Dass Jenische auf dem Parkplatz der Badi Geren in Birmensdorf ihr Winterquartier aufschlagen dürfen, beruht auf einer Vereinbarung mit der Gemeinde, die jährlich erneuert wird. Es handelt sich um keinen offiziellen Standplatz. «Seit rund 30 Jahren vermieten wir den Jenischen den Platz von Oktober bis März», sagt Peter Siegrist, Leiter Bauamt.

Sollte die Gemeinde aber eines Tages den Parkplatz anderweitig nutzen, hätten die Jenischen das Nachsehen. «Die Gemeinde kann derzeit keinen anderen Platz zur Verfügung stellen», sagt Siegrist. Generell ist in der Schweiz die Verfügbarkeit von Standplätzen, auf denen Fahrende meist überwintern (und in den jeweiligen Gemeinden ganzjährig angemeldet sind), und von Durchgangsplätzen, die für einen kurzfristigen Aufenthalt gedacht sind, nicht zufriedenstellend. Nur 15 Stand- und 31 Durchgangsplätze wurden bei der letzten Umfrage der Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende» gezählt. Gemessen an der Menge der hiesigen Fahrenden müssten laut der Stiftung 40 Stand- und 80 Durchgangsplätze realisiert werden.

«Es ist seit Jahren unser Hauptanliegen, dass sich diese Situation ändert», sagt Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, der Dachorganisation der Jenischen und Sinti in der Schweiz. «Obwohl wir als schützenswerte Minderheit in der Schweiz anerkannt sind, geht wegen dieser lang anhaltenden Situation unsere Identität immer weiter verloren», so Huber. Der Bund reagierte 2015 im Rahmen eines umfassenden Aktionsplans für die Anliegen von Jenischen, Sinti und Roma, der auch genügend Stand- und Durchgangsplätze vorsieht. Eine Aufgabe, für welche er die Kantone in die Pflicht nimmt.

Die Plätze im Kanton Zürich

Im Kanton Zürich werden laut Richtplan fünf Stand- und 13 Durchgangsplätze angestrebt. Dies basierend auf dem Standbericht 2010 der Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende». Derzeit sind aber nur vier Stand- und acht Durchgangsplätze in Betrieb. Zudem müsse man vorhandene Standplätze sanieren und teilweise erweitern, wie Markus Pfanner, Mediensprecher der Baudirektion, sagt. «Die Festlegung des kantonalen Richtplans umschreibt ein längerfristiges Ziel, aber einiges wurde schon erreicht», so Pfanner. In regionalen Richtplänen konnten bestehende Plätze gesichert, und dort, wo dies nicht möglich war, entsprechende Aufträge zur Standortsuche erteilt werden.

Es sei ein sorgfältiger Prozess, so Pfanner. «Wir stehen mit verschiedenen Gemeinden in Kontakt, um Möglichkeiten zur Sanierung oder zur Erstellung neuer Plätze auszuloten.»

Das Anliegen gelangt also vom Bund via Kanton zu den Regionen und Gemeinden. In der Region befasst sich die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) mit der Situation. Dietikon unterhält einen Standplatz im Quartier Silbern. In Schlieren galt der Geissweidplatz bislang als Durchgangsplatz, der allerdings wegen der Limmattalbahn von der Liste gestrichen wird. Damit setzt sich die Tendenz der landesweit schwindenden Durchgangsplätze fort. «Zusammen mit den Gemeinden haben wir aufgrund des Richtplans zehn andere Plätze in der Region evaluiert, von denen drei übrig blieben», sagt Heinz Schröder, Fachberater ZPL. Schlussendlich mussten aber auch diese drei Optionen aus unterschiedlichen Gründen verworfen werden. «Geplante Bauvorhaben spielten dabei ebenso eine Rolle wie die Haltung der Grundeigentümer», so Schröder.

Im Stillstand wegen Vorurteilen

Am Beispiel «Bund – Kanton – Limmattal» lässt sich das Dilemma in der Schweiz mit den Stand- und Durchfahrtsplätzen gut erklären; sogar der Bund sprach Ende Dezember 2016 in einem Zwischenbericht von einem «Stillstand».

Ein Grund für die abweisende Haltung sind auch Vorurteile. «Als wir die Gemeinden aufgefordert haben, uns ideale Plätze vorzuschlagen, war das Echo nicht gerade begeisternd», sagt Schröder. Dem stimmt auch Pfanner zu. «Es ist nicht so, dass man sich um diese Aufgabe reisst.» Dabei sind die Erfahrungen positiv. «Gemeinden oder Personen, die mit Schweizer Fahrenden Kontakt haben, bestätigen regelässig, dass die Zusammenarbeit als unproblematisch und normal angesehen wird», so Pfanner. Anders verhalte es sich mit ausländischen Fahrenden, die schon für negative Schlagzeilen sorgten. Aber auch hier habe eine Normalisierung stattgefunden.

In Birmensdorf betont Siegrist, dass die Zusammenarbeit mit Schweizer Jenischen meistens reibungslos über die Bühne ging. Ebenso die Antwort aus Dietikon: Man habe sehr gute Erfahrungen gemacht, wie Peter Baumgartner, Leiter der Hochbauabteilung, sagt. Trotz dieser Tatsachen brachte es die Stiftung «Fahrende in der Schweiz» in ihrem Standbericht 2015 auf den Punkt: Das Denkschema «Fahrende willkommen, aber nicht bei uns» scheint sich immer wieder zu bestätigen.