Oetwil
Das Limmattal bekommt den ersten Hafenkran des Kantons Zürich

Während in Zürich die Diskussionen um das umstrittene Kunstprojekt noch immer hitzig geführt werden, dürfte man dafür in Oetwil nur noch ein müdes Lächeln übrig haben: Der erste an die Kunst gewidmete Hafenkran im Kanton steht bereits im Wiesentäli.

Franziska Wagner
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Der erste Hafenkran im Sinne der Kunst steht dank Jakob Alt in Oetwil am Krebsbach.

Der erste Hafenkran im Sinne der Kunst steht dank Jakob Alt in Oetwil am Krebsbach.

Daniel Diriwächter

Wer hätte gedacht, dass das Limmattal der Stadt Zürich zuvorkommen würde? Sozialarbeiter und Künstler Jakob Alt schon. Während in der Limmatstadt sich Politiker wie Schöngeister noch immer über den Hafenkran streiten – das umstrittene Kunstwerk soll bis zum Sechseläuten aufgestellt werden – hat Jakob Alt kurzerhand das Zepter selbst in die Hand genommen und ein eigenes Kunstwerk kreiert.

Wer das Wiesentäli in Oetwil kennt, der weiss, dass dieses Stück Land immer wieder durch Skulpturen in eine Art «Freiluft-Galerie» verwandelt wird. Oft möchte der Künstler unerkannt bleiben, doch die unverkennbare Handschrift von Jakob Alt blieb nicht verborgen.

Doch Der Reihe nach: Jüngst staunte Lucia Bertodatto nicht schlecht: Bei einem Spaziergang im Wiesentäli bemerkte sie, dass die Weiden am Ufer des Krebsbaches anders aussahen als bei ihrem letzten Besuch. Jemand hatte die Weiden zu kleinen Naturkunstwerken geflochten und mit kurzen Gedichten geschmückt. Diese Symbiose begeistert Bertodatto: «Kunst am Baum, dazu die sinnige Poesie. Das erfreut Augen und Herz», schreibt sie in einer E-Mail.

Die Nachfrage beim Bauern, dessen Felder an besagten Abschnitt des Krebsbaches stossen, ergibt, dass diese «Flechtsachen» von Jakob Alt geschaffen wurden. Alt, früher Bauer, heute Sozialarbeiter, hat schon viele Kunstwerke aufgebaut. Einiges stellt er auch in einer Galerie im Ort aus. Zudem veröffentlichte er auch einen Gedichtband.

«Richtig, diese Werke sind von mir», antwortet Alt auf Anfrage. Die geflochtenen Weiden sind neben dem Hafenkran die neusten von einigen Installationen rund um den Krebsbach. Alt besitzt dort eine Wiese, die an den Bach grenzt. Bis vor einigen Jahren standen am Bachufer noch hohe Eschen und Alt holte sich die Bewilligung, diese Eschen zu fällen und pflanzte an ihrer Stelle Weiden.

Dieses Jahr nutzte Alt den Anlass, die biegsamen Äste zu Körben, Kugeln und Reifen zu verflechten. Gar einen Weidenstrauss mit Handys, «global vernetzt, lokal verwurzelt», hat er entworfen. Etwas weiter dem Bach entlang folgt die nächste Überraschung: Vor den Augen der Spaziergänger taucht ein hölzerner Reiter samt Ross und Wagen auf.

Die grösste Attraktion ist aber Jakob Alts Version eines Hafenkrans, der seit gestern am Krebsbach steht. Mit fünf Metern ist er nicht zu übersehen. «Der bleibt dann auch da stehen, so sind wir für alles, was kommt, gerüstet», sagt Alt. Also hat das Limmattal seinen eigenen Hafenkran erhalten – noch vor der Stadt Zürich und dies ganz ohne öffentliche Auseinandersetzungen.

Künstlerische Ausbildung in dem Sinne hat Alt hingegen keine. Aber er hat als Bauernbub viele Stunden bei Handwerkern verbracht und sich die Techniken abgeschaut. «Ich durfte zuschauen, wie in der Werkstatt Körbe gemacht wurden. Und heute ist mein Sohn Hufschmied, von ihm habe ich auch viel gelernt». Mit seinen Skulpturen bewahrt Alt das traditionelle Handwerk und macht sich gleichzeitig lustig über die Konsum- und Wegwerfgesellschaft.

Auf seine Kunstwerke bekommt Alt viel Echo. Da er oft am Krebsbach arbeitet, können ihn die Spaziergänger beim künstlerischen Schaffen beobachten. Darüber freut er sich: «Ich finde es toll, wenn die Leute gwundrig werden und statt in den Europapark wieder einmal ins Wiesentäli kommen.»