Zentrumsumfahrung
Das lange Warten aufs Velonetz ist noch nicht vorbei

Der Zürcher Regierungsrat hat einen klugen Entscheid gefällt: Die Kapazitätserweiterungen der Zentrumsumfahrungen von Dietikon und Schlieren sollen nun doch mit der Limmattalbahn zusammen realisiert werden.

Jürg Krebs
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Das Limmattal ist für Velofahrer aufgrund seiner mehr oder weniger ebenen Topografie und der kurzen bis mittleren Distanzen von A nach B geradezu prädestiniert. (Symbolbild)

Das Limmattal ist für Velofahrer aufgrund seiner mehr oder weniger ebenen Topografie und der kurzen bis mittleren Distanzen von A nach B geradezu prädestiniert. (Symbolbild)

Keystone

SVP, FDP, CVP und GLP dürfen dies getrost als ihr Verdienst verbuchen. Sie haben ihr Ziel erreicht. Immerhin haben deren Limmattaler Kantonsräte im Juli dem Regierungsrat mit ihrer koordinierten Aktion im Parlament auf die Sprünge geholfen. Klug ist der Entscheid der Regierung aus drei Gründen.

Erstens: Es ist sinnvoll, die Projekte gleichzeitig anzugehen, um Stau zu verhindern. Fährt die Limmattalbahn erst durch die Stadtkerne von Dietikon und Schlieren, beeinträchtigt sie übrige Verkehrsteilnehmer.

Zweitens: Der Regierungsrat handelt strategisch, denn er mindert mit seinem Beschluss den lokalen Widerstand gegen die Limmattalbahn. Zwar ist sie als Massnahme zur Bewältigung des erwarteten Verkehrsaufkommens aufgrund der Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung unbestritten. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Allen ist aber bewusst: Strassen- und Bahnprojekte sind derzeit nur kombiniert realisierbar, sollen sie politische Hürden nehmen.

Drittens: Der Regierungsrat setzt ein wichtiges Zeichen, dass der Kanton im Limmattal mit S-Bahn, Limmattalbahn und Buslinien nicht nur auf den öffentlichen Verkehr setzt. Er ist auch bereit, eine Verbesserung beim regionalen und überregionalen Strassennetz herbeizuführen. Genau das fordern Wirtschaft, Gewerbe und bürgerliche Parteien.

Die Konzentration der Lösungsvorschläge auf den Strassen- und öffentlichen Verkehr zeigt, dass das Potenzial eines attraktiven Velonetzes und von fussgängerfreundlichen Orts- und Stadtzentren zur Lösung des Verkehrsproblems noch immer verkannt wird. Natürlich, Fussgängerzonen sind in Schlieren und Dietikon im Gespräch und neuerdings in anderer Form auch in Oberengstringen. Doch die Herangehensweise wirkt zögerlich, die Meinungen sind noch nicht gemacht.

Beim Velonetz zeigt etwa Winterthur, wie viel Potenzial in brauchbaren Velowegen steckt. Das Limmattal ist für Velofahrer aufgrund seiner mehr oder weniger ebenen Topografie und der kurzen bis mittleren Distanzen von A nach B geradezu prädestiniert. Das Thema kommt seit Jahren aber nicht über den Status von Absichtserklärungen hinaus.

Die Erkenntnis aus der bürgerlichen Aktion vom Juli ist: Ruft das Limmattal im Chor, wird auch die Regierung hellhörig. Vielleicht sollte der Chor um die Kantonsräte von SP und Grünen verstärkt werden. Das Resultat könnte noch wohlklingender sein.