Sind sie neugierig, wie viele Menschen in ihrem Quartier leben? Und nimmt es Sie wunder, ob ihre Wohnung grössenmässig mit jenen ihrer Nachbarn mithalten kann?

Das statistische Amt des Kantons Zürich liefert auf diese und ähnliche Fragen seit Kurzem detaillierte Antworten:

Mit neuen Karten zur Bevölkerungs-, Gebäude- und Beschäftigungsstruktur im online verfügbaren geografischen Informationssystem (GIS) kann sich der Hobbystatistiker Daten zur Altersstruktur, der durchschnittlichen Wohnfläche oder dem Branchenmix auf den Bildschirm laden.

Das Limmattal in Zahlen

Der Bereich, für den die Infos angezeigt werden sollen, ist dabei frei wählbar. So kann der gesamte Kanton, ein Bezirk, eine einzelne Gemeinde oder ein Quartier ausgewählt werden. Nur bei einzelnen Gebäuden erlaubt das GIS keine statistischen Einblicke – aus Datenschutzgründen, wie dem Nutzer mitgeteilt wird. Bis auf Quartierebene hinunter spuckt das System jedoch zahlreiche interessante Daten aus.

Nicht bloss eine Spielerei

So zeigt es beispielsweise, dass im Limmatfeld die Menschen eng aufeinander leben und trotzdem viel Platz haben.

Mehr als 1600 Menschen wohnen derzeit in dem neuen, knapp 6 Hektar grossen Quartier in Dietikon; das sind 284 Personen auf 100 mal 100 Meter.

Die Wohnungen, in denen sie eingemietet sind, bieten hingegen äusserst viel Platz: Im Durchschnitt verfügen sie gemäss GIS über eine Fläche von 184,5 Quadratmetern.

Rund zwei Drittel der Quartierbewohner sind zwischen 25 und 44 Jahre alt, kaum jemand (2,9 Prozent) über 65. Der Frauenanteil ist mit 45 Prozent verhältnismässig tief (Kanton: 50,2), der Ausländeranteil mit 47,6 Prozent (26,3) hingegen überdurchschnittlich hoch.

Solche Informationen sind selbstverständlich nicht bloss dazu da, um die Neugier von Privatpersonen zu befriedigen.

«Die Karten sind für uns sehr hilfreich», sagt Severin Lüthy, Projektleiter beim Dietiker Stadtplanungsamt. Mit den vom Kanton aufbereiteten Informationen liesse sich insbesondere das Potenzial für die städtebauliche Erneuerung und Verdichtung analysieren.

«Wir wissen nun zum Beispiel ziemlich genau, in welchen Strassengevierten Nutzungsreserven bestehen oder wie die Bebauungs- und Eigentümerstruktur aussieht», sagt Lüthy.

Auch sei der Stadt nun bekannt, wo besonders alte Gebäude stünden. «Dadurch können wir besser abschätzen, wo das Erneuerungspotenzial besonders hoch ist.»

Dieses Wissen helfe der Stadt, um etwa Immobilienbesitzer darauf hinzuweisen, statt individuell einzelne Gebäude zu sanieren, gemeinsam die Erneuerung des Gevierts anzugehen und Synergien künftig besser zu nutzen.

  • Wohnraum: neuer und grösser

Der Anteil an Mehrfamilienhäusern ist im Bezirk überdurchschnittlich hoch. Trotzdem verfügen Limmattaler über vergleichsweise viel Wohnraum. Das hat verschiedene Gründe.

Wer im Limmattal lebt, wohnt statistisch gesehen in grösseren und neueren Wohnungen als im Rest des Kantons. Das zeigen die Daten des geografischen Informationssystems (GIS) zur Gebäudestruktur in der Region. So sind die Gebäude im Schnitt jünger als im kantonalen Mittel. Während im ganzen Kanton fast ein Drittel der Wohnhäuser vor 1945 gebaut worden sind, sind es in der Region lediglich 16,2 Prozent. Mit über 40 Prozent deutlich höher als im Kanton (32,2 Prozent) ist dafür der Anteil der Gebäude, die zwischen 1946 und 1980 entstanden sind. Beim Wohnraum jüngeren Datums (ab Baujahr 1981) liegt der Bezirk mit knapp 25 Prozent etwa im kantonalen Durchschnitt.

Unterschiede zum Gesamtkanton zeigen sich auch bei den Gebäudekategorien: Der Anteil an Mehrfamilienhäusern (MFH) liegt im Bezirk Dietikon bei knapp 37 Prozent, und damit um 6 Prozent höher.

Einfamilienhäuser (EFH) machen dagegen einen kleineren Teil des Wohnraums aus. Dafür dürfte insbesondere die Wohnraumstruktur in Dietikon und Schlieren verantwortlich sein: Mit 43 und 44,9 Prozent ist der Mehrfamilienhaus-Anteil hier besonders hoch, der Einfamilienhaus-Anteil dagegen unterdurchschnittlich (40 und 43,7 Prozent). In den kleineren Gemeinden machen Einfamilienhäuser dagegen rund zwei Drittel des Wohnraums aus. Mit über 70 Prozent ist ihr Anteil am gesamten Wohnraum in Aesch am höchsten.

Besonders auffällig ist, dass die rund 32 000 Wohnungen im Bezirk im Schnitt über 20 Quadratmeter grösser sind als die kantonale Durchschnittswohnung (87,6 Quadratmeter). Und das, obwohl der Anteil an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, die normalerweise eine kleinere Wohnfläche aufweisen, hier deutlich höher ist.

Das hat laut Magnus Gocke, Themenverantwortlicher Raum und Immobilien beim statistischen Amt, verschiedene Gründe. «Der Kantonsdurchschnitt wird massgeblich von der Stadt Zürich, aber auch von anderen dichten Zentren beeinflusst», sagt er.

In diesen gebe es viele ältere Mehrfamilienhäuser mit kleinen Wohnungen. Dagegen sind laut Gocke in Schlieren und Dietikon die letzten Jahre «massiv viele» moderne Mehrfamilienhäuser mit grösseren Wohnungen entstanden.

  • Bevölkerung: dicht an dicht in Dietikon

Das Limmattal ist im kantonalen Vergleich dicht besiedelt. Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind aber gross.

Rund 88 000 Menschen wohnen im Bezirk Dietikon auf einer Fläche von 55 Quadratkilometern. Auf einer Hektare (100 mal 100 Meter) leben damit rund 16 Personen. Das sind fast doppelt so viele wie das kantonale Mittel (8,5 Personen/Hektare), wie die Bevölkerungskarte des Kantons zeigt. Verglichen mit der Stadt Zürich ist es aber trotzdem noch wenig: Dort teilen sich 46 Personen eine Fläche von 100 mal 100 Metern.

Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen, denn sie zeigen nicht wirklich, wie eng die Menschen aufeinanderleben: Die vom GIS ausgewiesene Bevölkerungsdichte errechnet sich aus der Einwohnerzahl geteilt durch die Gesamtfläche des untersuchten Gebiets. Das heisst, dass auch sämtliches unverbautes Land, etwa Waldfläche oder Agrarland, in die Berechnung mit einfliesst. Das erklärt auch, weshalb Oberengstringen mit 30,6 Einwohnern pro Hektare insgesamt eine höhere Bevölkerungsdichte aufweist als das bevölkerungsreiche Schlieren (27,9) oder Dietikon (28,7): Der Anteil der unverbauten Fläche ist in der Gemeinde kleiner als in den beiden Städten. In den Wohnzonen haben die Oberengstringer Einwohner trotzdem mehr Platz als die Bewohner des Bezirkshauptorts: Während in Oberengstringen die Bevölkerungsdichte in den Quartieren überall unter 150 Personen/Hektare liegt, leben in Dietikon auf der gleichen Fläche teilweise über 300 Menschen.

Am wenigsten besiedelt von allen Gemeinden im Bezirk ist Aesch. Aufs ganze Gemeindegebiet gesehen leben hier pro Hektare gerade einmal 2,3 Personen; die Bevölkerungsdichte im verbauten Teil der Gemeinde geht nicht über 88 Einwohner/Hektare hinaus.

Betrachtet man die Limmattaler Bevölkerung etwas genauer, so fällt auf, dass sich diese im Hinblick auf die Altersgruppen ziemlich genau mit dem kantonalen Schnitt deckt: Knapp ein Drittel der Bevölkerung ist zwischen 25 und 44 Jahre alt, Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre sowie ältere Menschen (ab 65) machen je etwa ein Sechstel aus, wie das GIS zeigt. Deutlich unterscheidet sich das Limmattal vom Kanton jedoch beim Ausländeranteil: Während dieser in der Region knapp 35 Prozent beträgt, liegt er im ganzen Kanton bei 26.3 Prozent.

Doch auch innerhalb der Region bestehen grosse Unterschiede in der Bevölkerungszusammensetzung: In den kleinen Gemeinden leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen und verhältnismässig wenig Ausländer, in den grösseren Gemeinden, insbesondere in Schlieren und Dietikon, verhält es sich genau umgekehrt.

  • Beschäftigung: ein Tal von Händlern

Ein Viertel aller Arbeitsplätze in der Region ist im Handel angesiedelt. Doch auch die Industriebranche ist im kantonalen Vergleich überdurchschnittlich stark vertreten.

Das Limmattal wird von der Handelsbranche dominiert. Das zeigen die Daten des Kantons zur Beschäftigungsstruktur in der Region. Von den 5320 hier ansässigen Betrieben sind rund 21 Prozent im Handel tätig und gut ein Viertel der 39000 Vollzeitstellen in der Region ist in dieser Branche angesiedelt. «Der Bezirk ist verkehrstechnisch gut erschlossen und bietet grosse Flächen, die gewisse Handelsbetriebe benötigen», erklärt Magnus Gocke vom statistischen Amt des Kantons den hohen Anteil. Am bedeutendsten seien der Grosshandel mit rund 400 Betrieben und 5200 Arbeitsplätzen, gefolgt vom Detailhandel (450 Betriebe, 2300 Arbeitsplätze) sowie der Handel mit und die Reparatur von Fahrzeugen (300 Betriebe mit 2100 Arbeitsplätzen).

Während der Handel im Vergleich zum kantonalen Durchschnitt (13,7 Prozent aller Vollzeitstellen) im Bezirk besonders stark ist, sind beispielsweise Finanz- und Versicherungsdienstleistungen hier unterdurchschnittlich vertreten (5,2 Prozent aller Arbeitsplätze gegenüber 10,8 Prozent im gesamten Kanton). Das trifft aber auch auf alle anderen Bezirke des Kantons zu. Der Grund: Die kantonale Finanzbranche konzentriert sich stark in der Stadt Zürich. Dort arbeiten gemäss statistischem Amt 80 Prozent aller Angestellten dieser Branche.

Die meisten Unternehmen im Limmattal haben ihren Sitz in Dietikon. Knapp 1600 Betriebe mit insgesamt 14 100 Arbeitsplätzen gehen im Bezirkshauptort ihren Geschäften nach.

Handelsfirmen (24,8 Prozent aller Stellen), verarbeitende Gewerbe- und Industrieunternehmen (12,5) sowie Logistikbetriebe (11,4) sorgen dabei für die meisten Jobs in der Stadt.

In Schlieren gibt es zwar etwas weniger Arbeitsplätze (13 100 in 1280 Betrieben) als in Dietikon, dafür schwingt es bei der High-Tech-Industrie obenauf, was nicht zuletzt am Bio-Technopark auf dem Wagi-Areal liegen dürfte. 7,1 Prozent der Arbeitsplätze in Schlieren sind in einem High-Tech-Unternehmen angesiedelt (Kanton: 4,8, Bezirk: 6 Prozent). In Urdorf, der drittgrössten Gemeinde im Bezirk, bieten rund 650 Unternehmen 5580 Vollzeitstellen an.

  • Landwirtschaft: In Aesch leben 99 Schafe

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie viel Vieh in seiner Gemeinde lebt, kann das mit ein paar Klicks herausfinden – dem statistischen Amt des Kantons sei Dank.

Neben unzähligen anderen Daten zu Bevölkerung, Arbeit und Wohnraum liefert das Amt auf seiner Internetseite auch Zahlen zum Viehbestand im Kanton, den Bezirken und den Gemeinden. Dabei zeigt sich: Im städtisch geprägten Bezirk Dietikon gibt es nach wie vor eine stattliche Anzahl von Kühen (1111), Rindern (2049), Schweinen (112) und Schafen (193).

An der Spitze der regionalen Viehwirtschaft steht die Gemeinde Aesch mit rund 760 Tieren (242 Kühen, 418 Rinder und 99 Schafe), dicht gefolgt von Birmensdorf mit 720 Tieren (217 Kühe, 427 Rinder, 64 Schafe und 2 Schweine). Das die beiden Gemeinden fast die Hälfte aller landwirtschaftlichen Nutztiere des Bezirks beherbergen, erstaunt nicht: Mit 2,3 Personen/Hektare (Aesch) respektive 5,5 Personen/Hektare (Birmensdorf) weisen sie die niedrigsten Bevölkerungsdichten im Limmattal auf – und haben deshalb noch genügend Platz für die Tiere.

Erstaunlich ist hingegen, dass auf dem Gebiet der beiden dicht besiedelten Städte Dietikon und Schlieren ebenfalls einige Hundert Kühe, Rinder, Schafe und Schweine leben.