien im Fernsehen sei der Alltag von Chirurgen nicht, sagt Mattiello, die als Ausgleich zum strengen Berufsalltag in einem Chor singt. Ihre Patientinnen und Patienten sieht sie nicht nur auf dem Operationstisch. Bei Sprechstunden und Visiten vor und nach den Eingriffen tritt sie in Kontakt mit ihnen. So etwa an diesem Morgen. Sie besucht die Patientin, der sie am Nachmittag die Gallenblase entfernen wird und malt ihr ein Kreuz auf die richtige Stelle am Bauch.

«Das ist eine Vorsichtsmassnahme, damit Patienten nicht am falschen Ort operiert werden oder grundlos unters Messer kommen», erklärt Mattiello. Nach der Visite gönnt sich die Chirurgin einen Kaffee mit Kollegen. Unterwegs zum Restaurant kreuzt sich ihr Weg mit Oliver Kopp, der gerade von einer Besprechung zurück in sein Büro geht.

Kopp übernimmt im Spital Limmattal eine ganz andere Aufgabe als Mattiello. Er ist der Herr der Zahlen. Der 58-Jährige ist seit fünf Jahren Finanzvorstand des Spitals Limmattal. «Meine Aufgabe ist es, der Spitalleitung und dem Verwaltungsrat die Zahlen etwa in Quartalsabschlüssen und Budgets zu erklären.

Ich übersetze diese sozusagen in Worte», sagt Kopp. Alles im Spital schlage sich in Zahlen nieder: «Jeder Kaffee, der getrunken wird, jeder Lichtschalter, der betätigt wird, jede Patientenabrechnung und jede Medikamentenbestellung.» Er habe in seiner Funktion als einziger den Gesamtüberblick über das Spital. «Die Chirurgen selbst wissen, was in den Operationssälen passiert, das Zentrallager managt das Material, die Pflegeangestellten kennen ihre Stationen in- und auswendig. Doch nur das Rechnungswesen bildet das ganze betriebliche Geschehen ab», sagt Kopp.

Der spanische Maler Salvador Dalí schaut mit einem etwas wahnsinnigen Blick in Richtung Kopps Pult. «Das Bild hat meine Mutter gemacht», sagt er. Ebenso die anderen Blumenbilder, die die Wände schmücken. «Ich muss mich hier wohlfühlen, schliesslich verbringe ich viel Zeit im Büro», sagt Kopp, der mit seiner Frau in Altendorf im Kanton Schwyz wohnt und in seiner Freizeit gerne kocht und ins Body Pump geht. 28 Jahre lang war er in der Industrie tätig für Firmen wie Sulzer oder ABB.

«Ich musste die Unternehmen restrukturieren und Leute entlassen. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, in einer Branche zu arbeiten, in der es nur bergab geht.» Das tut es im Spital Limmattal wahrlich nicht. Die Stimmberechtigten der Spitalverbandsgemeinden haben Ende November das neue Pflegezentrum für 65 Millionen Franken bewilligt. Kopp ist derzeit damit beschäftigt, die Finanzierung des Neubaus auf die Beine zu stellen.

Genug Material

Fabian Kehl schiebt gerade einen Wagen durch das Stockwerk, als sich Kopp ein Glas Wasser im Office neben seinem Büro holt. Auf dem rollbaren Gestell befindet sich Büromaterial. Kehl ist Leiter des Zentrallagers und mit seinem fünfköpfigen Team verantwortlich, dass jeder Bereich und jede Station im Spital mit dem entsprechenden Material versorgt ist. Er und seine Mitarbeiter sind sozusagen die Heinzelmännchen des «Limmi».

Denn: «Ideal ist, wenn jede Abteilung genug Material hat und uns nie sieht», sagt der gebürtige Dietiker. Dass er nicht an der Front, sondern im Hintergrund tätig ist, stört den passionierten Salsatänzer nicht. «Ich freue mich, wenn ein Patient behandelt werden kann, weil wir das richtige Material bereitgelegt haben.»

Kehls Büro befindet sich im ersten Untergeschoss im Zentrallager, das 1400 Pflege-, Büro- und Haushaltsartikel beherbergt. Er ist für die Anliegen der Stationen zuständig. «Die Teams wenden sich an mich, wenn sie einen neuen Artikel brauchen, den wir noch nicht im Lager haben», sagt Kehl. Zudem erstellt er die Dienstpläne und nimmt Optimierungen im Tagesgeschäft der Logistiker vor.

Seit dem Einzug in den Neubau hat der 27-Jährige diese Funktion inne. Davor war er eineinhalb Jahre lang als Projektleiter für die Erarbeitung des Logistik-Konzepts im Neubau zuständig.

Verbunden mit dem «Limmi» ist Kehl schon seit Geburt. Er kam im Spital auf die Welt und absolvierte dort eine Lehre zum Kaufmann. Nach seinem Ökonomiestudium zog es ihn wieder in seinen alten Lehrbetrieb. «Für mich ist das Spital nicht nur ein Arbeitgeber, sondern viel mehr ein Stück zu Hause.»

Für Abklärungen zu einem neuen Artikel muss Kehl ins zweite Obergeschoss. Als er den Lift nach oben betritt, verlässt André Müller den Aufzug in Richtung Küche. Er ist Leiter des Patientenservice und trifft sich mit einem Koch zur Besprechung des Tagesmenüs.

«Sehr beliebt bei unseren Patientinnen und Patienten sind Zürcher Geschnetzeltes und Rösti oder Stroganoff», sagt Müller. Natürlich sei die Kost auf den jeweiligen Gesundheitszustand der Personen angepasst. So gebe es etwa Menüs für Diabetiker und auch vegetarische Gerichte. «Schliesslich trägt die Ernährung zur Heilung bei», sagt der 37-Jährige.

Müller und sein Team, bestehend aus 35 Personen, nehmen aber nicht nur die Menübestellungen der Patienten entgegen. Sie servieren das Essen, füllen die Wäsche auf und legen Zeitungen bereit. «Zudem sind wir dafür verantwortlich, dass alle persönlichen Gegenstände aufs Zimmer kommen, wenn ein Patient zum Beispiel zuerst einen Eingriff hat, bevor er das Zimmer bezieht», so Müller.

Zur Aufgabe des Patientenservice gehört aber auch, den Patienten das Unterhaltungssystem näher zu bringen. Im «Limmi» erhält man ein Tablet mit dem man fernsehen, Radio hören und auch das Menü und weitere Informationen über das Spital einsehen kann.

Müller arbeitet seit zweieinhalb Jahren im «Limmi». Davor war der ausgebildete Restaurantfachmann gastronomischer Leiter in einem Hotel in Vitznau. «Nach 15 Jahren in der klassischen Gastronomie habe ich mir gedacht, es wäre Zeit für einen nächsten Schritt.»

Spitäler hätten ihn seit seiner Kindheit fasziniert. «Meine Mutter arbeitet als Pflegefachfrau», sagt der gebürtige Dresdner. Vor allem die Dynamik reize ihn. «Ein Spital steht nie still, das gefällt mir.» Der Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen im «Limmi», seien es Patienten oder Mitarbeitende, empfindet Müller als Bereicherung. Im Vergleich zur klassischen Gastronomie kämen ihm hier zudem die moderateren Arbeitszeiten zugute.

«Ich kann wieder meiner Leidenschaft, dem Tischtennisspielen, nachgehen.» Müller spielt im Tischtennisverein seines Wohnorts Rotkreuz und trainiert dort auch Jugendliche.

Angehörige einbeziehen

Unterdessen ist Müller auf seiner Runde durch das Spital auf der Intensivstation im ersten Stock angelangt. Er will die Menübestellungen aufnehmen. Daniel Wyder verlässt gerade das Zimmer eines Patienten. Die offene Türe gibt den Blick frei auf eine schlafende Person, die an zahlreiche Schläuche und Kabel angeschlossen ist. «Viele meiner Patienten sind nicht bei vollem Bewusstsein. Die Angehörigen werden daher stark miteinbezogen», sagt Wyder. Für Letztere sei die Behandlung ein genauso einschneidendes Erlebnis wie für die Patienten selbst.

Es gelte, sie gut zu informieren und Hoffnung zu geben, wo Hoffnung sei. Wyder ist Leitender Arzt für Intensivmedizin und Anästhesie und verantwortlich für die Intensivstation. In der Obhut des 51-Jährigen sind Personen, die in kritischem Zustand oder schwer krank sind. Zudem werden auf der Intensivstation auch Schlaganfallpatienten in den ersten 24 Stunden nach einem Hirnschlag behandelt. Das Spital verfügt über eine eigene Stroke Unit.

Wyders Ziel ist es, seine Patientinnen und Patienten durch die kritische Phase ihrer Krankheit durchzubringen. Das ist jedoch nicht immer möglich. «Zu meiner Arbeit gehören nicht nur das Medizinische, sondern auch ethische Fragen.» Heutzutage könne man immer mehr behandeln und den menschlichen Körper lange am Leben erhalten. «Doch das sagt nichts über die Lebensqualität aus. Man muss sich fragen, wie weit man gehen soll und ob es tatsächlich zu einer Verbesserung führt.»

Spurlos gehen solche Entscheide nicht an Wyder vorbei. «Ich würde gerne jemanden sehen, den die Ereignisse auf der Intensivstation nicht beschäftigen.» Man müsse lernen, damit umzugehen. Zu Hause versuche er, sich abzulenken, indem er Sachen unternehme.

Eine wichtige Hilfe bei der Verarbeitung der Geschehnisse ist ihm seine Partnerin, mit der er in Zürich lebt. «Sie ist Anästhesistin und mit meinem Metier vertraut. Mir ihr kann ich daher gut über meine Eindrücke sprechen.» Trotz der Belastung liebt Wyder seinen Beruf. «Ich kann Menschen, die schwer krank sind, etwas Gutes tun.»

Er ist sich zudem sicher: «Die Intensivmedizin wird uns immer mehr beschäftigen. Denn die Bevölkerung wird zwar älter, aber nicht gesünder.» Seit zehn Jahren ist der Arzt im «Limmi» tätig. Davor arbeitete der gebürtige Spreitenbacher im Universitätsspital Zürich und im Kantonsspital St. Gallen. Am Spital Limmattal schätzt Wyder die Grösse. «Es bietet ein gutes und breites Spektrum aus allen Bereichen der Medizin und der operativen Fächer.» Das sei spannend und gebe die Möglichkeit, interdisziplinär zu arbeiten.

«Wir sind kein anonymes Spital. Man kennt sich untereinander auch stationsübergreifend.» Dafür sorgten die täglichen Treffen mit Kolleginnen und Kollegen anderer Disziplinen und mit den Leitenden der verschiedenen Bettenstationen. Und so kommt man auch an diesem Vormittag zusammen, um sich auszutauschen.

Wyder trifft dabei auf Bettina Gübeli. Sie ist Leiterin der Wochenbett- und Orthopädie-Station, die sich im dritten Stock befindet. Dort herrscht eine ganz andere Stimmung als auf der Intensivstation. «Es ist extrem schön, hier zu arbeiten. Kinder kommen auf die Welt, es gibt neues Leben», sagt Gübeli, die in Rüschlikon zu Hause ist.

Die 30-Jährige kümmert sich um das 35-köpfige Stationsteam und koordiniert die Dienst- und Tagesplanung. Dass sie Pflegefachfrau werden will, wusste Gübeli schon früh. «Ich kam mit dem Beruf in Berührung, weil eine Freundin meiner Mutter als Pflegefachfrau tätig war. Als ich dann mit 13 eine Schnupperlehre in der Klinik im Park in Zürich absolvierte, war mir klar, womit ich mein Geld verdienen will.» Gübeli arbeitet bereits seit sechs Jahren im «Limmi», davon vier Jahre als stellvertretende Stationsleiterin.

Vor zwei Jahren übernahm sie die Leitung der chirurgischen Station, bevor sie im Februar dieses Jahres zum Wochenbett wechselte. Zuvor bildete sie im Triemli-Spital Lernende und Studenten aus.

Teams zusammenlegen

In den letzten Wochen war Gübeli damit beschäftigt, verschiedene Teams zusammenzuführen. «Aufgrund des Umzugs in den Neubau sind die Bettenstationen grösser geworden und wir mussten Teams zusammenlegen», erklärt die Stationsleiterin. Das sei eine Herausforderung gewesen, seien doch alle Mitarbeiter unterschiedlich.

Doch die Einheit ist Gübeli sehr wichtig. «Nur zusammen erreichen wir etwas.» Und so springt auch sie ein und besucht die frischgebackenen Mütter und Väter, wenn es nötig ist, wie etwa an diesem Vormittag. Gübeli öffnet die Zimmertüre und eine junge Mutter strahlt sie mit etwas müden, aber glücklichen Augen an.

Sie hält ihr Baby in den Armen. «Solche Momente bedeuten mir viel. Sie zeigen mir jeden Tag, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe», sagt Gübeli und schliesst die Türe hinter sich.