Es herrschte kein Mangel an grossen Worten, als die ETH Zürich vor einem Jahr mitteilte, unter ihrer Leitung sei eine Ideenkonkurrenz ins Leben gerufen worden, um die besten Lösungen für die Entwicklung des Limmattals zu erarbeiten. Es sei ein «aussergewöhnliches Projekt», sagte Bernd Scholl, wissenschaftlicher Leiter des Projekts und Professor für Raumentwicklung an der ETH Zürich: «So etwas gab es unseres Wissens in der Schweiz, und wahrscheinlich auch darüber hinaus, noch nie.»

Die Idee: Vier Planungsbüros erarbeiten eine räumliche Gesamtvorstellung, wie sich das Limmattal, das sich in diesem Fall von der Zürcher Hardbrücke bis nach Brugg erstreckt, bis im Jahr 2050 entwickeln soll und welche Schritte dazu nötig sind. Begleitet werden sie von den Städten und Gemeinden des Limmattals, den Kantonen Zürich und Aargau, der Zürcher Planungsgruppe Limmattal, Baden Region und dem Bundesamt für Raumentwicklung.

Flussraum soll zugänglicher werden

Nun haben die Planer ihre Arbeit abgeschlossen und eine «gemeinsame Grundlage» für die Entwicklung des Limmattals geschaffen, wie die ETH gestern mitteilte. Ihre Empfehlungen und Ideen sind nachzulesen in einem 160 Seiten schweren Abschlussbericht, der unter anderem hervorhebt, das Limmattal soll kein durchgehendes homogenes Stadtband werden, sondern sich als drei Teilräume mit unterschiedlichen Profilen entwickeln. Der Flussraum soll zudem noch besser zugänglich und auch bewohnbar werden, die Gemeinden sollen Standorte für strategische Infrastrukturen sichern und die Verkehrsträger müssten zu einem integrierten System entwickelt werden, deren Rückgrat die Limmattalbahn ist.

All diese Entwicklungen hätten auch eine übergeordnete Bedeutung, sagt Projektleiter Scholl: «Was im Limmattal in den nächsten Jahren und Jahrzehnten räumlich geschieht, ist für die gesamte Schweiz von Relevanz.» Das Limmattal sei durch das Projekt zu einem eigentlichen Modell für schweizerische Raumplanung geworden.

Doch die Frage bleibt: Welchen Einfluss wird das Projekt ganz konkret auf die einzelnen Gemeinden haben? Zumal es bereits diverse Konzepte gibt, welche die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Limmattals vorgeben: kantonale Richtpläne, das regionale Raumordnungskonzept, Verkehrskonzepte oder das Agglomerationsprogramm. «Natürlich kann man die Ideenkonkurrenz nicht vergleichen mit einer Bau- und Zonenordnung oder einem Richtplan», sagt der Dietiker Stadtplaner Jürg Bösch, der das Projekt begleitet hat. «Bei der Ideenkonkurrenz geht es um eine visionäre Langzeitsicht, während ein Richtplan verbindlich ist.» Auf die unmittelbare Planung einer Gemeinde habe das Projekt daher keinen Einfluss, sagt Bösch. Es sei aber gut möglich, dass die eine oder andere Idee in eine zukünftige Richtplanrevision einfliesse.

Aus Projekt wird Organisation

Noch viel entscheidender sei für ihn aber die Tatsache, dass das Projekt nun weitergeführt werden soll, sagt Bösch – und zwar idealerweise als ständige Organisation. «Wenn man als Gesamtregion Limmattal auftreten kann, hat man ein anderes Gewicht», sagt er. Davon verspreche er sich einen grossen Gewinn, gerade auch, wenn man sich beim Bund für Projekte wie die gewünschte S-Bahn-Station Silbern einsetzen müsse. «Wenn eine solche Kooperation zustande kommt», so Bösch, «dann hat sich der Prozess gelohnt.»