Stürmisch hat es begonnen, das neue Jahr – zumindest wettertechnisch. Doch was wird 2012 für die Limmattaler Gemeinden bringen? Was bewegt, was muss bewegt werden? Die az Limmattaler Zeitung hat die Gemeindeoberhäupter nach den wichtigsten politischen Projekten, den grössten gemeindepolitischen Herausforderungen und ihrem persönlichen Highlight gefragt.

Als wichtigste Projekte für die Gemeinde Bergdietikon nennt Gemeindeammann Gerhart Isler (Bürgerforum) die entscheidende Planungsphase für das neue Mehrzweckgebäude Schule und die Inangriffnahme der Revision der Bau- und Nutzungsordnung. «Die gemeindepolitische Herausforderung ist, trotz der grossen Belastung die Finanzen im Griff zu behalten», so Isler. Für die Region sieht er das Asylwesen als grösste Herausforderung: «Im Asylwesen sollte man darauf bedacht sein, dass es nicht noch mehr ausser Kontrolle gerät.» Der Gemeinderat freue sich darauf, die verschiedensten Herausforderungen möglichst im Sinne des Wohles für die Gemeinde zu meistern und hoffe dabei auf Verständnis und Vertrauen der Bevölkerung.

Birmensdorf in den Schlagzeilen

Die Gemeinde Birmensdorf ist gleich zu Beginn des Jahres in die Schlagzeilen geraten: In einem der Container der Asylunterkunft brach in der Silvesternacht ein Feuer aus (siehe auch Seite 23). Dementsprechend brennt Gemeindepräsident Werner Steiner (SVP) das Thema Asylwesen auch unter den Nägeln: «Wir müssen die momentane Situation und die Ereignisse vom 1.Januar sowie Massnahmen zur Beruhigung und Information der Anwohner und Bürger abklären.» Als weiteres wichtiges Projekt nennt Steiner die Finanzpolitik: Die Auswirkungen des neuen Finanzausgleichgesetzes und des neuen Spitalfinanzierungsgesetzes müssten beobachtet werden und in die Finanzplanung einfliessen.

«Nachdem mit der Initiative ‹Sternen› und dem Bau und Betrieb der Asylunterkunft etwas Unruhe im Dorf entstanden ist, möchte der Gemeinderat die Lage wieder beruhigen und ein entspanntes und konstruktives Leben in der Gemeinde fördern», so Steiner zu den gemeindepolitischen Herausforderungen. Sein persönliches Highlight dürfte die Eröffnung des neuen Alters- und Pflegezentrums «am Bach» im Herbst werden: «Ich freue mich sehr auf dieses Angebot in unserer Gemeinde.»

Ursula Hofstetter (FDP), Gemeindepräsidentin Geroldswil, sieht als wichtigste Projekte die Umsetzung eines bedarfsgerechten familienergänzenden Betreuungsangebots im Vorschulbereich, eine nachhaltige Energiepolitik oder die Zentrumsplanung mit der neuen Busschlaufe.

Bezüglich gemeindepolitischer Herausforderungen liefert Hofstetter einen ganzen Strauss an gesundheitspolitischen Themen: die Abstimmung über das Spitalplanungs- und Spitalfinanzierungsgesetz im Juni 2012 und die Auswirkungen dieses Gesetzes auf den Finanzhaushalt, die Auswirkungen der Austritte der Furttaler Gemeinden aus dem Zweckverband und einen möglichen Dominoeffekt, die Auswirkungen der Statutenänderung des Zweckverbands des Spital Limmattal und die Erarbeitung eines Pflegeversorgungskonzepts. «Weiter müssen wir unsere Ressourcen bestmöglich einsetzen und eine Neuverschuldung vermeiden», so Hofstetter. Als weitere Herausforderung nennt sie die Entwicklung der Steuerkraft aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen und die Auswirkung auf die Finanzkraft. Und worauf freut sie sich besonders? «Auf die weiterhin gute und effiziente Zusammenarbeit im Gemeinderat.»

Bauprojekte in Oberengstringen

Die wichtigsten politischen Projekte für Oberengstringen sind laut Gemeindepräsident André Bender (SVP) baulicher Natur: «Das Ausarbeiten eines Masterplans für die verschiedenen Projekte, die wir am Planen sind, wie beispielsweise den Ersatz eines Primarschulhauses, Wohnen im Alter, die Zentrumskreuzung und die Sportanlage.» Als grösste gemeindepolitische Herausforderung sieht Bender, alle Bedürfnisse und Wünsche der verschiedenen Alters- und Interessengruppen unter einen Hut zu bringen. Er freue sich aber darauf, «dass wir aufgrund der finanziellen Umstände in der Lage sind, neue Projekte nicht nur zu planen, sondern auch in die Gemeindeversammlung zu bringen und nach der Zustimmung des Souveränes auch zu realisieren».

«Es ist geplant, dass per Ende 2012 die Sanierung und Erweiterung des Alterszentrums Weihermatt als aktuell grösstes sich im Bau befindliches Projekt abgeschlossen werden kann. In diesem Zusammenhang soll übrigens auch der Internetauftritt des Alterszentrums überarbeitet werden», so Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner (EVP) über die politischen Projekte der Gemeinde Urdorf. Zudem sei in Hinblick auf das angestrebte moderate Bevölkerungswachstum vorgesehen, dass für das Gebiet «Böllis-Baumgarten» eine Einzonungsvorlage erarbeitet werde. «Im Weiteren entwickelt der Gemeinderat ein raumplanerisches Gesamtkonzept sowie eine Strategie zur Gestaltung des Raumes im inskünftigen Einzugsgebiet der Limmattalbahn.»

Als grösste gemeindepolitische Herausforderung sieht Rottensteiner die Verkehrssituation: «Dies primär aufgrund der generellen Belastung unseres Strassennetzes sowie aufgrund des Durchgangs- und Schleichverkehrs durch Urdorf.» Dem Gemeinderat sei es ein Anliegen, die sich stets verändernden Rahmenbedingungen für die Gemeinde – sofern beeinflussbar – so entwickeln zu können, «dass wir weiterhin in einer Gemeinde, die insbesondere als attraktiver Wohnort für Familien geschätzt wird, leben können». Persönlich freue sie sich ganz speziell auf den Abschluss der Bautätigkeiten am Alterszentrum Weihermatt. «Im Weiteren freue ich mich auf die zahlreichen Begegnungen, sei es im Dorf oder in Gremien, für deren Erleben sich das Begehen des manchmal steinigen politischen Weges stets lohnt.»

Dorfentwicklung in Weiningen

Als wichtigste politische Projekte stehen in Weinigen die zukünftige Entwicklung des südlichen Dorfteils sowie die Strassenraumgestaltung im Zusammenhang mit den flankierenden Massnahmen zur Nordumfahrung Zürich und dem Bau der dritten Röhre am Gubrist im Zentrum. «Die grösste gemeindepolitische Herausforderung werden unbestrittenermassen die Verhandlungen mit dem Astra zur Durchsetzung der siedlungsverträglichen Portalgestaltung sein», sagt Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP). Er freue sich besonders auf die Herausforderung, ein weiteres Jahr Gemeindepräsident zu sein, mit den vielen dazugehörigen Kontakten und Begegnungen.

Mit den Fragen wurden sämtliche Limmattaler Gemeinden bedient. An der Umfrage beteiligt haben sich sechs der zwölf Gemeinden.