Dietikon
«Das Limmattal muss noch urbaner werden»

An der Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) hielt Kantonsplaner Wilhelm Natrup ein Referat über die Zukunft der Raumplanung im Limmattal.

Pablo Rohner
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«Die Bevölkerung mitnehmen»: Kantonsplaner Wilhelm Natrup.

«Die Bevölkerung mitnehmen»: Kantonsplaner Wilhelm Natrup.

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Etwas genervt vergrub Kantonsplaner Wilhelm Natrup das Gesicht in den Händen. Soeben hatte Schlierens Bauplaner Jean-Claude Perrin den Antrag gestellt, das Budget für den Posten «Realisierung regionaler Aufgaben» zu kürzen. Zwar wurde der Vorstoss von den Delegierten umgehend und deutlich verworfen und das Budget 2013 von insgesamt 342000 Franken genehmigt. Und doch schien der Antrag in Natrups Augen etwas auszudrücken: Die Raumentwicklung geht in der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) nicht immer reibungslos voran.

Wachstum kann gesteuert werden

«Ihr müsst mehr Reserven für Planungsphasen bereitstellen», appellierte Natrup an die anwesenden Delegierten der elf Limmattaler Gemeinden im Zweckverband. Doch zunächst verdeutlichte er in seinem Referat «Raumplanung im Limmattal: wie weiter?», wie gross die raumplanerischen Herausforderungen im Kanton Zürich geworden sind.

Bis zum Jahr 2030 wird dem Kanton eine Bevölkerungszunahme von 200000 Einwohnern vorausgesagt. Und das Limmattal boomt mit. In den letzten 30 Jahren ist die Bevölkerung der Region um 20 Prozent auf über 80000 Menschen angewachsen. Bis 2030 sollen weitere 30000 Personen im Limmattal wohnen und arbeiten. Diese Dynamik könne die Raumplanung zwar nicht bremsen, so Natrup, aber steuern. Dabei müsse jedoch die teilweise verunsicherte Bevölkerung mitgenommen werden.

Deutlich wurde das am 17. Juli 2012. Mit der Annahme der Kulturlandinitiative zum Schutz landwirtschaftlich und ökologisch wertvoller Böden machte das Zürcher Stimmvolk seinem Unmut über die schrankenlose Zersiedelung der Landschaft Luft.

Landschaftsschutz im Limmattal

Kantonsweit wurde das Siedlungsgebiet auf dem heutigen Stand eingefroren. Laufende Baueinzonungen mussten per sofort sistiert werden.

Wie einer von Natrup präsentierten Grafik zu entnehmen war, schützt die Initiative auch grössere Grünflächen im Limmattal. So ist in Schlieren der Boden in den Gebieten Werd, Hofuren/Trisler und Flugarten/Chilpelmoos betroffen. In Urdorf liegen solche Flächen zwischen Birmensdorferstrasse und Riedmatten, ebenso wie zwischen Schürhof und Mören. Auch im Westen Oetwils zwischen Limmattalerstrasse und Bohnäckerstrasse sowie in Geroldswil östlich der Sportanlagen Werd darf nicht mehr gebaut werden.

Verdichtung geht weiter

Die viel zitierte Alternative zum ausufernden Siedlungsbau heisst Verdichtung. Bereits heute ist das Limmattal eine der am dichtesten besiedelten Regionen des Kantons, die Städte Zürich und Winterthur ausgenommen. Und die Zukunft liegt in der weiteren Verdichtung, wie Natrups Ausführungen zu entnehmen war. «Urban muss es werden», sagte er mit Nachdruck, «ohne dass die Region dabei an Lebensqualität einbüsst». Gerade die Realisierung der Limmattalbahn sei ein wichtiger Schritt zur Qualitätssicherung.

Natrup gab weiter zu verstehen, dass die Raumplanung der Bevölkerung zugänglicher gemacht werden müsse. Etwa kommunale Richtpläne würden die Raumplanung veranschaulichen und legitimieren. «Wir müssen der Limmattaler Bevölkerung zeigen, dass Verdichtung nicht weniger Wohnqualität bedeutet», schloss Natrup sein Referat.