«Die Schweizer haben Gefühle, so erhaben wie ihre Berge, aber ihre Ansichten der Gesellschaft sind so eng wie ihre Täler», schrieb einst Heinrich Heine. Die Aussage des deutschen Dichters diente Moderator Stephan Klapproth als Ausgangspunkt seiner Gedanken über das Limmattal, das anders als Heine es unterstellt, weltoffen und innovativ sei. Und auch die anderen Teilnehmer am 19. Wirtschaftspodium, das dieses Jahr erstmals in der Umweltarena Spreitenbach über die Bühne ging, zeigten, dass das Limmattal, oder das Limmat Valley, wie es am Mittwochabend in Anlehnung an das Silicon Valley genannt wurde, schon einige Erfolgsgeschichten geschrieben hat und weiter schreibt.

Da wäre etwa jene des Fitness-Pioniers Werner Kieser. Der Bergdietiker eröffnete 1963 sein erstes Studio in Dietikon, ehe er vier Jahre später die Kieser Training AG gründete. Der gelernte Schreiner hat im Keller des Vaters seine ersten Fitnessgeräte zusammengebaut. «Die ersten Schweissnähte sahen fürchterlich aus», sagte Kieser auf dem Podium, das von Roger Nitsch, Mitgründer und CEO der Neurimmune Holding AG sowie Professor am Institut für Regenerative Medizin, Carlo Centonze, CEO und Mitgründer der HeiQ Materials AG und dem Unternehmer, Künstler und Musiker, Dieter Meier komplettiert wurde.

Mit einer Wanderung fing es an

Ähnlich wie Kieser, also wie Schreiner, die lernen zu schweissen, kamen sich auch Centonze und sein Kollege Murray Height vor, als sie ihr mittlerweile in Schlieren ansässiges Unternehmen gründeten. Begonnen hatte alles während einer fünftägigen Wanderung auf dem Lukmanierpass, als sich die damaligen Freundinnen der Unternehmensgründer über den Gestank der T-Shirts ihrer Partner beschwerten. «Als Ingenieure waren wir im Stolz getroffen. Da haben wir uns gesagt, dass man dieses Problem mithilfe der Wissenschaft sicher lösen könne», sagte Centonze. So hätten sie sich des Problems angenommen und begonnen langlebige nachhaltige Textilien zu entwickeln, die unter anderem nicht mehr stinken.

Bei Nitsch war es ein Spitalpraktikum während des Medizinstudiums, das ihn dazu bewog sich der Alzheimerforschung zu widmen. «Da war ich erstmals schockiert. Zwei Drittel der Menschen auf meiner Station hatten Demenz. Also genau jene Krankheit, die das Organ zerstört, dessentwegen ich begann Medizin zu studieren», sagte Nitsch. Inzwischen sei so man so weit, dass man, wenn alles gut laufe, in ein bis eineinhalb Jahren das erste Medikament gegen Alzheimer habe. Wie Centonze arbeitet auch Nitsch in Schlieren. Ein gutes Pflaster für innovative Ideen, wie er findet. «Zwei der fünf werthaltigsten Pharmaentwicklungen kommen aus Schlieren», so Nitsch.

Anders als bei den anderen Podiumsteilnehmern verlief die bisherige Karriere von Meier. «Ich bin jemand, der die Dinge auf sich zukommen lässt», sagt er. Deshalb seien Boris Blank, sein Partner bei Yello, und er ein ideales Paar. «Er lebt im Studio und ich darf jedes halbe Jahr als Gast dort sein. Hartnäckig an etwas dran bleiben würde mich wahrscheinlich unglücklich machen», so Meier. Nur dank der zufälligen Begegnung mit Blank sei er Musiker geworden. Seine ersten Versuche in Punkbands seien eher katastrophal verlaufen. «Wir gingen auf die Bühne und begannen erst dort zu üben», sagte Meier. Bei all dem, was er mache und sei es noch so zufällig entstanden, sei er von Zürich geprägt.

Die Dynamik des Tals beeindruckt

Nicht in Zürich, sondern in Wettingen zu Hause ist der Aargauer Regierungsrat Markus Dieth (CVP), der zu Beginn des Podiums zu den gut 1000 Gästen – ein neuer Besucherrekord – sprach. Auch er strich die Vorzüge des Limmattals heraus. «Das Limmattal ist nicht nur ein spannender Innovations- und Wirtschaftsstandort. Es bietet auch Lebensqualität für uns Menschen», sagte er und wies darauf hin, dass wir erst am Anfang einer Entwicklung stünden. «Das Limmattal hat erst begonnen sich als Tal zu definieren. Die Zukunft aber verspricht viel.»
Fasziniert von der Region zeigte sich auch die Zürcher Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP). «Die Gemeinden im Limmattal nehmen enorme und kostspielige Integrationsleistungen vor», sagte sie. Schweizweit gebe es nur wenige Regionen, die mit der Dynamik des Limmattals mithalten können. Auch Anton Affentranger, Gründer und Präsident des Verwaltungsrates der Affentranger Associates AG und ehemaliger CEO der Implenia AG, ist von der Entwicklung des Limmattals angetan. Er verwies auf das neue Spital und den Limmat-Tower, zwei Gebäude, die auch er gerne gebaut hätte.

Und so konnte Fredi Pahr, OK-Präsident des Wirtschaftspodiums die eingangs gestellte Frage, ob das Limmat Valley eine Erfolgsgeschichte sei, mit einem klaren Ja beantworten.