Öffentlicher Verkehr

Das Limmattalbahn-Design kommt an – doch das Aargauer Logo stört die Zürcher

So wird die Limmattalbahn aussehen: Dass vorne prominent das Logo von Aargau Verkehr prangt, sorgt für Kritik.

So wird die Limmattalbahn aussehen: Dass vorne prominent das Logo von Aargau Verkehr prangt, sorgt für Kritik.

Die Reaktionen auf das am Mittwoch in der «Limmattaler Zeitung» vorgestellte Aussendesign der Limmattalbahn löst im Limmattal unterschiedliche Reaktionen aus: Der zurückhaltend gestaltete Look in grau-weiss-blau kommt grundsätzlich zwar gut an - und doch gibt es heftige Kritik.

Gefällt es? Gefällt es nicht? Es ist natürlich so, wie der Dietiker Standortförderer Adrian Ebenberger sagt: «Das Design einer Bahn ist Geschmackssache.»

Die Aargau Verkehr AG (AVA), welche die Limmattalbahn betreiben wird, spricht von einer «geradlinigen und präzisen Gestaltung» («Limmattaler Zeitung» von gestern). Diese Einschätzung wird in der Region geteilt. So spricht Josef Wiederkehr, Präsident des Industrie- und Handelsvereins Dietikon, von einem «schlichten, modernen und recht zeitlosen Look». Thomas Landis, Co-Präsident des Gewerbevereins Schlieren, benutzt die Worte «einfach, schlicht, zeitlos und mehrheitsfähig». Beiden gefällt der Look. Für Albert Schweizer, den Schlieremer Standortförderer, ist die Gestaltung ein Volltreffer; sie sei «wirklich cool, zeitlos, aber auf eine Art auch einzigartig».

«Kein marktschreierischer Auftritt»

Auf politischer Ebene tönt es ähnlich: «Das Design der zukünftigen Limmattalbahn gefällt mir mit seiner Schlichtheit und Eleganz sehr gut», sagt die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP). Sie hebt vor allem den Blauanteil hervor, der «für unsere vom Wasser geprägte und dynamische Region steht». Schlierens Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) interpretiert das Blau ähnlich; «das Wasser der Limmat ist das grosse verbindende Element der Region, aber auch der Kantone Aargau und Zürich». Insgesamt spricht er von «einem gediegenen, nicht marktschreierischen Auftritt ohne übergrosse Logos».

Das «moderne und zeitlose Design» sagt auch Dietikons Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) zu. Und André Bender, Gemeindepräsident von Oberengstringen und SVP-Kantonsrat, mag das «schlichte Design», mit dem sich die Limmattalbahn dennoch «von den anderen ZVV-Fahrzeugen abhebt».

In der Region ist aber auch eine gewisse Ernüchterung zu spüren: Einige Persönlichkeiten hätten sich etwas mutigere Entwürfe gewünscht. Ein Tram sei doch auch ein Imageträger, hält beispielsweise Jasmina Ritz, Geschäftsführerin der Limmatstadt AG, fest. Es präge das Stadtbild und stifte Identität; Bern rot, Basel grün, Zürich blau. «Ich hätte mir für unsere pulsierende Region ein mutigeres Statement gewünscht.»

Sie meint damit kein schrilles, aber ein selbstbewusstes und unverwechselbares. «Nun haben wir ein blasses Neutrum, das keinem weh tut, aber auch nichts ausstrahlt.» Auch Standortförderer Ebenberger hätte sich persönlich «etwas buntere Farben» gewünscht. «Aber das Design soll ja nicht polarisieren.» In diesem Sinne sei der Vorschlag bestimmt mehrheitsfähig.

Das Limmattal gehört auf die Limmattalbahn

Auch wenn die Gestaltung im Grundsatz positiv aufgenommen wird, kommt doch Kritik auf. Vermisst wird der Lokalbezug. André Bender würde es – wie weitere befragte Personen – begrüssen, wenn die Fahrzeuge die Namen der Limmattaler Orte tragen würden. Zudem sähe er gern die Kantonswappen abgebildet. «Dies würde der Stadtbahn etwas Identität verschaffen.»

Von Zürich-Altstetten nach Baden – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Von Zürich-Altstetten nach Baden – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Auf wenig Gegenliebe stossen im Zürcher Limmattal das Logo und der Schriftzug des Betreibers Aargau Verkehr, die auf den Führerkabinen vorne und seitlich angebracht werden. «Wünschenswert wäre ein kantonsübergreifender Auftritt der Betreibergesellschaft», meint etwa Josef Wiederkehr. Andernfalls könnte bei wartenden Fahrgästen eine gewisse Verwirrung entstehen, ob diese Bahn nun bis nach Zürich fahre oder nicht.

Wegen den AVA-Logos findet Ernst Joss gar keinen Gefallen am präsentierten Design: «Ich bin entsetzt», sagt der Dietiker AL-Gemeinderat, der sich seit Jahren mit der Verkehrspolitik auseinandersetzt. Immerhin sei das Logo etwas kleiner geworden, als es die Betreiberin anfänglich gewünscht habe. «Wer aber bei einer Haltestelle warten wird, der sieht dennoch nicht die Limmattalbahn nahen, sondern die AVA», kritisiert Joss.

Der Auftrag, die Limmattalbahn zu betreiben, sei auf zehn Jahre befristet. Der Anbieter könne also wechseln, dessen Logo sei nebensächlich. Joss bereitet nun einen Vorstoss vor; er will den Dietiker Stadtrat auffordern, sich für eine Umgestaltung einzusetzen. «Die Fahrzeuge müssen klar als Limmattalbahn erkennbar sein», fordert Joss.

Dies ist auch dem Dietiker Stadtpräsidenten ein Anliegen: Auch wenn ihm das Design grundsätzlich gefalle, störe ihn persönlich das «nach wie vor sehr prominente Logo der AVA», sagt Roger Bachmann. Gerade in den Anrainergemeinden sei der Widerstand gegen den Bau der Stadtbahn gross gewesen. «Umso wichtiger ist es, dass man nun alles dran setzt, eine Gestaltung zu finden, die bei der Bevölkerung grossmehrheitlich ankommt und so auch Identifikation schafft.» Bachmann würde es deshalb begrüssen, wenn zumindest die Front nochmals überarbeitet werden könnte. «Der Begriff Limmattalbahn soll das AVA-Logo dominieren, nicht umgekehrt.»

Zum ersten Mal mit dem Tram über das neue Limmattalbahn-Trassee: die Testfahrt im Video

Zum ersten Mal mit dem Tram über das neue Limmattalbahn-Trassee: die Testfahrt im Video (August 2019)

Die Gestaltung ist nicht alles

Verschiedene Limmattaler weisen im Gespräch darauf hin, dass nicht nur die Gestaltung zähle. Wichtig sei auch, dass die Stadtbahn ab 11. Dezember 2022 pünktlich und sicher verkehre. So will sich der Aescher Gemeindepräsident Hans Jahn gar nicht erst in die Designdiskussion einmischen. Als Aescher sei er ohnehin nur ein halber Limmattaler, sagt er lachend. «Und mir persönlich sind die Nutzerfreundlichkeit und der Fahrkomfort die wichtigeren Elemente als das Design.»

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