Wohnen

Das Limmattal zählt weniger leere Wohnungen: So unterschiedlich sieht es in den Gemeinden aus

2020 entstanden in Schlieren 700 Wohnungen. So etwa im Wohn- und Pflegezentrum Tertianum Am Rietpark.

2020 entstanden in Schlieren 700 Wohnungen. So etwa im Wohn- und Pflegezentrum Tertianum Am Rietpark.

Eine Analyse des Statistischen Amts gibt Auskunft über die Entwicklung im Wohnungsmarkt. Seit 2018 sind die Zahlen im Limmattal wieder leicht rückläufig.

Die Zahl der leer stehenden Wohnungen im Bezirk Dietikon nimmt kontinuierlich ab. Das zeigt eine gestern veröffentlichte Analyse zu den Leerwohnungszahlen im Kanton Zürich des kantonalen Statistischen Amts. Ende Juni 2020 waren im Limmattal 436 Wohnungen unbewohnt. Ein Jahr zuvor standen 481 Wohnungen frei und im Jahr 2018 zählte der Bezirk sogar 526 leere Wohnungen. «Seit dem Peak im Jahr 2018 sind die Zahlen im Limmattal wieder leicht rückläufig», sagt Magnus Gocke. Er ist Themenverantwortlicher für Raum und Immobilien beim Statistischen Amt des Kantons Zürich und analysierte die von den Gemeinden erhobenen Zahlen.

Im ganzen Kanton standen Ende Juni rund 6850 Wohnungen leer, 200 mehr als im Vorjahr. Die Leerwohnungsziffer blieb kantonal nahezu unverändert und liegt aktuell bei 0,9 Prozent, wie das Statistische Amt mitteilt. Das heisst, dass derzeit rund 0,9 Prozent aller Wohnungen im Kanton nicht bewohnt sind. «Jedoch gibt es grosse regionale Unterschiede», sagt Gocke.

So beträgt die Leerwohnungsziffer in den Regionen Pfannenstiel, Knonaueramt, Weinland und dem Zürcher Oberland je nach Wohnungsgrösse bis zu 2,5 Prozent. Anders sieht es in der Region Zimmerberg aus. «Dieses Gebiet weist über alle Wohnungsgrössen hinweg neben der Stadt Zürich mit rund 0,5 Prozent die geringsten Leerwohnungsziffern auf», sagt Gocke. Das Limmattal liegt mit einer Leerwohnungsziffer von rund 1,23 Prozent im Vergleich mit den anderen Bezirken und Gebieten im Kanton im Mittelfeld.

Jedoch schwanken die Zahlen von Gemeinde zu Gemeinde stark. Mit nur drei leer stehenden Wohnungen führt Oetwil die Rangliste an. Die Gemeinde verzeichnet mit einer Leerwohnungsquote von 0,24 Prozent die tiefste im ganzen Limmattal. Dicht gefolgt von Uitikon. Die Gemeinde weist eine Leerwohnungsziffer von 0,28 Prozent auf. Ende Juni standen dort sechs Wohnungen leer. Speziell ist, dass die Situation vor vier Jahren noch eine ganz andere war. 2017 waren in Uitikon knapp 100 Wohnungen unbewohnt, 2018 hatte sich die Zahl bereits fast halbiert. «Der rasante Rückgang der leeren Wohnungen hat mit dem stabil hohen Zuzug in Uitikon zu tun», erklärt Gocke. 2019 und 2020 ist die Gemeinde jeweils um mehr als 250 Einwohner gewachsen. Gocke betont aber, dass solche Sprünge vor allem bei kleineren Gemeinden keine Seltenheit darstellen würden. «Wenige neue leere Wohnungen machen bereits viel aus. In Uitikon sind für die kommenden Jahre weitere Bauprojekte geplant. Es kann also durchaus sein, dass man dann eine umgekehrte Entwicklung feststellen wird, wenn die Wohnungen nicht sofort bezogen werden.»

Ebenso unter dem Kantonsmittel liegen die Städte Dietikon und Schlieren. Letztere zählt eine Leerwohnungsziffer von 0,67 Prozent. Dietikon schneidet mit 0,63 Prozent sogar noch etwas besser ab. «Die Bautätigkeit hat sich 2020 in Schlieren im Vergleich zu den Jahren davor vervielfacht», sagt Gocke. 700 Wohnungen wurden dieses Jahr bereits erstellt. Dazu gehören unter anderem auch die Liegenschaften in der Überbauung am Rietpark. Diese Bauprojekte hätten einen Einfluss auf die Wohnsituation im ganzen Limmattal, so Gocke. «Es könnte dazu führen, dass neben Zuzügern aus dem Ausland und aus Nachbarkantonen vor allem Haushalte aus den Nachbargemeinden einziehen.» So würden Leerstände an anderen Orten entstehen. Die Analyse des kantonalen Statistischen Amts zeigt nämlich, dass es nicht Neubauwohnungen sind, die lange leer stehen, sondern, dass es auf dem Wohnungsmarkt zu Verschiebungen kommt und eher ältere Bauten länger leer stehen. «Neue Wohnungen werden vielfach für eine Verbesserung der eigenen Wohnsituation genutzt, dabei ist der Einzugsradius relativ klein. Das heisst, man schaut sich nach Wohnungen in der näheren Umgebung um», sagt Gocke. Diese Erkenntnis bestätigen die Zahlen der leer stehenden Wohnungen im Limmattal. In Dietikon sind beispielsweise alle 82 leeren Wohnungen älter als zwei Jahre. Und auch in Uitikon sind keine Neubauwohnungen, sondern nur ältere Behausungen frei.

Die meisten restlichen Gemeinden im Limmattal liegen nahe am Durchschnitt der Leerwohnungsziffer des Bezirks Dietikon. Urdorf zählt eine Quote von 1,14 Prozent, Unterengstringen von 1,27 Prozent, Oberengstringen von 1,3 Prozent, Birmensdorf von 1,12 Prozent und Aesch von 1,99 Prozent. Das Schlusslicht bilden die beiden benachbarten Gemeinden Geroldswil und Weiningen. Im Rebbaudorf stehen 58 Wohnungen leer, was eine Leerwohnungsziffer von 2,68 Prozent ergibt. In Geroldswil finden sich für 49 Wohnungen keine Mieter oder Käufer. Die Gemeinde weist eine Leerwohnungsziffer von 2,17 Prozent auf. Ob die hohen Zahlen auf eine Abwanderung aufgrund des Gubrist-Ausbaus und den vielen weiteren Baustellen im Weininger Dorf und der Fahrweid hinweisen, kann Gocke nicht sagen. «Klar ist jedoch, dass in Weiningen und Geroldswil keine grossen Einwohnerentwicklungen zu verzeichnen waren. Teilweise sind diese sogar leicht negativ gewesen.»

Auch ob der generelle Trend anhält und nächstes Jahr noch weniger Wohnungen im Limmattal leer stehen werden, kann Gocke nicht beantworten. «Eine Prognose in Zeiten der Corona-Pandemie zu wagen, ist sehr schwierig.» Wie sich die Krise auf die Einwohnerentwicklung auswirken werde, könne man nicht abschätzen. Die Bautätigkeit werde trotz Corona weitergehen, sagt Gocke. «Viele Projekte, die vor dem Covid-19-Ausbruch gestartet wurden, werden durchgezogen, denn nicht nur leere Wohnungen, sondern auch leere Baustellen kosten Geld.»

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