Limmattal
Das Lehrstellen-Karussell dreht munter weiter

Die ersten Jugendlichen unterschreiben jetzt ihren Lehrvertrag für 2012, die letzten den für das angelaufene Jahr. Bis zu den Herbstferien können noch Lehrverträge abgeschlossen werden.

Katja Landolt
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Lehrlinge in einem Betrieb (Symbolbild)

Lehrlinge in einem Betrieb (Symbolbild)

Oliver Menge

Mit dem Herbst beginnt auch die Saison der Lehrstellensuche. Doch während die ersten Jugendlichen zum Vorstellungsgespräch für den Lehrbeginn 2012 eingeladen werden, unterschreiben die letzten den Lehrvertrag für das bereits angelaufene Lehrjahr 2011. «Das Lehrstellen-Karussell steht nie still», sagt Christine Viljehr, Stellenleiterin des biz Urdorf, dem Berufsinformationszentrum für die Bezirke Dietikon und Affoltern.

Bis zu den Herbstferien können noch Lehrverträge abgeschlossen werden. «Dabei handelt es sich aber um Einzelfälle», so Viljehr. Diese Lehrstellen werden auch nicht mehr über die grossen Lehrstellenportale aufgeschaltet, sondern über spezialisierte Ämter vermittelt. Beansprucht wird diese Last-Minute-Lösung hauptsächlich von Jugendlichen und Lehrbetrieben, die ein Anstellungsverhältnis aufgelöst haben. Und das passiert laut Viljehr häufig: «Es sind viele Anstellungsverhältnisse, die während der Lehre aufgelöst werden.»

So früh wie möglich?

Gleichzeitig mit den letzten Lehrverträgen für das laufende Jahr werden bereits auch die ersten Verträge für den Lehrbeginn im Sommer 2012 unterschrieben. «Früher bestand das Gentleman-Agreement, keinen Lehrvertrag vor November zu unterzeichnen», sagt Viljehr. Das habe lange sehr gut funktioniert, werde aber nun aber je länger je weniger eingehalten.

«Der Grossteil der Unternehmen hält sich noch immer daran, aber viele Grossunternehmen aus dem Banken- und Industriesektor wollen die Bewerber so früh wie möglich selektionieren.»

Glücklich sei man darüber nicht; eine so frühe Auswahl nütze niemanden, am wenigsten den Jugendlichen selbst. «Sie befinden sich mitten in der Pubertät und durchlaufen intensive Entwicklungsphasen.» Eingreifen könne man da aber nicht, schliesslich handle es sich um einen freien Markt. «Wir können dieser Entwicklung höchstens mit Fachwissen Gegensteuer geben.» Die Befürchtung, dass die grossen Unternehmungen so KMUs ausbremsen und die besten Kandidaten auf dem Markt oben abschöpfen, teilt Viljehr trotzdem nicht: «Auch im Frühling finden sich noch Top-Kandidaten; die Jugendlichen entwickeln sich in dieser Phase unglaublich schnell.»

Deutlich mehr Arbeitslose

Mit dem Ende der Sommerferien stiegen auch die Arbeitslosenzahlen bei den Jugendlichen: Im Mai waren im Bezirk Dietikon gemäss Statistik des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich 110 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren arbeitslos – im August waren es 162. Das ist eine Zunahme von rund 47 Prozent.

«Das ist eine normale saisonale Entwicklung», sagt Viljehr. Erfahrungsgemäss seien es aber nicht primär frische Schulabgänger, sondern Jugendliche, die bereits ein Motivationsjahr oder ein 10. Schuljahr absolviert und trotzdem erneut keine Lehrstelle gefunden hätten.

Dies, weil der schulische Rucksack zu klein ist, oder die Jugendlichen den Schritt vom Schulalltag ins Berufsleben alleine nicht meistern können. «Das ist eine wichtige Übergangsphase, manche brauchen dafür mehrere Anläufe.» Diesen Jugendlichen rät Viljehr, sich unbedingt an eine Fachstelle zu richten und sich in einem Zwischenjahr coachen zu lassen.

Deutlich entspannter zeigt sich die Situation bei den 20 bis 24-Jährigen; hier ist die Zahl der Arbeitslosen sogar rückläufig. Im Mai waren 168 Personen im Bezirk Dietikon gemeldet, im August waren es 165.