Eisenbahntunnel
Das Licht am Ende des Landikontunnel ist in Sicht

Wassereinbrüche, Risse im Spritzbeton und eine verschlammte Tunnelsohle – seit dem Bau 1864 wurde am Eisenbahntunnel zwischen Birmensdorf und Wettswil nur das Nötigste gemacht. Seit Februar 2012 laufen nun Sanierungsarbeiten, Anfang September soll Schluss sein.

Thomas Stöckli
Merken
Drucken
Teilen
«Die Massnahmen am Gewölbe sollten 50 Jahre halten»: Projektleiter Dumeng Claglüna ist zufrieden mit der Sanierung des Landikontunnels.

«Die Massnahmen am Gewölbe sollten 50 Jahre halten»: Projektleiter Dumeng Claglüna ist zufrieden mit der Sanierung des Landikontunnels.

Die letzte Sanierung liegt rund 40 Jahre zurück. Nach den mittlerweile fast abgeschlossenen Arbeiten ist der Tunnel zumindest für die nächsten 30 Jahre gerüstet. «Die Massnahmen am Gewölbe sollten sogar 50 Jahre halten», sagt Dumeng Claglüna, Projektleiter der SBB für die Instandsetzung des Landikontunnels.

Nun laufen die Finish-Arbeiten

Ein grosses Thema bei der Sanierung war das Lichtraumprofil. Dieses schreibt die Mindestabstände zwischen Zug und Tunnelgewölbe vor. «Wir haben oben und unten Raum gewonnen», sagt Claglüna. Unten sei die Sohle um bis zu 15 Zentimeter abgesenkt worden, oben brauche die neue Stromschiene deutlich weniger Platz als die bisherige Spannleitung.

Gearbeitet wurde jeweils nachts sowie an den letzten beiden Vollsperrungs-Wochenenden. Die Sanierung des Gewölbes war schon zu Beginn der Sommerferien fertig, die letzten zwei Wochen ging es um die Tunnelsohle, nun laufen noch die Finish-Arbeiten. Bis Mitte August dauern die Nacht-Sperren an (jeweils Sonntag bis Donnerstag ab 21.25 Uhr).

In dieser Zeit verkehren weiterhin Bahnersatzbusse zwischen Bonstetten-Wettswil und Birmensdorf. Den letzten Schliff erhält der Tunnel dann bis in die erste September-Woche – ohne weitere Beeinträchtigungen des Zugverkehrs. Elf Millionen Franken waren für die Sanierung budgetiert. Die Rechnung dürfte aufgehen. Dumeng Claglüna geht sogar von einer leichten Kostenunterschreitung aus.

Eiszapfen oben, Schlamm unten

Der Landikontunnel ist der zweitälteste Eisenbahntunnel in der Region Zürich. «Nur der Wipkingertunnel ist älter», sagt Dumeng Claglüna. Bei Baubeginn vor anderthalb Jahren hatte sich dieser in denkbar schlechtem Zustand präsentiert. Durch Risse im Spritzbeton drang im Portalbereich Wasser ein.

Im Winter bildeten sich jeweils Eispanzer vom Gewölbe bis zum Gleis und vor der ersten Durchfahrt mussten am Morgen Eiszapfen heruntergeschlagen werden. Auch von unten her wirkte die Feuchtigkeit: Schlamm wurde bis in den Schotter hinaufgepresst.

Mehr als 130 Züge fahren täglich durch den Ämtler Eisenbahntunnel. Wie saniert man da, ohne den Betrieb einzustellen? Die Lösung lautet Nachtarbeit. Sonntags bis donnerstags ab 21.50 Uhr – respektive diesen Sommer ab 21.25 Uhr – mussten die Passagiere am Bahnhof Bonstetten-Wettswil und Birmensdorf auf den Bahnersatz-Bus umsteigen. Die Einschränkungen für die Zugreisenden können so auf ein Minimum beschränkt werden.

Gewölbe abschnittsweise saniert

Ziemlich als Erstes sei anstelle der alten Spannleitung die neue Stromschiene montiert worden, sagt Dumeng Claglüna. Diese braucht nicht nur weniger Platz, sondern ist auch weniger störungsanfällig. Während der werktäglichen Nachtsperrungen wurde die Stromschiene dann am Abend ab 21.50 Uhr abschnittweise wieder demontiert, um den entsprechenden Gewölbebereich sanieren zu können. Pünktlich vor dem ersten Zug musste die Stromschiene dann wieder montiert sein.

Wider Erwarten zeigte sich der Kalktuffstein im Innern der Tunnels in gutem Zustand. So galt es hier primär, die Fugen zu sanieren. Überrascht zeigte sich der Projektleiter einzig von den teilweise grossen Hohlräumen hinter dem Tunnelgewölbe. Grösser war der Handlungsbedarf beim Sandstein im Bereich der Portale. Hier sorgen neu alle 4,6 Meter massive Betonrippen mit Stahlträgern sowie eine dicke Spritzbeton-Schicht für Verstärkung.

Zu Beginn der Sommerferien rückte nun die Tunnelsohle in den Fokus. Bereits im vergangenen Jahr waren am Rand neue Betonblöcke für die 15 000-Volt-Hochspannungskabel versenkt worden. An den zwei Vollsperrungs-Wochenenden vom 20. und 21. sowie vom 27. und 28. Juli wurde dann in zwei Etappen die Sohle bis zum drunter liegenden Fels komplett ausgegraben. Fast drohte eine unerwartet dicke Betonschicht vor dem Wettswiler Tunnelportal die Arbeiten am zweiten Vollsperrungs-Wochenende zu verzögern, aber es war schliesslich genügend Zeitreserve eingeplant. Die anschliessend neu aufgebaute Sohle verfügt stellenweise über vier Schichten: zuunterst Beton, dann Kies zur Drainage, Asphalt und schliesslich der Schotter.

Unerwartet morsche Stützmauer

Eine komplett morsche Stützmauer kam vor dem Wettswiler Tunnelportal unter dem Spritzbeton zum Vorschein. Hier war der Sanierungsbedarf deutlich grösser als erwartet. Durch den Hangdruck verformt war auch das Portal gegen Birmensdorf. Eine neue Beton-Vorkonstruktion sorgt hier für Stabilität. Und diese Vorkonstruktion ist auch der Grund, weshalb der Landikontunnel nun nicht mehr 482, sondern über 483 Meter lang ist.

Dass Tunnelbau nicht ungefährlich ist, dürfte jedem einleuchten. Umso erfreulicher, dass in der anderthalbjährigen Bauzeit grosse Zwischenfälle ausblieben. Dumeng Claglüna berichtet zwar von einem Dumper, der sich überschlagen hat und von einem Mauerstein, der sich aus dem Gewölbe löste und einen Arbeiter streifte, aber beide seien mit Prellungen glimpflich davongekommen.