Nickless, eigentlich Nicola Kneringer, ist ein Phänomen. Bereits mit seiner Debut-Single landete er – im Alter von nur 20 Jahren – einen Hit. Mehr als jeder andere Song eines Schweizers wurde «Waiting» 2015 im Radio gespielt. Ein Jahr später staubte er damit gar den Swiss Music Award in der Kategorie «Bester Nationaler Hit» ab.

Seinem Erfolg gingen weder Teilnahmen an Castingshows noch das übliche Marketing auf den sozialen Medien voraus. Er überzeugte ganz altmodisch mit seinem Handwerk.

Am Samstag war der nun 23-jährige, in Uetikon am See aufgewachsene Singer-Songwriter im neuen Dietiker Kulturzentrum Gleis 21 zu hören, das am 12. Januar seine grosse Eröffnung feierte. Sogleich stellte Nickless unter Beweis, warum er als vielversprechendes Jungtalent der Schweizer Popmusik gefeiert wird: Er servierte dem Publikum keinen öden Einheitsbrei, sondern eine erfrischende Mischung aus Rock und Folk, die gar nicht so einfach zu definieren ist. Sie fiel ähnlich aus dem Rahmen, wie die quietschbunten Jacken, die Nickless und seine Bandmitglieder trugen.

Obschon das Publikum überschaubar war, sprühten die vier Musiker vor Enthusiasmus und schienen sich auf der Bühne immer wieder selbst anzufeuern. Spätestens mit dem Song «Downtown» sprang das Feuer auch aufs Publikum über. Viele Leute standen auf und wurden von den kräftigen, peitschenden Beats in Bewegung gesetzt. In einigen Passagen wechselte Nickless kühn in die Kopfstimme, was dem Song eine zusätzlich kreative Note gab.

«Früher war ich Schlagzeuger»

Für den ersten Song aus dem 2018 erschienenen Album «Chapters» entledigten sich die Musiker ihrer Jacken und vollzogen gleichzeitig auch einen musikalischen Wechsel. Mit dem Song «All My Life» ging es dann etwas zurückhaltender zu und her. Melancholisch blickte Nickless auf eine verflossene, aber nicht verwundene Liebe zurück. Mit lebendigen Rhythmen regte aber auch dieser Song zum Tanzen an.

Darauf überraschte Nickless mit einer für einen Popstar aussergewöhnlichen Einlage. «Wie einige wissen, war ich früher Schlagzeuger», sagte er. Gerne wolle er dem Publikum eine Kostprobe seines Könnens geben, aber das Schlagzeug sei nun einmal besetzt. Und so nahm er einfach den Mund zur Hilfe und begann zu beatboxen. Das Publikum war verblüfft und amüsiert über die Beats und Perkussionsrhythmen, die er so imitierte.

«Das Konzert war mitreissend!»

Überhaupt beherrscht Nickless das Spiel mit dem Publikum perfekt. Mit einem verschmitzten Lächeln forderte er es zum Mitsingen auf, erbat sich eine Zuschauerwelle und stieg auch von der Bühne hinab. Als ob er vor sich seine Freunde versammelt hätte, flirtete und schäkerte Nickless mit den Anwesenden. Und so wurde geklatscht und gesungen, ganz wie er sich das wünschte.

Das Publikum zog ein positives Fazit. «Mir hat es sehr gut gefallen», sagte Misch Sutter aus Zürich, «die Musik ist erfrischend und ein guter Start für seine Musikkarriere. Es ist bloss schade, dass nicht mehr Leute hier waren.» Und Pius Hersche aus Dietikon meinte: «Das Konzert war mitreissend! Nicht zuletzt war Nickless auch als Person sehr gewinnend.»