Ursprünglich war ein gemeinsamer Turm für die reformierte und die katholische Kirche in Geroldswil geplant. Soweit ist es nie gekommen. Doch auch ohne gemeinsamen Turm ist die Nähe der beiden Kirchen nicht zu übersehen. Lediglich ein paar wenige Meter trennen die Eingänge voneinander.

Das war vor 50 Jahren noch ganz anders. Das heutige Zentrum in Geroldswil existierte damals noch nicht, und damit auch keine Kirchen. Während die reformierte Bevölkerung in Weiningen die Gottesdienste besuchte, mussten sich die katholischen Einwohner aus Geroldswil, Oetwil und der Fahrweid Sonntag für Sonntag auf den Weg nach Dietikon machen. Die Katholiken aus Weiningen Dorf gehörten damals zur Engstringer Kirchgemeinde. 

Meilenstein für die Katholiken

Es ist deshalb verständlich, dass Zeitzeugen von einem Meilenstein sprechen, wenn sie auf den 13. Januar 1963 angesprochen werden. An diesem Sonntag fand im Oetwiler Schulhaus Letten der erste Gottesdienst für die katholische Bevölkerung von Oetwil und Geroldswil statt.

Vermutlich handelte es sich sogar um den ersten katholischen Gottesdienst seit der Reformation. Denn seit der Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen lebten in Oetwil, Geroldswil und Weiningen kaum Katholiken. Dies änderte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich mit der Zuwanderung und dem Wachstum der Gemeinden auch immer mehr Katholiken in Oetwil, Geroldswil und der Fahrweid niederliessen. Sie gehörten zuerst zur Pfarrei Heilig-Kreuz in Zürich Altstetten, danach zur Pfarrei St. Josef in Schlieren und ab 1935 zur Pfarrei Dietikon.

Für die Katholiken in diesen Gemeinden bedeutete der sonntägliche Kirchgang im Normalfall also einen längeren Spaziergang. Busse verkehrten kaum in den heutigen Bezirkshauptort, ein Auto besassen die wenigsten. Um an dieser Situation etwas zu ändern, wurde 1956 auf Initiative des damaligen Dietiker Kirchgemeindepräsidenten Georg Maier der Kirchbauverein Geroldswil gegründet.

Vier Jahre später wurde die St.-Johannes-Stiftung Geroldswil aus der Taufe gehoben. Ihren Namen erhielt sie von der St.-Johannes-Kapelle in Oetwil, deren Grundmauern bei Ausgrabungen wenige Jahre zuvor freigelegt worden waren (siehe Kontext). Bis zur Einweihung der heutigen Kirche im Geroldswiler Zentrum sollte es aber noch einige Jahre dauern. Sie erfolgte erst 1972.

Ausstattung war sehr schlicht

Vorderhand mussten die Katholiken mit den Gottesdiensten im Oetwiler Schulhaus Letten an der Grenze zu Geroldswil vorlieb nehmen. «Man muss sich die Ausstattung des Schulzimmers sehr schlicht vorstellen. Ein Tisch, ein paar Bänke und ein Harmonium, das war alles», erinnert sich Alois Bauer, der damals als Vikar in Oetwil Gottesdienste feierte. Das habe ihm aber nichts ausgemacht. Er sei jeweils gerne von Dietikon nach Oetwil gekommen.

«Einerseits wusste man schon damals, dass es sich um ein Provisorium handelt. Andererseits habe ich die Nähe zur Gemeinde sehr geschätzt. In einer grossen Kirche wie der St. Agatha war das nicht der Fall», so Bauer. Bis zu 30 Personen besuchten damals den Gottesdienst. Diese Zahl mag auf den ersten Blick klein scheinen. Dennoch ist Bauer davon überzeugt, dass die Gottesdienste im Schulzimmer ein wichtiges Zeichen waren. «Wir haben den Leuten gezeigt, dass sie nicht alleine sind. Zudem haben die Gottesdienste im eigenen Dorf den Zusammenhalt unter der katholischen Bevölkerung gestärkt», sagt Bauer.

Schule war sofort bereit zu helfen

Dieser Meinung ist auch Theo Quinter, der von 1963 bis 1986 als Gemeindepräsident von Geroldswil amtete. «Der Zusammenhalt unter den Katholiken war gross», erinnert er sich. Der Kirchbauverein habe als Kitt gewirkt. Durch die Gottesdienste in Oetwil hätten sich Dinge dann weiter hin zu einer eigenen Kirche entwickelt. «Man kann diese Gottesdienste deshalb als Meilensteine bezeichnen», so Quinter.

Dank gebühre aber auch der damaligen Schulpflege, die sofort einverstanden gewesen sei, den Katholiken das Schulzimmer zur Verfügung zu stellen. «Und auch das Verhältnis zur reformierten Kirche war schon damals gut», hält er fest. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Seit der Abspaltung von Dietikon 1985 ist die katholische Kirchgemeinde Geroldswil eigenständig.

Zusammen mit der reformierten Kirche leistet sie vor allem für Senioren einen grossen Beitrag. Sei das in Form von Seniorennachmittagen, Wanderungen, Mittagstisch oder dem Erzählkafi. Theres Strobel, die unter anderem das Erzählkafi leitet, schätzt es, dass sich bei ihr ganz unterschiedliche Menschen treffen. «Die Konfession spielt überhaupt keine Rolle. Wichtig ist, dass man sich trifft und austauscht.»